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„Bedarf täglich spürbar“: 27 Linzer Schulen erhalten Chancenbonus

Karin Seyringer, 23.03.2026 18:12

LINZ/OÖ. Mehr Personal, gezielte Förderung und neue Chancen: 27 Linzer Schulen mit besonderen Herausforderungen erhalten ab Herbst zusätzliche Unterstützung. Tips hat nachgefragt. 

27 Schulen in Linz sollen vom neuen Chancenbonus profitieren. (Foto: VOLKER WEIHBOLD)
27 Schulen in Linz sollen vom neuen Chancenbonus profitieren. (Foto: VOLKER WEIHBOLD)

Mit dem Schuljahr 2026/27 startet der sogenannte Chancenbonus des Bildungsministeriums. Österreichweit werden 400 Schulen zusätzlich unterstützt, 59 davon in Oberösterreich. Auch 27 Linzer Standorte finden sich in der Liste der sogenannten Chancenbonus-Schulen. Ausgewählt wurden diese anhand der SÖL-Klassifikation (sozioökonomische Ausgangslage). Ziel ist es, Schulen mit schwierigen Rahmenbedingungen gezielt zu stärken und Bildung gerechter zu machen.

Insgesamt stehen jährlich 65 Millionen Euro zur Verfügung. Damit wird vor allem zusätzliches Personal finanziert – in Pädagogik, Schulsozialarbeit, Sozialpädagogik oder Schulpsychologie. Welche Unterstützung konkret eingesetzt wird, entscheiden die Schulen selbst – je nach Bedarf vor Ort.

„Keine Etikettierung, sondern faire Rahmenbedingungen“

Erwartungsgemäß sind vor allem in Ballungsräumen viele Schulen mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Zu den teilnehmenden „Brennpunktschulen“ in Linz zählen unter anderem die VS 1 Stelzhamerschule und die VS 4 Mozartschule. Die Gefahr einer Stigmatisierung sieht die Schulleiterin beider Volksschulen, Stefanie Rieder, nur dann, wenn nur auf Defizite geschaut wird. „Ich halte es für wichtig, den Chancenbonus als das zu sehen, was er sein sollte: eine gezielte Unterstützung dort, wo die Anforderungen objektiv höher sind. Es geht nicht um Etikettierung, sondern um faire Rahmenbedingungen.“

An ihren Schulen ist der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund sehr hoch. Die größten Herausforderungen liegen besonders im Bereich Sprache, „in sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und zunehmend auch im sozial-emotionalen Bereich. Viele Kinder brauchen deutlich mehr individuelle Begleitung, als im Regelunterricht leistbar ist.“ Gerade die personelle Verstärkung im Zuge des Chancenbonus sei im Schulalltag besonders wertvoll, „weil sie unmittelbare Unterstützung dort ermöglicht, wo der Bedarf täglich spürbar ist – im Unterricht, in der Förderung und in der Begleitung der Kinder.“

„Projekt zeigt, dass Bildung hochgestellt wird“ 

Bei rund 90 Prozent liegt auch der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an der Linzer Mittelschule 11 Diesterwegschule, ebenfalls Chancenbonus-Schule. Direktor Michael Haas sieht die Maßnahme als eine „umfassend positive Möglichkeit, jeden Schulstandort pädagogisch und sozial zu erweitern und die Ressourcen optimal in die Schulstruktur einzubinden. Das Projekt zeigt, dass Bildung hochgestellt wird.“

Auch er sieht keine Stigmatisierung. „Im Gegenteil. Ich sehe es als eine Chance, zusätzliche Ressourcen optimal für die Kinder einzusetzen. Wir haben an allen Schulen große Herausforderungen und ich nehme von dem Begriff „Brennpunktschule“ Abstand. Ich hoffe auf eine nachhaltige Weiterführung und Ausweitung des Projektes, da die schulische Bildung der Grundstock für eine sichere Zukunft ist.“

Für ihn liegen die größten Herausforderung im Bereich sprachliche Bildung, Mathematik als auch im Bereich Soziales Lernen. Daran werde täglich gearbeitet, gefördert und gefordert.

Mehr Personal als Schlüssel

Für die VS 1 und VS 4 wird schon konkret in Richtung zusätzlicher Lehrpersonen für Teamteaching gedacht. „Eine zweite pädagogische Kraft entlastet in sprachlich und pädagogisch herausfordernden Klassen enorm und verbessert gleichzeitig die individuelle Förderung“, so die Schulleiterin. „Sehr wichtig sind für uns auch Schulpsychologie und sozialpädagogische Unterstützung, weil viele Themen heute weit über den klassischen Unterricht hinausgehen.“

MS 11-Direktor Haas werde die zusätzliche Vollzeitstelle, die die Schule erhalte, auf zwei zusätzliche Lehrkräfte aufteilen, wie er sagt. „Durch dieses zusätzliche Personal ist es uns möglich, kleinere Lerngruppen zu bilden, um einen höheren Erfolg im Lernen erzielen zu können. Weiters versuchen wir durch dieses Personal, Kindern, deren Schulabschluss massiv gefährdet ist, eine Perspektive zu geben und setzen Schwerpunkte im Bereich Berufs- und Lebensorientierung.“

Bildungsdirektion und Stadt Linz sehen große Chance

Auf Landesebene wird das Programm ausdrücklich begrüßt. „Als starkes Wirtschafts- und Zuzugsbundesland ist Oberösterreich besonders mit unterschiedlichen sozialen und sprachlichen Herausforderungen konfrontiert“, so LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) und Bildungsdirektor Alfred Klampfer. Da die Umsetzung direkt an den Standorten liege, in Qualitätsprozesse eingebettet sei und laufend begleitet werde, sei auch sichergestellt, dass die zusätzlichen Ressourcen tatsächlich bei den Kindern ankommen.

Auch die Linzer Vizebürgermeisterin Schulreferentin Merima Zukan (SPÖ) sieht im neuen Bonus eine große Chance: „Noch immer hängt in Österreich zu viel davon ab, aus welchem Elternhaus ein Kind kommt.“ Schule müsse heute deutlich mehr leisten als früher – „dafür braucht es ausreichend Personal und gezielte Unterstützung. Der Chancenbonus kann hier wesentlich beitragen.“ 

Die Stadt Linz stehe in Austausch mit der Bildungsdirektion, um in ihrer Rolle als Schulerhalter bestmöglich zu unterstützen, so Zukan. „Ziel ist es, dass die zusätzlichen Mittel dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.“

Ausschreibung in Zusammenarbeit mit Schulen

Die zusätzlichen pädagogischen Fachkräfte zu finden, obliegt der Bildungsdirektion. „Wie bei allen Lehrpersonalausschreibungen erfolgen diese in engem Kontakt und in Abstimmung mit den Schulen, mit dem Ziel, das bestgeeignetste Personal für die Schulstandorte zu finden“, heißt es aus der Direktion. Für andere Berufsgruppen – etwa Sozialarbeit oder Psychologie – erfolgt die Anstellung über das Bildungsministerium.

Auf dem Wunschzettel

Gefragt danach, was es für Schulen mit schwierigen Rahmenbedingungen noch brauche, verweist Schulleiterin Stefanie Rieder auf langfristig verlässliche Ressourcen für Planungssicherheit. „Dringend notwendig sind außerdem rasch verfügbare Diagnostik und niederschwellige Unterstützungsangebote für Familien. Auch wäre in manchen Bereichen eine klarere Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit mit Eltern hilfreich, damit notwendige Fördermaßnahmen, Abklärungen oder Angebote im Interesse der Kinder konsequenter umgesetzt werden können.“

MS 11-Direktor Michael Haas: „Kinder stehen in der heutigen Zeit vor sehr großen Herausforderungen und Veränderungen. Als Lehrkräfte können wir nicht alle Bereiche abdecken. Deshalb ist es wichtig, zusätzliches Unterstützungspersonal an den Schulen zu haben. Eine Erweiterung im Bereich der Sozialarbeit, Betreuungslehrkräfte und Schulpsychologie würde ebenfalls jede Schule benötigen“, ist er überzeugt. Auch würde die MS 11 konkret mehr Räume benötigen, die Lerninhalte und Projekte optimaler erarbeiten und durchführen zu können.

Die 27 Linzer Chancenbonus-Schulen

  • VS 1 Tegetthoffstraße
  • VS 4 Volksfeststraße
  • VS Grillparzerstraße
  • VS Wiener Straße
  • VS 17 Zeppelinstraße
  • VS 21 Tungassingerstraße
  • VS 23 Resselstraße
  • VS 33 Franckstraße
  • VS 35 Siemensstraße
  • VS 16 Sonnensteinschule
  • VS 20 Khevenhüllerstraße
  • VS 28 Flötzerweg
  • VS 46 im Scharmühlwinkel
  • VS 47 Resselstraße
  • VS 49 Kaltenhauserstraße
  • VS 50 Wieningerstraße
  • VS 3 Auwiesen
  • MS 3 Stelzhamerschule
  • MS 5 Otto-Glöckel-Schule
  • MS 11 Diesterwegschule
  • MS 12 Keplerstraße
  • MS 14 Tungassingerstraße
  • MS 15 Jahnstraße
  • MS 10 Löwenfeldschule
  • MS 18 Flötzerweg
  • MS 23 Ebelsberg Praxis-MS Honauerstraße

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