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OÖ. Am Donnerstag, 10. Dezember 2020, ist der Tag der Menschenrechte. Anlässlich dazu macht pro mente OÖ auf Suchterkrankungen aufmerksam, von denen Hunderttausende Österreicher betroffen sind. Die psychischen Belastungen durch die Corona-Pandemie verschärfen die Situation.

Die psychischen Belastungen durch die Corona-Pandemie verschärfen die Situation für Suchtkranke. Derzeit melden sich mehr Menschen bei pro mente Sucht (Symbolbild). (Foto: Marjan Apostolovic/Shutterstock.com)

Ob Nikotin, Glücksspielsucht, Internetsucht, Alkohol, Medikamente oder Drogen - Eine Suchterkrankung hat viele Facetten. Allen gemeinsam ist, dass eine professionelle Behandlung und Beratung unumgänglich sind, hält pro mente OÖ fest. Bei Sucht kommen häufig indirekte Auswirkungen wie ungesicherte Wohnverhältnisse und gesellschaftlicher Druck, sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich, hinzu. Derzeit verschärft die Pandemie die Situation. So werden Smartphones und Handys vermehrt genutzt, der auferlegte soziale Rückzug hat Folgen, vor allem für junge Menschen. Obwohl die Endauswirkungen derzeit noch nicht abschätzbar sind, lässt sich festhalten, dass der Bedarf an Gesprächen bei pro mente Sucht in den letzten Monaten angestiegen ist.

„Süchte bereits tief in unserer Gesellschaft verankert“

Zu Substanzen wird häufig gegriffen, wenn psychische Probleme vorliegen und aus der Realität geflüchtet werden möchte. Aber auch Neugier und das Aufhellen der Stimmung können Motive sein. „Süchte wirken sich häufig schädigend auf das soziale Umfeld, wie die Familie, Angehörige und Freunde der Betroffenen aus. Auch wenn die Sucht noch oft ein Thema ist, das mit vielen Vorurteilen und Diskriminierung behaftet ist, so sind Süchte und die daraus resultierenden Auswirkungen bereits tief in unserer Gesellschaft verankert“, sagt Kurosch Yazdi, Suchtmediziner und Vorstandsvorsitzender von pro mente OÖ. „Suchtkranke Menschen sind häufig auch Opfer von direkter oder indirekter Diskriminierung. Diskriminierendes Verhalten und Ausgrenzung gefährden dabei den sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dabei haben alle Menschen ein Recht auf höchstmögliche Gesundheit. Dies ist ein Menschenrecht und darf nicht vergessen werden“, ergänzt Thomas Labacher, Geschäftsfeldleiter von pro mente Sucht. Das Geschäfsfeld Sucht von pro mente OÖ leistet seit 50 Jahren Suchtarbeit. So werden etwa Beratungsstellen für Suchtfragen, Alkoholberatungsstellen, niederschwellige Einrichtungen der Suchtarbeit, niederschwellige Beschäftigung für Suchtkranke, eine stationäre Therapiestation und zwei Integrationshöfe betrieben. Die Leistungen sind vertraulich und kostenfrei. Sie stehen sowohl Süchtigen als auch sonstigen Betroffenen wie Angehörigen und Arbeitgebern zur Verfügung. Wichtig bei der Behandlung ist es, dass die Betroffenen ihr Ziel selbst definieren. Das kann sowohl eine gänzliche Abstinenz als auch ein kontrollierter Konsum oder die Schadensminderung sein.

Substitutionstherapie wird zunehmend genutzt

Seit 1987 wird in Österreich etwa die wissenschaftlich anerkannte Opiat- Substitutionstherapie angeboten. „In Österreich leben derzeit ca. 38.000 Menschen mit Opiatabhängigkeit, davon werden etwa 19.000 Personen, in Oberösterreich in etwa 2.200 Personen mit Substitutionsmedikamenten behandelt. Es gibt eine Tendenz zu leichten Steigerungsraten bei den Behandlungszahlen – in OÖ etwa 3,7 Prozent“, führt Lambacher aus. Die Patienten sind derzeit zwischen 19 und 64 Jahre alt. Bei älteren Menschen habe sich die Inanspruchnahme der Substitutionstherapie in den letzten 20 Jahren gar verzehnfacht. Im Detail erhalten die Patienten unter ärztlicher Begleitung Substitutionsmedikamente verschrieben, welche den Schaden mindern sollen. Gemeint sind damit die Sicherung des Überlebens, die Stabilisierung der Lebenssituation, der Ausbau von Fähigkeiten und Ressourcen, aber auch essentielle gesundheitliche und soziale Faktoren wie beispielsweise kein Druck, sich illegale Substanzen beschaffen zu müssen, und ausreichend Hygiene beim Konsum. Derzeit müssen Patienten noch einmal im Monat zum Amtsarzt gehen, bevor sie in die Apotheke gehen können. Hier schlägt Vorstandsvorsitzender von pro mente OÖ Yazdi eine Änderung vor, da Amtsärzte derzeit teilweise schwer zu erreichen seien. Die Substitutionstherapie wurde bereits einer Kosten-Nutzen-Analyse, die Gesundheitskosten, Kosten der Sozialbetreuung und die Folgen kriminellen Verhaltens berücksichtigt, unterzogen. Das Ergebnis: Jeder investierte Euro in die Behandlung spart rund zehn Euro Reparaturkosten.


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