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OÖ. „Nach mittlerweile zwei Jahren Pandemie ist die Erschöpfung sichtbar“, sagt Silvia Breitwieser, Leiterin der Telefonseelsorge OÖ, über die oberösterreichische Bevölkerung. Auch der Krieg in der Ukraine trage dazu bei, dass sich unter den Oberösterreichern Hilflosigkeit und Ängste verbreiten. Die Initiative SUPRA startet ab 1. April und will dazu beitragen, dass Menschen mit Suizidgedanken in Oberösterreich unterstützt werden. 

Mehr als drei Menschen begehen in Österreich täglich Suizid. Foto: zinkevych/stock.adobe.com
Mehr als drei Menschen begehen in Österreich täglich Suizid. Foto: zinkevych/stock.adobe.com

„Es ist wichtig, früh genug damit anzufangen, sich um die mentale Gesundheit zu kümmern“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander. Sie finde es wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen und dafür zu sorgen, dass mentale Gesundheit und suizide Gedanken/Suizid kein Tabuthema mehr ist.

SUPRA startet

Die Suizidprävention SUPRA startet mit 1. April in Oberösterreich. SUPRA sieht es als Aufgabe, die bisherigen Beratungsangebote und Hilfestellungen für Menschen mit Suizid-Gedanken untereinander zu vernetzen und darauf zu schauen, wo noch Maßnahmen getroffen werden müssen, um jenen Oberösterreichern mit Suizidgedanken bestmöglich zu unterstützen und zu helfen.

Mehr als drei Suizide täglich in Österreich

Mehr als drei Menschen begehen in Österreich täglich Suizid – das sind rund 2,5mal so viele, wie im Straßenverkehr ums Leben kommen. Damit ist die Selbsttötung bei den unter 50-Jährigen eine der häufigsten Todesursachen – bei der Altersgruppe der 15 bis 29-Jährigen sogar die zweithäufigste (nach Unfällen). Corona habe hingegen statistisch gesehen keine wirklichen Veränderungen gebracht, erklärt Jörg Auer, Vorstand der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin am Kepler Universitätsklinikum Linz.

Soziale Medien können sehr viel Schaden anrichten bei jungen Menschen

Bei jungen Menschen ist es meist so, dass die Jugend eine Phase der Veränderung ist und Veränderungen können Krisen auslösen, erklärt Auer. Wenn dann auch noch keine Unterstützung vom Umfeld erfolgt, führt dies zu einer Hilflosigkeit der Jugendlichen. Zudem kommt bei den jungen Menschen noch der Umgang mit den sozialen Medien hinzu. „Da kann man wirklich sehr viel Schaden anrichten“, so Auer.

Warnhinweise für Suizid-Gedanken

Warnhinweise, dass ein Mensch Suizid-Gedanken hat, können laut Auer sein:

  • Rückzug
  • Vorsorge treffen: das können Dinge sein, wie wo kann ich meine Haustiere abgeben, die Wertgegenstände werden aufgeteilt, oder die finanziellen Angelegenheiten werden geklärt
  • Bemerkungen fallen: die betroffene Person sagt so Sätze wie „Es wäre besser, ich falle nicht mehr zur Last“
  • Konkrete Maßnahmen werden getroffen

Wenn solche Warnhinweise gegeben sind, rät Auer dem Umfeld bei der betroffenen Person zum Ausdruck zu bringen, dass die Dinge einem Sorgen bereiten. „Sich mit suizide Gedanken auseinanderzusetzen ist ein Prozess, das geschieht nicht von heute auf morgen“, sagt Auer. Deswegen rät er, wenn dem Umfeld etwas auffällt, es sofort und bewusst anzusprechen.

Mit Suizid-Mythen aufräumen

Mythos 1: Menschen, die über Suizid sprechen begehen ihn nicht.

Falsch. „Die Betroffenen sind in großer Not, das Aussprechen ist Ausdruck großer Belastung. Unterstützung ist angesagt, wenngleich die Verantwortung beim Betroffenen liegt“, sagt Auer.

Mythos 2: Suizid passiert ohne Vorwarnung.

Falsch. „Meist geben die Betroffenen vorher Signale durch Äußerungen und Handlungen. Diese sollten nicht bagatellisiert werden. Man sollte die Betroffenen ansprechen, dies ist zumeist erleichternd, keinesfalls verstärkend“, so Auer.

Mythos 3: Suizidale Menschen sind absolut entschlossen, es nicht zu verhindern.

Falsch. „Es ist ein innerer Prozess, ein Für und Wider über einen längeren Zeitraum, bis die Selbsttötungsgedanken wieder abklingen oder zur inneren Gewissheit werden. Bis dahin können Lösungsmöglichkeiten anderer neue Perspektiven bringen – ohne etwas 'schön zu reden'“.

Mythos 4: Wenn ich meine Sorge anspreche, kann ich einen Suizidversuch auslösen.

Falsch. „Angesprochen zu werden, vor allem aus der Sorge heraus, kann es Betroffenen ermöglichen, sich zu öffnen. Sie sind oft im Rückzug und von sich aus nicht mehr in der Lage, aktiv Hilfe zu suchen.“

Mythos 5: Im Herbst und Winter gibt es mehr Suizidversuche.

Falsch. „In diesen Jahreszeiten gibt es eine leichte Häufung depressiver Erkrankungen, bedingt durch das verminderte Sonnenlicht, jedoch keine Häufung von Suiziden. Eine gering steigende Tendenz ist hingegen im Frühjahr zu erkennen.“ Denn: um einen Suizid auszuüben, brauche die betroffene Person einen gewissen Antrieb. Diesen habe er erst wieder im Frühling.

Hilfe für Betroffene

Hilfe bekommen Betroffene in Oberösterreich bei der Telefonseelsorge Oberösterreich unter der Nummer 142, oder bei der Krisenhilfe Oberösterreich unter der Nummer 0732/2177 rund um die Uhr.


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