Salzkammergut-Touristiker setzen auf Österreich
BEZIRK GMUNDEN. Aktuelle Analysen von Experten gehen davon aus, dass die gegenwärtige Krise zumindest teilweise mit der Finanzkrise 2008/09 vergleichbar ist. Aber hat die Situation wirklich solche massiven Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft?

Nein, und wenn überhaupt, nur zu einem kleinen Teil, meint der Tourismusökonom Egon Smeral und erklärt: „Es wird übersehen, dass die Covid-19-Effekte durch den Aufschub von Entscheidungen nicht nur einen Nachfragestillstand und eine veränderte Erwartungshaltung von Konsumenten und Investoren auslösen, wir haben es hier zusätzlich mit einem dramatischen Angebotsschock zu tun, der nicht unterschätzt werden sollte. So stoppten viele Betriebsstillegungen die Produktion in anderen Wirtschaftsbereichen, wodurch Lieferengpässe entstanden sind, die wiederum die Produktion beschränkten.“
Tourismusbranche stark betroffen
„Besonders stark sind die Tourismusbetriebe wie Hotels, Restaurants, Fluglinien, Reisebüros oder Reiseveranstalter von der Covid-19 Krise betroffen, da diese durch die Beschränkung der Reisefreiheit und der Mobilität der Bevölkerung sowie Zwangsschließungen praktisch über Nacht den gesamten Markt verloren haben“, schildert der Experte. Für das laufende Tourismusjahr liegen zwar noch keine aktuellen internationalen Daten vor, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die internationalen Ankünfte 2020 auf Basis von Schätzungen und Erfahrungswerten um etwa ein Drittel sinken könnten. Ähnliche Tendenzen sind auch für die Entwicklung der realen Ausgaben für Auslandsreisen zu erwarten. Aktuelle EU-Erhebungen von Ende März deuten jedoch bereits jetzt darauf hin, dass bis Ende Juni riesige Umsatzrückgänge in der Hotellerie, bei Restaurants sowie Reisebüros und Reiseveranstalter zu erwarten sind.
Salzkammergut hofft auf 'Österreich-Urlauber'
„Die Zahlen der letzten Jahre waren sehr gut, davon werden wir heuer sicher weit entfernt sein“, rechnet auch der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Traunsee-Almtal, Andreas Murray mit starken Auswirkungen auf die Tourismusregion Salzkammergut. Er hofft, dass ab Mitte Mai die Öffnung von Gastronomie und Hotellerie anlaufen kann – „natürlich mit Auflagen und Einschränkungen“. Positiv sei, dass schon in den letzten Jahren sechs von zehn Salzkammergut-Urlaubern aus Österreich stammten: „Wir rechnen damit, dass wir diese halten können, auch dank eines breiten Angebots, vom Familien- bis zum 'High-End-Urlaub'“, sagt Murray. Unterstützen will man dies mit einer Kampagne Anfang Mai.
„Auch für das Innere Salzkammergut bedeutet die Corona-Krise nach einem ausgesprochen guten Start in die Wintersaison, mit einem Nächtigungsplus in den ersten beiden Monaten dieses Jahres, nun eine komplette Vollbremsung, die den gesamten Tourismus trifft. Es wird mit starken Einbußen zu rechnen sein und es zeichnet sich ab, dass die derzeit bestehenden Einschränkungen gerade für touristische Einrichtungen nur sehr langsam und schrittweise gelockert werden können“, sagt Gregor Gritzky, Geschäftsführer der Ferienregion Dachstein Salzkammergut.
Hallstatt startet ab Mai mit neuem Bus-Slotsystem
„Es werden weniger Touristen kommen – zuletzt waren es aber ohnedies schon viel zu viele Tagesgäste. Deshalb werden wir auch wie geplant ab Mai mit dem „Bus Slotsystem“ beginnen. Die Einführungsphase wird ruhiger verlaufen, als noch vor einigen Monaten befürchtet“, sagt Ortschef Alexander Scheutz und ergänzt: „Ich denke, dass sich unsere Betriebe auf die neue Situation einstellen werden. Sie werden für die heimischen Gäste entsprechende Angebote ausarbeiten.“


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