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OÖ. In Oberösterreich sind derzeit 54 Kassenstellen unbesetzt, davon betreffen 40 die Allgemeinmedizin. Dieser Umstand wird sich durch die bevorstehende Pensionierungswelle noch verschärfen, die Ärztekammer fordert rasche Lösungen, auch um die überforderte Ärzteschaft zu entlasten.

Peter Niedermoser, Präsident der OÖ-Ärztekammer. (Foto: Volker Weihbold)
Peter Niedermoser, Präsident der OÖ-Ärztekammer. (Foto: Volker Weihbold)

Die Anforderungen an den Beruf des Allgemeinmediziners haben sich bei der jungen Generation an Ärztinnen und Ärzten geändert“, weiß Johanna Holzhaider, Kurienobmann-Stellvertreterin der niedergelassenen Ärzte in der OÖ-Ärztekammer und Allgemeinmedizinerin in Sandl.

Gute Zusammenarbeit mit dem Land OÖ und der damaligen OÖGK

Sowohl Holzhaider als auch Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich, sprechen von einer positiven Zusammenarbeit mit der Landespolitik und der damals noch eigenständig agierenden OÖ-Gesundheitskasse im Hinblick auf die Ausarbeitung zeitgemäßer Arbeitsmodelle. Auch Mentoring-Programme, Lehrpraxen oder das Projekt NeuAMstart erwähnen sie lobend. Die Rahmenbedingungen für den Beruf seien auf gute Füße gestellt worden, so Holzhaider.

Priorisierung wird künftig notwendig werden

Zum Negativen geändert habe sich hingegen der Umgangston in den Arztpraxen. Frustrierte Patienten stehen überlasteten Ärzten gegenüber. Durch die vielen unbesetzten Kassenstellen finden Patienten nur schwer einen Kassenarzt. Es werde daher künftig eine Priorisierung geben müssen: „Es muss den Patienten klar sein: In Zukunft wird es immer mehr notwendig werden, dass die Ärzte entscheiden, welche Patienten zuerst an die Reihe kommen. Dringend notwendige Untersuchungen werden selbstverständlich wie bisher sofort mit einer sehr guten Qualität durchgeführt. Bei nicht akuten Untersuchungen wird es aber notwendig sein, sich künftig einen späteren Termin auszumachen“, so Niedermoser.

Druck auf Ärzte steigt

Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass die ohnehin schon am Limit agierenden Spitalsambulanzen überrannt würden. Es werde künftig eine bessere Patientenlenkung brauchen. Der Engpass dürfe auch nicht auf dem Rücken der Ärzteschaft ausgetragen werden: „Der Druck auf die Ärztinnen und Ärzte wird immer größer, denn es fehlen immer mehr Ärzte und gleichzeitig wird der Unmut immer größer, der durch volle Terminpläne und lange Wartezeiten hervorgerufen wird“, so Holzhaider.

Kritik an Zentralisierung der Gesundheitskasse

Die Ärztekammer fordert daher rasche Lösungen seitens der Gesundheitskasse und der Bundespolitik, wie auch von den zuständigen Behörden. Scharfe Kritik übt Niedermoser an der Zentralisierung der ÖGK-Stellen. Bis zu dieser Umstellung sei es in Oberösterreich mit der OÖ-GKK gut gelungen, eine gute Fortentwicklung sicherzustellen - vor allem durch die BSC Vereinbarung. Nun sei aus der ÖGK-Bilanz ersichtlich, das Oberösterreich für sich betrachtet im Jahr 2021 etwa 92 Millionen Gewinn gemacht habe, das durch die Kassenfusion in andere Bundesländer abfließe. „Jene knapp 300 Millionen Euro, die im Zuge dieser Reform aus unserem Bundesland nach Wien geflossen sind, müssen wieder in die Region zurück und hier in die Gesundheitsversorgung investiert werden.“

Ärzteschaft am Limit

Die Folge dessen seien: Unbesetzte Kassenstellen, unzufriedene Patienten, eine überarbeitete Ärzteschaft und stockender Nachwuchs im niedergelassenen Bereich. Vor allem in der Allgemeinmedizin, Gynäkologie sowie in der Kinder- und Jugendheilkunde fehlt bekanntermaßen Personal. Die Rahmenbedingungen müssten rasch verbessert werden, sonst drohe der medizinischen Versorgung der Notstand, so die Ärztekammer für Oberösterreich. Schon jetzt sei man am Limit.


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