„Ich war in einer Zeit politisch aktiv, in der noch viel ausgeredet wurde“
OHLSDORF. Am 8. März ist Welt-Frauentag, zudem wird im November 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich gefeiert. Anlass genug, um Johanna Preinstorfer zum Gespräch zu bitten.

Die mittlerweile 88-jährige Ohlsdorferin ist eine Ikone der regionalen Frauenpolitik – sie war das erste weibliche Mitglied der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer, die erste Bürgermeisterin im Bezirk Gmunden und die erste Landtagspräsidentin Oberösterreichs.
Tips: Wie kam Ihr Interesse an der Politik zustande?
Preinstorfer: Meine Eltern hatten in Gmunden ein Wirtshaus mit einer kleinen Landwirtschaft. Als Kinder haben wir vor allem den Umgang mit unseren Gästen gelernt. Sie kamen aus allen Gesellschaftsschichten und es gab viele Diskussionen am Wirtshaustisch. Trotz unterschiedlicher Auffassung gab es ein gutes, gegenseitiges Verständnis.
Tips: Wie war damals – kurz nach dem Krieg – das Leben als Mädchen?
Preinstorfer: Ich war das älteste von sieben Kindern. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern viel Verständnis hatten und ich das Gymnasium besuchen durfte. Danach habe ich in Niederösterreich – das war damals in der sowjetischen Zone – eine zweijährige Ausbildung mit Fachmatura für Landwirtschaftslehrerinnen gemacht, weil der Bedarf groß war. Ich kam dann als Lehrerin an die Haushaltungsschule in Weyregg am Attersee. Nach zehn Jahren Berufstätigkeit habe ich dann meinen Mann geheiratet und vier Kinder – drei Töchter und einen Sohn – bekommen.
Tips: Wann reifte der Entschluss, politisch selbst aktiv zu werden?
Preinstorfer: Eine Fachinspektorin der Landwirtschaftskammer hat mich dem damaligen Bauernkammer-Obmann als Bezirksbäuerin vorgeschlagen. Damals war mein Sohn zwei Jahre alt und die Arbeit am Hof sehr arbeitsintensiv. Die Situation war natürlich nicht ganz einfach. Es gab intensive Diskussionen mit meinem Mann, wobei wir schlussendlich – durch Umverteilung der vielen Aufgaben – zum gemeinsamen Entschluss kamen, dass ich dieses Amt übernehme. Mit Unterstützung der Schwiegereltern und meiner Schwester war dies möglich.
Tips: War spezifische Frauenpolitik damals ein Thema?
Preinstorfer: Es war mit ein besonderes Anliegen als Bezirksbäuerin die Aus- und Weiterbildung von Frauen durch diverse Kurse und Lehrgänge zu initiieren. Ebenso ging es mir um die soziale Besserstellung und Anerkennung der vielen Leistungen der Bäuerinnen. So konnten sie dann unter anderem einen Kur- und Erholungsaufenthalt in Anspruch nehmen.
Tips: Wie wurden Sie Landtagsabgeordnete?
Preinstorfer: Durch meine Aktivitäten wurde man auf mich aufmerksam, sodass uns der damalige Landeshauptmann Erwin Wenzl bei einer Podiumsdiskussion in der Sozialversicherungsanstalt der Bauern besuchte, um einen Einblick in meine Arbeitsweise zu bekommen. Ich dürfte einen guten Eindruck gemacht haben, sodass ich für die Landtagswahlen 1973 als Kandidatin nominiert wurde.
Tips: Wie würden Sie Ihre Zeit im Landtag beschreiben?
Preinstorfer: Es war eine Zeit, in der man vom „guten oberösterreichischen Gesprächsklima“ gesprochen hat. Das heißt, es gab eine gute Diskussionskultur mit regem Meinungsaustausch, aber auch mit gegenseitigem Respekt.
Tips: Was waren Ihre größten politischen Erfolge?
Preinstorfer: Die Einführung und der Ausbau der Aus- und Weiterbildungen für Bäuerinnen, die sozialen Errungenschaften wie die Bäuerinnen-Pension, die freie Fahrt in den Kindergarten und die Aktion „Schule und Bauernhof“, bei der Kinder den Alltag in der Landwirtschaft kennenlernen. Nachdem es die Aktion heute noch gibt, kann sie nicht so schlecht gewesen sein.
Tips: Verfolgen Sie noch die aktuelle Politik?
Preinstorfer: Das Interesse an der Politik – sei es auf regionaler, aber auch auf nationaler und internationaler Ebene – lässt einen natürlich nicht mehr los. Aber ich habe mir vorgenommen, mich nicht mehr aufzuregen (schmunzelt). Alles hat seine Zeit, man muss auch loslassen können.
Tips: Was würden Sie heutigen Jungpolitikerinnen raten?
Preinstorfer: Das Wichtigste ist die Leute zu mögen, auf sie zugehen zu können und das Gespräch zu suchen. Nur so erfährt man deren Sorgen. Ich liebe einfach Gespräche und den Gedankenaustausch.


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