Katholische Bewegungen in OÖ sprechen sich für Segnung homosexueller Paare aus (Update: 29. März, 11.40 Uhr)
OÖ/LINZ. Am Montag, 15. März, erklärte die Glaubenskonfiguration im Vatikan, dass homosexuelle Paare nach katholischer Lehre nicht gesegnet werden könnten. Papst Franziskus und der Linzer Bischof Manfred Scheuer sprachen sich daraufhin für Toleranz homosexueller Partnerschaften aus. Bewegungen wie die österreichische Pfarrer-Initiative und die Katholische Aktion OÖ gehen einen Schritt weiter. Sie treten für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ein.

Das am Montag, 15. März veröffentlichte Dekret der Glaubenskonfiguration unterscheidet zwischen einer grundsätzlichen Toleranz homosexueller Menschen und einer Segnung ihrer Partnerschaften durch die Kirche. „Ein Vorhandensein positiver Elemente in solchen Beziehungen, welche in sich zu würdigen und zu schätzen sind, rechtfertigen diese Beziehungen nicht oder machen sie zu legitimen Objekten eines kirchlichen Segens, weil die positiven Elemente innerhalb des Kontextes einer Verbindung existieren, die sich nicht dem göttlichen Plan unterordnen“ ist in der Erklärung zu lesen. Das bedeutet, dass nur jene Menschen gesegnet werden, die keinen Sex mit einer Person des gleichen Geschlechts haben. Die christliche Gemeinschaft sei aber aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren. Dazu ruft etwa Papst Franziskus auf, der sich bisher als erster Papst öffentlich für die Anerkennung homosexueller Partnerschaften aussprach. In der Vergangenheit hatte er Homosexuellen das Recht zugesprochen, „in einer Familie zu sein“. Während er gleichgeschlechtliche Partnerschaften befürwortete, traf das auf die Ehe aber nicht mehr zu.
Scheuer: „Verstehe Ernüchterung und Enttäuschung“
Weder eindeutig für noch gegen eine Segnung Homosexueller spricht sich Manfred Scheuer, Bischof der Diözese Linz aus. „Ich verstehe, wenn das Nein der Glaubenskongregation zur Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen als Ernüchterung und große Enttäuschung erfahren wird. Dabei wirkt die allzu lange Geschichte liebloser, oberflächlicher und gehässiger Verurteilungen nach. Ich distanziere mich jedenfalls ganz klar von jeder diskriminierenden Beurteilung und Ausgrenzung von Menschen“, hält er in einem Statement fest. Die Kirche habe die Verlässlichkeit und Verantwortung, die homosexuell empfindende Menschen in einer Partnerschaft füreinander übernehmen würden, zu begleiten und wertzuschätzen. Alle Menschen, unabhängig ihrer sexuellen Orientierung, seien berufen, den Weg der Liebe zu gehen und den Willen Gottes zu suchen. Scheuer wendet jedoch ein, dass sich die kirchliche Beurteilung von Homosexualität durchaus bereits entwickelt und verändert habe. Man habe sich weiterhin intensiv damit auseinanderzusetzen.
Kritik aus OÖ: Urteil entspricht weder Lebenswelt noch wissenschaftlichen Erkenntnissen
Kritik an dem Statement, homosexuelle Paare nicht zu segnen, kommt unter anderem von der österreichischen Pfarrer-Initiative und aus Oberösterreich von der Katholischen Männerbewegung und der Katholischen Aktion OÖ. Bernhard Steiner, Obmann der Katholischen Männerbewegung (KMB) der Diözese Linz wendet ein, dass das Schreiben aus Rom aus vatikanischer Perspektive und aus juristischer Sicht „absolut nachvollziehbar“ sei. „Der aktuellen Lebenswelt und den Erkenntnissen von Sozialwissenschaft und Medizin entspricht das Urteil jedoch nicht“, ergänzt er. Die Römisch-Katholische Kirche solle sich nicht hinter Aussagen der Sexualmoral des vergangenen Jahrhunderts verstecken. „Auch, wenn das Schreiben ausdrücklich betont, dass es nicht zur Diskriminierung homosexueller Menschen beitragen soll, so wird es von gewissen Kreisen definitiv so verwendet werden. Als Katholische Männerbewegung sind wir solidarisch mit allen Menschen, die sich ernsthaft darum bemühen, ihre Beziehungen gelingen zu lassen. Gottes Segen soll sie dabei begleiten“, hält der Obmann fest.
Ähnlich sieht das die Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich Maria Hasibeder. Humanwissenschaftliche Erkenntnisse würden bei der Absage der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften nicht anerkannt, pastorale Notwendigkeiten nicht gewürdigt. „Als Katholische Aktion machen wir uns dafür stark, dass Ausgrenzungen überwunden und Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation ernstgenommen werden. Die katholische Lehre muss „verheutigt“ werden, so wie dies zahlreiche Moraltheologinnen und Theologen bereits seit langem fordern. Die Kirche darf sich nicht an Gesetzestexten aus der Vergangenheit orientieren, sondern muss stets die Sorgen und Nöte aller Menschen im Blick haben. Darauf macht auch die österreichische Pfarrer-Initiative aufmerksam, die sich in einer Stellungnahme (vom 16.3.2021) für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ausspricht. Dieses Anliegen trage ich vollinhaltlich mit“, sagt Hasibeder.
Evangelische Pfarren segnen homosexuelle Paare seit 1999
Anders sieht die Situation in der evangelischen Kirche aus. Die evangelisch-reformierte Kirche Helvetischen Bekenntnisses (H.B.), zweitgrößte evangelische Gemeinschaft, segnet bereits seit 1999 homosexuelle Paare in öffentlichen Gottesdiensten. Zehn Jahre später folgte die evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.), wobei diese eine standesamtlich geschlossene Ehe voraussetzt.
Der Weg für die Ehe homosexueller Paare wurde in Österreich im Dezember 2017 vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) frei gegeben. Begründet wurde mit dem Diskriminierungsverbot des Gleichheitsgrundsatzes. Die Öffnung trat mit 1. Jänner 2019 in Kraft. Auch eingetragene Partnerschaften sind sowohl für homosexuelle (seit 2010) als auch für heterosexuelle Paare (seit 2019) möglich.


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