Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Als vor dreieinhalb Jahren ihr erstes Kind auf die Welt kam, haben Lisa und Esteban García Martínez aus Traidendorf die Geburt bewusst alleine zuhause gemeistert. Beide wussten sehr genau, worauf sie sich da einlassen, denn Lisa ist Hebamme – und Esteban auch.

  1 / 2   "Meine Hände sind mein wichtigstes Werkzeug", sagt der traditionelle Geburtshelfer (auf spanisch "partero") Esteban García Martínez.

Eine männliche Hebamme? Doch, das gibt es: Esteban García Martínez stammt aus Mexico und führt mit seinem Beruf die lange Hebammentradition seiner Familie fort. Der 33-Jährige, der vor vier Jahren der Liebe zu seiner Frau Lisa wegen ins Mühlviertel kam, ist traditioneller Geburtshelfer.

Geburtshaus „La Casita“

„Meine Großmutter und später meine Mutter führten das Geburtshaus „La Casita“ in Temixco“, erzählt Esteban, dessen beruflicher Weg deswegen aber noch lange nicht vorgegeben war. Denn auch in Mexico ist der Beruf der Hebamme durch und durch weiblich besetzt.

„Eigentlich haben ich eine Ausbildung zum Automatisierungstechniker gemacht, im EDV-Bereich gearbeitet. Erst als meine Mutter schwer krank wurde und Hilfe brauchte, habe ich die Hebammenschule in Oaxaca besucht. Es gibt so viele Gynäkologen – wieso sollte ein Mann keine gute Hebamme sein können?“ Und wie kommen die werdenden Väter mit dem männlichen Geburtshelfer – auf spanisch „partero“ – klar? „Manche Männer sind schwierig, manche sehr offen“, sagt Esteban García Martínez. Er setzt auf einen respektvollen, sanften und sensiblen Umgang mit den Schwangeren.

Tradition und Wissenschaft

Mittlerweile kann der Mexikaner auf mehr als tausend betreute Schwangerschaften und Geburten zurückblicken. „In meinem Heimatland arbeiten die Hebammen viel mit den Händen“, versucht der 33-Jährige, stets einen Mittelweg aus Tradition und Wissenschaft zu finden. Im Geburtshaus seiner Mutter hat Esteban García Martínez auch seine spätere Frau Lisa, die als Hebammenschülerin aus Grasbach (Gemeinde Alberndorf) ein Praktikum in Mexico machte, kennen und lieben gelernt. Nach einer gemeinsamen Zeit in Mittelamerika ging es für die beiden nach Oberösterreich, wo sie dann wegen Tochter Lillian, die sich damals ankündigte, auch blieben.

Ausbildung in Österreich

In Österreich wird die Ausbildung von Esteban García Martínez nicht anerkannt, weshalb er sich an Fachhochschulen für den Hebammen-Studiengang beworben hat. Ein Berufsfindungspraktikum am LKH Freistadt hat er bereits gemacht – auch, um das österreichische Gesundheitssystem besser kennenzulernen.

Das zweite Kind des Hebammenpaares aus Neumarkt ist übrigens unterwegs und soll im Mai zur Welt kommen. Wieder daheim und mit Esteban in der Doppelrolle als Vater und Hebamme.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden