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OÖ/LINZ. Laut WHO leidet jeder dritte Europäer mindestens einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung. In Österreich sind psychische Probleme ebenfalls, nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie, weit verbreitet. 62 Prozent sind der Ansicht, dass psychische und soziale Probleme in der Gesellschaft eher zunehmen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer aktuellen Imas-Studie im Auftrag von pro mente OÖ, die am Mittwoch, 30. Juni, präsentiert wurde.

  1 / 2   Oberösterreicher erachten psychische Gesundheit zunehmend als wichtig für eine funktionierende Gesellschaft. Das ist eines der Ergebnisse einer Imas-Studie im Auftrag von pro mente OÖ (Symbolbild). (Foto: stockfour/Shutterstock.com)

Dazu wurden 500 Oberösterreicher ab 16 Jahren in persönlichen Interviews befragt. „Unter den Top4-Aspekten, die für die oberösterreichische Bevölkerung ab 16 Jahren für eine gut funktionierende Gesellschaft mehrheitlich am wichtigsten sind, befinden sich leistbare Wohnungen, starker Zusammenhalt in Familien, eine niedrige Arbeitslosenquote und die Verbesserung der psychischen Gesundheit und Förderung des seelischen Wohlbefindens“, sagt Paul Eiselsberg, Research Director von Imas (=Institut für Markt- und Sozialanalysen, Anm.) International mit Sitz in Linz. Im Detail erachten zwei von drei Oberösterreichern die Verbesserung der psychischen Gesundheit als sehr wichtig, weitere 31 Prozent als einigermaßen wichtig. Vergleichsweise weniger Bedeutung bekommen ein flächendeckendes Internet (für 81 Prozent sehr oder einigermaßen wichtig) oder hohes Wirtschaftswachstum pro Jahr (für 87 Prozent sehr oder einigermaßen wichtig) zugeschrieben.

Bereiche, in denen Befragte Probleme sehen

Ein weiteres Ergebnis der Imas-Studie ist, dass die absolute Mehrheit (62 Prozent) der Befragten den Eindruck hat, dass psychische und soziale Probleme in nächster Zeit zunehmen werden. Ein weiteres Viertel ist von einer stabilen Entwicklung überzeugt. Als zunehmende Probleme werden vor allem Leistungsdruck und Stress in der Arbeit, Stress mit der Familie, finanzielle Schwierigkeiten, Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte, das soziale Umfeld oder generell alle Lebensbereiche wahrgenommen. An dieser Stelle fällt auf, dass sich das Antwortverhalten im Vergleich zu Februar und März 2020 verändert hat. Damals nannten noch mehr Befragte Leistungsdruck und Stress in der Arbeit oder finanzielle Schwierigkeiten. Kurosch Yazdi, Vorstandsvorsitzender von pro mente Oberösterreich vermutete, dass andere Bereiche in den Vordergrund getreten seien und durch staatliche finanzielle Hilfen Sicherheit verspürt worden wäre.

Wer psychische und soziale Probleme hat, braucht auch Hilfe, sind sich die Befragten der Imas-Studie mehrheitlich einig. 7 von 10 Personen finden ein entsprechendes Angebot sehr wichtig, was einer Zunahme um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Besonders große Bedeutung sehen vor allem Personen mit Kindern im Haushalt, höher Gebildete und Einsame.

„Menschen erkennen, dass sie Hilfe brauchen“

„Dass 98 Prozent der Oberösterreicher psychosoziale Hilfsangebote als wichtig erachten, heißt auch, dass die Menschen erkennen, dass sie Hilfe brauchen. Das ist ein erfreulicher Weg, da nur so auf die Bedürfnisse eingegangen werden kann und Hilfsangebote gesetzt werden können. Früher war es ein Tabu, eigene psychische Probleme anzusprechen, aus Angst verurteilt zu werden. Man wollte es sich oft nicht eingestehen, dass es einem nicht gut geht. Wir wollen in Oberösterreich signalisieren: Es gibt immer jemanden, der einem zuhört. Wir haben auch die Angebote im Bereich psychosoziale Gesundheit deutlich ausgebaut. Dabei wird schon ganz früh angesetzt“, hielt Gesundheits- Landesrätin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) fest.

Damit verweist sie auf die Projekte Gesunder Kindergarten & Gesunde Krabbelstube. Weitere Angebote sind unter anderem der Stammtisch für betreuende und pflegende Angehörige, Gesunde Gemeinden und psychosoziale Beratungsstellen wie pro mente OÖ oder die Alkoholberatung des Landes. Ein Überblick über entsprechende Einrichtungen findet sich auf der Webseite des Landes.

Entwicklungen und Bedarf

„Die aktuelle Studie unterstreicht auch den Leitsatz von pro mente OÖ: Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit. Es ist wichtig, dass das Wohl der Psyche als gleich wichtig erachtet wird wie die körperliche Gesundheit. Wir sind da im gesellschaftlichen Diskurs schon auf einem guten Weg, dennoch sind auch der Erhalt und Ausbau von psychosozialen Angeboten sowohl im Gesundheits - als auch im Sozialbereich essentiell“, meinte Yazdi. So brauche es etwa mehr psychosoziale Versorgung für Internetsüchtige und Drogenabhängige, für die es immer weniger Ärzte geben würde. Nachwirkungen der Krise müssten abgedeckt werden. Als positive Entwicklungen nehmen Yazdi, Haberlander und Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer wahr, dass pro mente und die ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse, Anm.) die Stunden für Psychotherapie aufgestockt haben sowie dass das AMS (Arbeitsmarktservice, Anm.) Ressourcen für Arbeitstrainings für psychisch Kranke erhöhte. Zukünftig sind ein Ausbau der Schulsozialarbeit, wobei laut Gerstorfer gar eine Verdoppelung nötig wäre, und ein eigener Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Johannes Kepler Universität in Linz geplant.


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