Positive Covid-Fälle in Österreich mit "regional extremen Unterschieden"
WIEN/OÖ/NÖ. Mit 3.239 neuen positiven Fällen in Österreich gab es den Höchststand im aktuellen Jahr, die Zahlen sind „regional extrem unterschiedlich“, so Gesundheitsminister Anschober nach dem Ministerrat am Mittwoch. Bundeskanzler Kurz ist zuversichtlich, dass ein „Korrekturmechanismus“ die Impfstofflieferungen innerhalb der EU wieder ausgleiche. Zu AstraZeneca verweist er auf Beratungen der EMA am Donnerstag.

Die Entwicklung des Infektionsgeschehens sei wie erwartet, die Ansteckungszahlen steigen, „allerdings in sehr linearem Ausmaß und regional sehr unterschiedlich, mit sehr niedrigen Zahlen im Westen wie Vorarlberg und steigenden Zahlen in Ostösterreich und auch Salzburg“, so Bundeskanzler Sebastian Kurz nach dem Ministerrat am Mittwoch.
Intensivbetten „bereiten Kopfzerbrechen“
Mit 3.239 neuen positiven Fällen in Österreich innerhalb der letzten 24 Stunden gab es den höchsten Stand im aktuellen Jahr – „mit regional extremen Unterschieden“, unterstreicht auch Gesundheitsminister Rudi Anschober. „Die schwierige Situation in Ostösterreich hat vor allem auch mit Ausbreitung der britischen Variante zu tun – in vielen Regionen bei schon über 90 Prozent Ausbreitungsgrad. Das sorgt für erhöhtes Ansteckungsgeschehen und auch für deutliche Mehrbelastung in Intensivstationen.“ Die Situation auf den Intensivstationen würden Anschober „am meisten Kopfzerbrechen“ bereiten. Am Mittwoch werden laut AGES Dashboard395 Personen auf Intensivstationen versorgt, „ein Plus von 27 Prozent im Vergleich zur Vorwoche“, so Anschober.
Positiv sei hingegen die Entwicklung bei den Testungen – „fast schon unglaubliche 436.000 Tests an einem einzigen Tag“ seien in den letzten 24 Stunden durchgeführt worden, „da sind wir weltweit unter den Top 3 mittlerweile“, das sei die Strategie um weitere Lockdowns zu verhindern, dankt Anschober den zuständigen Bundesländern, Gemeinden, Apotheken, Betrieben und Ärzten, die bei dem „enormen Programm mitmachen“.
Prognose: „Durchschnitt trügerisch“
Laut aktueller Prognose werde für Mitte nächster Woche mit 3.600 Neuinfektionen gerechnet, „aber Vorsicht, die Prognose sagt, dass es in den Bundesländern weiter auseinander geht. Der Durchschnitt ist also trügerisch, wir werden daher weiter regional reagieren müssen“, sagt der Gesundheitsminister. Bei der Zahl der Intensivbetten liegt die Prognose bis Ende März bei 515.
Bei den Impfungen habe man vergangene Woche eine „Rekordwoche“ verzeichnet, mit 230.000 Impfungen in einer Woche. Gesamt wurden mit Stand Mittwoch knapp über 1,1 Millionen Impfungen (eingetragen im E-Impfass) durchgeführt.
Weitere Beratungen am Montag
Am Montag werde es wieder Beratungen mit den Landeshauptleuten und Experten zur weiteren Vorgehensweise geben, kündigte Kurz erneut an. „Eine mögliche Öffnung bemisst sich an vielen Faktoren – wie viele stecken sich an, wer steckt sich an – ältere oder jüngere? Relevant ist die regionale Verteilung“, so Kurz. „Wir werden den Weg weiter verfolgen und sobald es in Regionen möglich ist, Öffnungsschritte setzen, wenn nötig aber auch regional verschärfen.“
Impfstofflieferung: Arbeit an „Korrekturmechanismus“
Bei den Impfstofflieferungen habe man eine intensive Woche mit vielen Gesprächen mit Regierungschefs und auf EU-Ebene – er sei zuversichtlich, dass hier ein Korrekturmechanismus vereinbart werde. „Die Staats- und Regierungschefs haben immer vereinbart, dass es pro Kopf nach Bevölkerungsschlüssel gleich viele Impfdosen zur selben Zeit für alle Mitgliedsstaaten geben soll“, Vereinbarungen in anderen Gremien hätten dem aber widersprochen und würden auch zu massiver Ungleichheit in der EU führen. Auch wenn Österreich bislang kein Schaden entstanden sei: „Osteuropäische Länder, darunter auch Nachbarstaaten von Österreich, können so deutlich später erst impfen als die Mehrzahl der EU-Mitgliedssaaten“, so Kurz.
Das entspreche nicht dem Geist der EU und widerspräche der Solidarität, „niemand in Europa kann ein Interesse an solcher Ungleichheit haben“. Jetzt werde daher mit voller Kraft an Korrekturmechanismen auf EU-Ebene gearbeitet.
Auch wenn die Situation für Österreich weniger problematisch sei als für andere: würde hier nicht korrigiert, würde Österreich im zweiten Quartal 400.000 Dosen BioNTech/Pfizer weniger erhalten.
AstraZeneca: „Vertrauen auf Experten“
Zum Thema AstraZeneca und der Entscheidung vieler Mitgliedsdaten, die Impfung mit diesem Impfstoff auszusetzen - „was zu sehr viel Verunsicherung in der Bevölkerung führt“ - vertraue Österreich voll und ganz auf die Experten des Nationalen Impfgremiums, so Kurz. Er verweist auf die am Donnerstag angesetzte Sitzung der Europäische Arzneimittelagentur EMA, „wir gehen davon aus, dass auch die EMA das Vertrauen in AstraZeneca bekräftigen wird.“
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt unterdessen am Donnerstag bis auf Weiteres die Fortsetzung der Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca. „Die WHO ist der Meinung, dass die Vorteile die Risiken überwiegen“, heißt es.
Wie es mit der Impfung bis zum Sommer weitergehe, dafür sei entscheidend, wie es mit AstraZeneca weitergeht, „aber auch, dass die Zulieferer und Produzenten auch einhalten, was sie die letzten Tage zugesagt haben.“
In Österreich geht man davon aus, dass sich zwei Drittel der Bevölkerung über 16 Jahre, also rund 5 Millionen Personen, impfen lassen werden. „Mit den Liefervereinbarungen, die derzeit zugesagt sind, sollten wir bis Sommer also jedem der will eine Impfung anbieten können“, bleibt Kurz bei seiner Prognose.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden