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Wenn es wirklich nötig ist: Über 1450 schnell im Spital behandelt - Pilotprojekt wird auf ganz Oberösterreich ausgerollt

Tips LogoKarin Seyringer, 16.02.2024 18:49

OÖ/LINZ/RIED. Im Herbst 2023 ist im Krankenhaus Ried und am Kepler Uniklinikum Linz über die bekannte Gesundheitshotline 1450 ein Pilotprojekt zur besseren Patientenlenkung gestartet worden. Für Anrufer, die Spitalsbetreuung benötigen, wurde eine Art „Fast Lane“ eingeführt. Nach positivem Feedback wird nun an der Ausrollung auf ganz Oberösterreich gearbeitet.

Über 1450 ins Spital, Pilotprojekt wird ausgerollt, v. l.: Johann Minihuber (Geschäftsführer Krankenhaus Barmherzige Schwestern Ried), Oö. Rot Kreuz-Präsident Walter Aichinger, LH-Stellvertreterin Christine Haberlander, Vorsitzender ÖGK-Landesstellenausschuss Albert Maringer und Karl-Heinz Stadlbauer (Ärtzlicher Direktor Kepler Uniklinikum Linz). (Foto: Land OÖ/Ernst Grilnberger)

Wenn die geschulten Mitarbeiter bei 1450 für einen Anrufer das Krankenhaus als idealen Versorgungsort definieren, erfolgt – mit Einverständnis des Patienten – eine Datenübertragung ans Spital für einen beschleunigten Aufnahmeprozess bzw. die Möglichkeit zur Vorbereitung im Krankenhaus. Man komme sozusagen auf die Überholspur, so LH-Stellvertreterin, Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP).

Umgesetzt wurde der Pilot am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried und am Kepler Universitätsklinikum in Linz. „Das Projekt in Ried und Linz hat unglaublich gut funktioniert – für die Patienten, aber auch für die Mitarbeiter“, so Haberlander. Doppelgleisigkeiten würden vermieden, im Spital könne sich rascher und punktgenau gekümmert werden. „Daher wird das Erfolgsprojekt jetzt auf Oberösterreich ausgerollt. Es erfolgt jetzt der Startschuss zu Konzeption, damit es in den kommenden Monaten in allen Spitälern in Oberösterreich angewendet werden kann.“

„Wie ein Formel 1-Boxenstopp“

Albert Maringer, Vorsitzender des ÖGK-Landesstellenausschusses, zieht einen Vergleich zum Formel 1-Boxenstopp: „Der Rennfahrer gibt über Funk bekannt, dass er reinkommt – er wird sofort zum richtigen Platz gewiesen, die Mechaniker warten bereits. Es geht darum, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, es geht auch darum, dass sich die Menschen an die Spielregeln im Gesundheitssystem halten“, sieht Maringer Pionierarbeit, „es ist etwas gelungen, dass es in ganz Österreich nicht gibt.“

Vorteile für Patienten und Gesundheitspersonal

Die konkreten Vorteile: Der Patient muss nicht noch einmal seine Geschichte von vorne erzählen, erhält auch eine SMS mit allen relevanten Informationen für den Spitalsbesuch. Das Spital ist frühzeitig über den eintreffenden Patienten informiert, alle wichtigen Informationen sind bereits vor Ort, etwaige erforderliche Maßnahmen können getroffen werden. Somit ersparen sich alle Zeit, das Gesundheitspersonal auch Ressourcen und Bürokratie.

Aufrecht bleibt dabei das in den Spitälern angewendete Manchester-Triage-System (Reihung nach medizinischer Dringlichkeit).

„Patienten über 1450 waren richtig im Spital“

„Patientenlenkung begleitet uns schon länger. Wie aber sollen Patienten wissen, wo sie an der richtigen Stelle sind? 1450 ist der richtige Pool, der Patient bekommt Sicherheit. Ein kompetenter Ansprechpartner gibt die Richtung vor, das hilft uns im Krankenhaus sehr, weil wir wissen: Diejenigen, die kommen, sind im Spital richtig und wir können uns schon darauf vorbereiten, etwa bei Herzproblemen“, so Karl-Heinz Stadlbauer, Ärztlicher Direktor am Kepler Uniklinikum (KUK).

Täglich 300 bis 350 Patienten kommen in die KUK-Notaufnahme, „viele müssten nicht akut versorgt werden, diese würden vom Anruf bei 1450 profitieren“, so Stadlbauer. Verständlich sei natürlich, dass Eltern mit erkrankten Kindern sehr besorgt sind, „aber bei der Aufnahme von Kindern wäre das Spital bei zwei Drittel nicht nötig“, sieht er gerade hier großes Potenzial bei der Patientenlenkung über 1450.

All jene, die beim Pilotprojekt über 1450 geschickt wurden, seien richtig im Spital gewesen.

Schon vorab auf virtueller Warteliste

Den Ablauf in der Praxis erläutert auch Johann Minihuber, Geschäftsführer des Krankenhauses Barmherzige Schwetern Ried: „Durch strukturierte Befragung bei 1450 konnte der Bericht, vielleicht auch schon Begleitdokumente wie zu Medikamentenallergien, gleich direkt ans Krankenhaus weitergeleitet werden. Der Patient scheint im Krankenhaus auf der virtuellen Warteliste auf, kommt zur zentralen Notaufnahme. Das Krankenhaus weiß Bescheid und mit den Vorinfos können die Ärzte schneller und gezielt handeln.“

Ein Großteil der Patienten in Ried konnte dabei ambulant behandelt werden, ein kleinerer Bereich stationär. In Ried wie in Linz wurden im Pilotzeitraum gut jeweils 90 Patienten über dieses System ins Krankenhaus gelotst. „Wichtig ist: Das war jetzt ein Test und wir haben gesehen, dass es sehr gut funktioniert.“

„1450 ist mehr als Dr. Google“

Die Gesundheitshotline 1450 – in Corona-Zeiten zur Corona-Hotline umfunktioniert – besteht seit 2018. 1450 wird von Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern getragen, in Oberösterreich durch das Rote Kreuz betrieben.

„1450 ist mehr als Dr. Google. Am andere Ende sind 31 Personen, die bestens geschult sind, aus der Pflege kommen und zusätzlich qualifiziert sind“, so Oö. Rot Kreuz-Präsident Walter Aichinger. „Primär ist die Nummer für Beratung zuständig, bringt Patienten aber auch an jene Stelle, wo sie die für sie richtige ärztliche Hilfe bekommen“, freut sich Aichinger über die Ausrollung, „weil es ein großer Beitrag ist, unser Gesundheitssystem bestmöglich zu nutzen.“

Einig sind sich hier alle Beteiligten: Es führe kein Weg daran vorbei, das Gesundheitssystem zu digitalisieren.


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