Firmenerweiterung am Froschberg: Nachbarschaftsinitiative will sich beim Verfassungsgerichtshof beschweren
LINZ. Ein Unternehmen will seine Firmenzentrale am Froschberg erweitern. Eine Nachbarschaftsinitiative hat Einspruch gegen die dazu nötige Bebauungsplanänderung erhoben, ihr Sprecher Günter Eberhardt will damit bis vor den Verfassungsgerichtshof ziehen. Das Unternehmen weist die Kritik von sich.

Günter Eberhardt ist Architekt, Baumretter und so manchem Immobilienentwickler ein Dorn im Auge. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der „Arch Pro Linz“ organisiert er einmal pro Jahr die Ausstellung „Linzer Bau-, Verkehrs- und Umweltsünden“. Mit der Baumrettungsinitiative konnte er um die 40 Stadtbäume, wie etwa die Silberweiden an der Gleißner Promenade in Urfahr, retten. Viele Bürgerinitiativen schätzen ihn als Unterstützer und fachkundigen Experten.
Präzedenzfall geschaffen
In den Achtziger Jahren setzte sich Eberhardt als Sprecher einer Bürgerinitiative für die Rettung des Winklerwaldes ein – mit Erfolg. Ebenso erfolgreich war er mit einer Klage beim Verfassungsgerichtshof: 1986 wollte ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen in seiner Nachbarschaft am Froschberg die Firmenzentrale errichten und hätte damit auch den grünen Innenhof verbaut. Eigentlich galt dort eine Bausperre, der Linzer Gemeinderat hatte die Pläne aber dennoch durchgewunken. Eberhardt klagte. Nicht nur, dass der Verfassungsgerichtshof ihm in dieser Sache Recht gab – er schuf damit einen Präzedenzfall, durch den diese Vorgangsweise in Linz unterbunden wurde. Zuvor, sagt Eberhardt, sei es in Linz Usus gewesen, dass der Gemeinderat Baugenehmigungen trotz gültiger Bausperren erteilt habe.
Kritik an geplanter Erweiterung der Firmenzentrale
Die Wirtschaftsprüfer haben ihre Zentrale schließlich doch am Froschberg gebaut. Günter Eberhardt wurde als Architekt beauftragt. Das grüne Wäldchen im Innenhof durfte bleiben – Ende gut, alles gut? Nicht ganz: Nun soll die Zentrale erweitert werden, Eberhardt kritisiert die geplante Verdichtung: „Die Innenhofbebauung wurde bereits 1990 vom Gestaltungsbeirat abgelehnt. Auch wäre, wie im Städtebau üblich, und in der ursprünglichen Planung vorgesehen, eine Erweiterung entlang der Straßenfluchtlinie sinnvoll. In der vorliegenden Einreichung geht es um eine Erweiterung auf ein gegenüberliegendes Grundstück. Im Widerspruch zum Bebauungsstammplan ist die Bebauungsdichte um 150 Prozent gegenüber der Nachbarbebauung gestiegen. Die Bebauungshöhe wurde um zwei Geschosse erhöht und den vorgegebenen Erhalt von mindestens 30 Prozent des gewachsenen Bodens gibt es überhaupt nicht mehr.“
Vorwurf der investorengetriebenen Stadtplanung
Wieder einmal sei in Linz der Bebauungsplan nachträglich geändert worden, um den Wünschen der Wirtschaft zu entsprechen, folgert der streitbare Architekt. Er steht mit seiner Kritik allerdings nicht alleine da: Er wandte sich stellvertretend für eine Nachbarschafsinitiative, bestehend aus 84 Personen, an Tips. Die Anrainer haben auch bereits Einspruch gegen die Bebauungsplanänderung erhoben. Eberhardt will abermals vor den Verfassungsgerichtshof ziehen, falls nötig. Gewartet werde nur noch auf den Baubescheid.
Das sagt der für Planung zuständige geschäftsführende Vizebürgermeister
Die Kritik richtet sich vorrangig an die Stadtplanung, weil diese in Linz immer wieder aufkommt, hat Tips den geschäftsführenden Vizebürgermeister Dietmar Prammer (SP) bereits im Gespräch zur Bürgermeisterwahl 2025 damit konfrontiert. Prammer meinte, er könne die Kritik in Summe nicht nachvollziehen. Projekte müssten finanziert werden und dazu auch Erträge bringen. Was die Stadt aber keinesfalls mache, sei Wünschen von Investoren nachzugeben. Man suche in Gesprächen gemeinsam nach Lösungen, dabei werde darauf geachtet, das Beste für die Stadt Linz herauszubekommen. Am Ende des Tages sei es eine Entscheidung des Gemeinderats.
Unternehmen wartet auf Baubewilligung
Was sagt das Wirtschaftsprüfungsunternehmen zu Eberhardts Kritik? Auf Anfrage schreibt uns eine Sprecherin: „Wir wachsen an unserem Standort in Linz weiter, schaffen neue Arbeitsplätze und planen daher, ein neues Bürogebäude in der Kudlichstraße zu errichten. Der bestehende Bebauungsplan, der dieses moderne und nach Nachhaltigkeitskriterien geplante Bürogebäude ermöglicht, ist rechtskräftig. Auf dieser Grundlage wurde um Baubewilligung angesucht und die Bauverhandlung bereits abgehalten. Aktuell sind wir in Erwartung der Zusendung der Baubewilligung. Wir beabsichtigen, das Bürogebäude in Übereinstimmung mit dem aktuell gültigen Bebauungsplan und entsprechend den gesetzlichen und behördlichen Vorgaben umzusetzen.“


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