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OÖ/LINZ. Werner Steinecker hat sich vom Lehrling zum Energie AG-Generaldirektor hochgearbeitet. Mit Jahresende tritt er den verdienten Ruhestand an. Tips-Chefredakteur Josef Gruber hat sich mit ihm über die aktuelle Energiekrise, sein Engagement für Lehrlinge und mehr unterhalten.¶

Energie AG-Generaldirektor Werner Steinecker - mit Jahresende geht er in Pension. (Foto: Volker Weihbold)

Tips: Zum Finale als Generaldirektor eine Situation am Energiemarkt, die Politik, Wirtschaft und Private total unvorbereitet getroffen hat. Sie auch?

Werner Steinecker: In der Tat! Wir waren mit den Energiepreisverwerfungen – Strom und Gas gleichermaßen – ab Oktober 2021 konfrontiert. Das heißt, sie haben nicht, wie landläufig geglaubt, erst mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine begonnen. Im Oktober war die europäische Wirtschaft auf einem Hochkonjunkturniveau. Die Hälfte der französischen Atomkraftwerke war in Revision. Dazugekommen ist noch eine sehr anhaltende Trockenheit, die auch heuer im Frühjahr seine Fortsetzung gefunden hat. Diese Trockenheit hat nicht nur bei der Wasserkraftproduktion zu deutlichen Einbußen geführt. Auch beim Kohletransport zum Beispiel auf dem Rhein konnten die Frachtschiffe nur mit halber Beladung ausgestattet werden, auch die Atomkraftwerke an der Loire haben so wenig Kühlwasser zur Verfügung gehabt, dass sie nicht die volle Leistung – so sie überhaupt am Netz waren – entfalten konnten. Die Zeit zwischen Oktober bis Mitte Jänner hat uns schon einiges abverlangt. Das Krisenmanagement der Energie AG hat auf Hochtouren gearbeitet. Und dann ist der Krieg gekommen und hat nochmals alles in den Schatten gestellt.

Tips: Ihr Nachfolger Leonhard Schitter hat gesagt, dass er die größten Probleme bei der Gasversorgung erst im Winter 2023/24 sieht?

Steinecker: Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Warum? Weil es heuer mit europäischem Aufbäumen gelungen ist, die Gasspeicher zu füllen. Österreich ist in einer begnadeten Gasspeichersituation. Wir sind das einzige Land in Europa, das beim Speichervolumen 'long' ist. Das heißt, wir haben mehr, als wir selber brauchen, trotz großer Industrieverbraucher, gerade in Oberösterreich. Wie sich das in der Heizperiode 23/24 auswirken wird, bleibt abzuwarten. Aber die mahnenden Hinweise von meinem Nachfolger sind gerechtfertigt, weil wir in eine Art Notprogramm gefahren sind – mit Spar-Appellen, mit amerikanischen Ersatzbeschaffungen im Bereich verflüssigtem Gas. Ob das ein zweites Mal gelingt, bleibt abzuwarten.

Tips: Sie können auf eine Bilderbuchkarriere zurückblicken, vom Lehrling zum Generaldirektor. Welche Zeit war am spannendsten?

Steinecker: Dieser Rückblick währt mittlerweile 50 Jahre. Jede Epoche für sich hat extreme Spannungen gehabt. Und der Mensch neigt dazu, dass er sagt, dass momentan erlebte ist das spannendste, er vergisst gerne das Zurückliegende und er ist grundsätzlich zu Recht optimistisch, was die Zukunft anbelangt. Also, es gibt keine Zeitepoche - auch nicht in den 130 Jahren der Energie AG - wo man sagen kann, das war der absolute Supergau. Ich glaube, jede Zeit hat aufgrund der gesellschaftspolitischen Erfordernisse, aufgrund der geopolitischen Rahmenbedingungen Herausforderungen, die es vorher noch nie gegeben hat und die möglicherweise so in dieser Form nicht mehr wieder kommen und durch neue Herausforderungen ersetzt werden – es bleibt spannend.

Tips: Worüber haben Sie sich am meisten gefreut? Über Erfolge, über Situationen?

Steinecker: Ich hab mich immer gefreut, wenn aus spontanen Ideen, von sehr ambitionierten, klugen Mitarbeitern, Realität geworden ist. Zum Beispiel, wenn Mitarbeiter nach einer Wanderung im Großarltal, wo wir ja traditionelle Belieferung haben und sieben Wasserkraftwerke betreiben, sagen, 'wir haben uns vom Bergrücken aus das Gelände angeschaut, da ließe sich wunderbar ein Wasserkraftwerk ohne großen Eingriff in die Natur, platzieren'. Wir haben uns das dann näher angeschaut und sind in Planungen gegangen. Dann haben wir vielleicht zwei, drei Jahre später die Inbetriebnahme dieses Kraftwerks gefeiert. So auch tatsächlich geschehen mit dem Pumpspeicherwerk Ebensee. Das Projekt ist genehmigt und ich glaube, es wird in drei bis vier Jahren in Betrieb gehen. Das freut mich, das zeugt von der enormen Leistungsfähigkeit, aber auch von der Kreativität der Mitarbeiter – die stabilen Faktoren in all diesen 130 Jahren.

Tips: Was hätten Sie sich lieber erspart?

Steinecker: Unmotivierte und sachlich wenig fundierte Diskussionen. Es gibt ein Faktum: Das Wasser wird nie bergauf rinnen.

Tips: Sie haben eine spezielle Lehrlingsinitiative gestartet ...

Steinecker: Ich habe vor fünf Jahren aus der tiefen Überzeugung, dass der Lehrberuf eine tolle Chance nicht nur für den Einzelnen, sondern für ganz Österreich ist, die Initiative 'Zukunft Lehre Österreich' gestartet. Mittlerweile sind alle Großbetriebe Österreichs, egal in welchem Bundesland, egal von welcher Größenordnung, mit dabei. Ich bin stolz darauf und überzeugt, dass sich das auch nach meiner Zeit gut weiter gestalten wird und die Lehre gute Chancen hat, wieder zur wichtigsten Ausbildungsform zu werden.

Tips: Welchen Rat geben Sie jungen Menschen, die am Beginn ihres Berufslebens stehen?

Steinecker: Die Frage wird mir oft gestellt. Ich gebe immer denselben Rat – und je mehr ich ihn gebe, desto mehr glaube ich daran: einfach neugierig bleiben und sich nicht zufriedengeben mit schnellen Antworten. Dinge und Zustände hinterfragen, dann aber auch zu einer Entscheidung stehen. Einfach bereit sein – durch kluge Weiterentwicklung und durch sich permanentes neu ausrichten.

Tips: Womit werden Ihre Tage künftig erfüllt sein?

Steinecker: Mir wird nicht fad. Es gibt viele Ideen. Natürlich: All das, was zu kurz gekommen ist – mit meiner Frau, mit meinen Hobbys, mit meinem Hund – dem werde ich in Zukunft mehr Bedeutung geben. Und dankbar sein in puncto Gesundheit.


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