Sechs Jahre Potocnik: „Die aktuelle Bilanz für Linz – und das war erst der Anfang“
LINZ. 2015 zog der Stadtentwickler und studierte Architekt Lorenz Potocnik als Mandatar in den Linzer Gemeinderat ein. Höchste Zeit für eine beachtliche Bilanz: Als kleinste Fraktion wurde die Oppositionsarbeit mit 230 Anträgen ernst genommen – aber nicht nur das: Auch Lösungen wurden stets mitgeliefert.

„Guerilla-Opposition“ nennt Lorenz Potocnik seine bisherige Arbeit im Gemeinderat. „So soll Oppositionspolitik eigentlich sein: unbequem, frech und wenn nötig auch subversiv.“ Gibt es bei größeren Projekten Widerstand oder Unmut, wenden sich die Bürger mittlerweile schon automatisch an Lorenz Potocnik: „Ständig höre ich Dinge wie „der Bürgermeister ist telefonisch nicht zu erreichen“ oder er meldet sich nicht zurück. Das geht so nicht.“
Lorenz Potocnik gibt den Initiativen eine Stimme, begleitet sie und fungiert als eine Art Coach: „Engagement und konstruktives Einmischen sind oft jahrelange, knochenharte Arbeit. Dies erfordert Mut, Wissen und Ausdauer. Ich sehe es als meine politische und stadtentwicklerische Aufgabe, die Linzer zu ermächtigen.“
LASK Stadionprojekt
Um die 25 Bürgerinitiativen hat er bereits begleitet oder mit auf den Weg gebracht – mit teilweise beachtlichem Erfolg. Aufsehenerregendste Story war mit Sicherheit das am Pichlinger See geplante LASK Stadionprojekt, das bis zu 15 Hektar Grünland zerstört hätte: „Jeder hat uns geraten, die Finger davon zu lassen, weil sowohl Stadt- als auch Landespolitik hinter dem Stadionprojekt standen. Die Gegner wurden wie so oft als Spinner abgetan.“ Lorenz Potocnik wurden sogar die Anwälte auf den Hals gehetzt. Am Ende gelang es mit dutzenden Mitstreitern, das Projekt zu Fall zu bringen und eine noch bessere Umsetzung auf den Weg zu bringen: Der LASK baut jetzt am alten, öffentlich sehr gut angebundenen Standort auf der Gugl – der wertvolle Grüngürtel bleibt unangetastet.
Schmunzeln muss Potocnik über den Linzer Bürgermeister: „Er hat sich weggeduckt und geschaut, wie sich die Sache entwickelt. Als er nicht mehr aus konnte, sprang er auf den fahrenden Zug auf und behauptete ernstlich, ER hätte das Grünland gerettet und wäre sowieso immer schon gegen die Verbauung des Pichlinger Sees gewesen. Ich habe selten so viel Unehrlichkeit erlebt.“
Andres-Hofer-Park
Auch beim Andreas-Hofer-Park gelang der dortigen Bürgerinitiative ein beachtlicher Erfolg: Hier wollte ein mächtiger Baukonzern eine große Garage unter dem Park errichten, viele große Bäume hätten gefällt werden müssen, die Ein-/Ausfahrt hätte den Park durchschnitten. Auch dort war alles bereits auf Schiene, Klaus Luger unterstützte den Baukonzern bis zuletzt. Mit Unterschriftenlisten, großen Festen im Park, gezielter Medienarbeit und dem von Potocnik mit Plänen untermauerten Alternativ-Standort gelang es, die Garage abzudrehen.
Aktuell auf Potocniks Speiseplan: die geplante Ostumfahrungs-Transitautobahn. Diese soll mitten durch die Traunauen und dicht bewohntes Gebiet verlaufen, obwohl es eine östlich liegende, echte Umfahrung gäbe. Potocnik: „Bis zum Herbst geben wir die nötigen 6.100 Unterschriften ab. Dann wird eine Volksbefragung dafür sorgen, dass Schluss ist mit den selbstzerstörerischen Planungen.“

