"Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel sind kein Widerspruch"
OÖ. Auf Initiative Oberösterreichs trafen am Mittwoch alle Wirtschafts-Landesräte mit dem neuen Präsidenten der Industriellenvereinigung Österreich Georg Knill zum Arbeitsgespräch via Onlinekonferenz zusammen. „Die produzierende Industrie hat sich in der Corona-Krise als Fels in der Brandung erwiesen und bereits wieder Vor-Krisen-Niveau erreicht. Damit wird die Industrie auch einen wesentlichen Beitrag zum Comeback der Wirtschaft nach Corona leisten“, ist Landesrat Markus Achleitner überzeugt.

Beim Arbeitsgespräch präsentierte IV-Präsident Georg Knill die Strategien der Industrie zur Bewältigung der großen Herausforderungen durch die Corona-Krise, aber auch zum Klimaschutz und zur digitalen Transformation.
„Aus der Sicht Oberösterreichs ist klar: Ökonomie und Ökologie sind kein Gegensatz und die Industrie ist beim Klima- und Umweltschutz daher nicht Teil des Problems, sondern ein Schlüssel zur Bewältigung dieser Herausforderung. Denn die Ökologisierung der Wirtschaft und der Industrie bietet die große Chance auf zusätzliche Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Das zeigt etwa das Projekt NEFI – New Energy for Industry – mit starker oberösterreichischer Beteiligung, das das ehrgeizige Ziel einer industriellen Produktion ohne fossile Energie verfolgt. Die Erreichung dieses Ziels ist nicht nur wesentlich für die Absicherung des Industriestandortes Oberösterreich, sondern eröffnet auch große Marktchancen, gerade für unser Bundesland als Standort vieler erfolgreicher Energietechnologie-Unternehmen“, so Achleitner. Er betonte auch die Notwendigkeit geeigneter Rahmenbedingungen durch die öffentliche Hand. „Oberösterreich setzt hier auf eine aktive Standortpolitik, beispielsweise mit Qualifizierungsprogrammen, um den Unternehmen die benötigten Fachkräfte zur Verfügung stellen zu können, oder auch mit Interkommunaler Betriebsansiedlung, um die nötigen Flächen für Betriebsansiedlungen bzw. –erweiterungen zur Verfügung zu stellen, bei gleichzeitiger Schonung der Bodenressourcen.“
Planbare Rahmenbedingungen notwendig
„Wir bekennen uns zu Klimaneutralität bis Mitte des Jahrhunderts und sind Partner für den Klimaschutz. Dafür brauchen Unternehmen planbare Rahmenbedingungen mit realistischen Zielen“, so IV-Präsident Georg Knill.
Zudem habe Corona die Bedeutung resilienter Logistikketten deutlich gemacht. „Um diese zu sichern bzw. auszubauen, muss der Fokus weiter auf den Ausbau zukunftsfester Infrastruktur, Technologieneutralität und eine moderne Raumordnung als Lenkungsinstrument für Verkehrs- und Siedlungspolitik gerichtet sein.“ Aber auch die Erreichbarkeit internationaler Märkte sei bedeutend, „als Exportland hängen Wohlstand, Arbeitsplätze und Lebensqualität am Erfolg unsere Unternehmen und ihrer Beschäftigten auf den internationalen Märkten. Zudem müsse der grenzüberschreitende Güter-, Pendler- sowie Berufsverkehr weiterhin aufrechterhalten bleiben.“
Herausforderung Fachkräftemangel, weniger Lehrlinge
Weitere Herausforderung für zahlreiche Unternehmen in der Industrie sei nach wie vor das Thema Fachkräfte. „Es klingt paradox, aber Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel sind kein Widerspruch. Das bestätigt eine aktuelle Umfrage unter unseren Mitgliedsbetrieben“, so Knill. Besonders stark nachgefragt seien derzeit Berufe in den Bereichen Technik & Produktion, IT oder Forschung & Entwicklung. „Auch bei den Lehrlingen erleben wir aktuell einen qualitativen wie quantitativen Rückgang an Bewerberinnen und Bewerben. Hier gilt es gegenzusteuern – wir müssen gemeinsam zeigen, wie attraktiv eine Lehre in der Industrie ist und welche Karriereperspektiven und Einkommenschancen es hier gibt“, so Knill.
Konkret plädiert die Industrie für eine strukturierte Eingangsphase in die Lehre, eine Modernisierung der Berufsschulen, Maßnahmen, um vor allem Mädchen und junge Frauen für technische Lehrberufe zu interessieren sowie eine Attraktivierung der Lehre nach der Matura.


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