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"Niemals wieder" aktueller denn je: Israelitische Kultusgemeinde Linz lud zur Gedenkfeier

Anna Fessler, 10.11.2023 17:28

LINZ. Die Israelitische Kultusgemeinde Linz (IKG Linz) lud am Donnerstag, 9. November 2023 zu einer Gedenkstunde in die Synagoge – jenen Ort, an dem sich vor 85 Jahren die Schrecken der Reichspogromnacht ereignet hatten. Die Erinnerung daran ist wichtiger denn je, antisemitische Vorfälle häufen sich in ganz Österreich.

  1 / 3   Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, Charlotte Herman, bei ihrer Rede zu Beginn der Gedenkfeier. (Foto: MIG-Pictures e.U. / Michaela Greil)

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 initiierte Adolf Hitlers Reichspropagandaminister Joseph Goebbels einen Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Dabei wurden Synagogen und jüdische Einrichtungen in Brand gesteckt und verwüstet. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert, zerstört, beschlagnahmt. Mehrere Menschen wurden getötet.

Goebbels prägte für diese Nacht den Begriff „Reichskristallnacht“, mit Bezug auf die angeblich wie Kristalle schimmernden Scherben der zerschlagenen Fenster und Auslagen jüdischer Geschäfte.

Auch im Jahr 2023 nimmt der Antisemitismus erschreckende Ausmaße an: der jüdische Friedhof in Wien wurde verwüstet, Auslagenscheiben von jüdischen Geschäften wurden eingeschlagen, der Unicampus mit antisemitischen Slogans beschmiert. In deutschen Städten werden vermehrt Häuser jüdischer Bewohner mit Davidsternen markiert.

„Ich will einfach nur in Sicherheit leben“

In einer bewegenden Eröffnungsrede sprach Charlotte Herman, die Präsidentin der IKG Linz über die Bedeutung des Gedenkens angesichts der aktuellen Ereignisse. „Ich will nicht darauf angewiesen sein, dass sie (Polizei und Security, Anm.) mich beschützen. Ich will einfach nur in Sicherheit leben.“ Herman endete mit einer Warnung: „Wir müssen darauf achten, dass unsere Nachkommen nicht Gedenkstätten der Ermordung und Vernichtung von Juden im 21. Jahrhundert besuchen müssen.“

Bilder der zerstörten Synagoge auf Außenmauern projiziert

Die in der Pogromnacht zerstörte Synagoge wurde auf die Außenmauern der heutigen, 1968 eingeweihten Synagoge projiziert. Daneben schienen die Namen der jüdischen NS-Opfer auf. Das Projekt in Kooperation mit der Kunstuniversität ließ die nicht enden wollende Zahl der Opfer erahnen, deren Namen auch in der Gedenkstunde von Mitgliedern der Kultusgemeinde verlesen wurden.

Bürgermeister Klaus Luger über die besondere Verantwortung der Stadt Linz

Sowohl die Vertreter der Kirchen als auch die anwesenden Politiker sprachen sich gegen Antisemitismus in der Gesellschaft aus. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger betonte die historische Verantwortung der Stadt Linz, in der zwei Schlüsselfiguren der NS-Vernichtungsmaschinerie, Ernst Kaltenbrunner und Adolf Eichmann, geprägt wurden. Er sprach sich für ein Vorgehen gegen Vorurteile und Pauschalurteile gegenüber Jüdinnen und Juden, aber auch gegenüber Musliminnen und Muslimen, die sich klar vom Hamas-Terror distanzieren, aus.

Landeshauptmann Thomas Stelzer: „Wir dulden keinen Antisemitismus“

Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte in seiner Rede die Bedeutung der Sicherheit für und die Solidarität mit Jüdinnen und Juden: „Ihr (jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, Anm.) seid Teil unseres Lebens und unserer Kultur. Ihr seid in diesen Tagen nicht allein, wir stehen zusammen und teilen den Schmerz. Und als Rechtsstaat und Gesellschaft müssen wir allen unmissverständlich und mit aller Härte klar machen, dass wir keinen Antisemitismus dulden.“

Gedenkfeier mit zahlreichen Gästen

Der Einladung der IKG Linz gefolgt waren auch Bischof Manfred Scheuer, der Rektor der Katholischen Privat-Universität Linz Christoph Niemand, der Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. Oberösterreich Gerold Lehner, der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinde für OÖ Binur Mustafi, die Rektorin der Kunstuniversität Linz Brigitte Hütter und Dieter Muhr (Militärkommandant von Oberösterreich). Schauspieler Cornelius Obonya las literarische Texte zum Thema, Thomas Novak begleitete die Gedenkfeier musikalisch.


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