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OÖ. Der ÖGB OÖ und die einzelnen Gewerkschaften waren trotz Lockdowns weiterhin für ihre Mitglieder erreichbar. Gemeinsam verzeichneten sie im Vorjahr 44.198 Beratungsgespräche, was die bisherige Höchstzahl ist. Unter den Themen waren unter anderem Kurzarbeit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Corona-Tests in der Arbeitszeit.

  1 / 2   Im März 2020 führten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des ÖGB OÖ im Homeoffice Beratungen durch (Symbolbild). (Foto: Julia Kuzenkova/Shutterstock.com)

Im März 2020 waren der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) OÖ und Gewerkschaften einen Tag erschwert erreichbar. Dann war die Umstellung auf Homeoffice geschafft. Neue Aufgaben des ÖGB waren die Hotline und Webseite jobundcorona.at, die gemeinsam mit der Arbeiterkammer aufgebaut wurde, die Bearbeitung von Kurzarbeitsanträgen sowie die vermehrte Beratung von Betrieben. Zum ersten Mal seit neun Jahr traten im Vorjahr mehr Mitglieder ein (etwa 12.000) als aus (ungefähr 3.000, Verstorbene oder Pensionierte eingerechnet). „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen uns heute mehr denn je. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung sowie der Schutz von Risikopersonen, Arbeit mit Maske und Corona-Tests in der Arbeitszeit waren 2020 häufig auftretende Probleme, mit denen sich die ÖGB Experten und Expertinnen in den Gewerkschaften und den ÖGB-Regionalstellen befasst haben – meist kontaktlos per E-Mail und Telefon. Dass viele Menschen nun statt Kündigung Kurzarbeit haben, dass es einen Sozialstaat gibt, der uns auffängt, dass alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen krankenversichert sind, das ist auch Resultat der 75-jährigen Erfolgsgeschichte des ÖGB“, ist ÖGB-Landesvorsitzender und AK OÖ Präsident Johann Kalliauer überzeugt.

Fast neun Millionen Euro vor Gericht erstritten

Der ÖGB OÖ zählt laut aktuellem Stand 244.115 Mitglieder und ist damit die zweitgrößte Landesorganisation nach Wien. Im Vorjahr wurden 44.198 Beratungsgespräche durchgeführt, was ein neuer Höchstwert ist. Die AK/ÖGB-Hotline zu Job und Corona ist hier nicht eingerechnet. Vertretung vor Gericht war im Vorjahr eingeschränkt möglich. Insgesamt wurden dennoch 8,93 Millionen Euro für Mitglieder vor Gericht erstritten, was ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr ist. Der Schritt vors Gericht ist aber nicht immer notwendig. Ein Beispiel eines Modeunternehmers aus dem Bezirk Kirchdorf zeigt, dass auch Beratung und ein gewerkschaftliches Eingreifen helfen können, um zum Recht zu verhelfen. In diesem Fall wurden fünf Mitarbeiterinnen gekündigt, da sie der Arbeitnehmer nicht in Kurzarbeit schicken wollte. Nach einer Intervention bekamen die Frauen eine Abfertigung ausbezahlt. „Viele Gewerkschaftsmitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben auch Unternehmen beraten, ihnen die Kurzarbeit ans Herz gelegt und so sehr viele Jobs, die schon auf der Kippe standen, gerettet“, berichtet ÖGB OÖ Landessekretär Stefan Guggenberger. Im Vorjahr wurden insgesamt 34.872 Kurzarbeitsprojekte in 17.721 Betrieben im Bundesland genehmigt.

29 neue Betriebsräte gegründet, besserer Schutz nötig

Trotz der Herausforderungen durch die Pandemie lief auch der betriebliche Alltag weiter. So wurden 29 Betriebsräte ins Leben gerufen und 339 Betriebsratswahlen durchgeführt. Der Weg zu einem Betriebsrat sei oft nicht einfach, da es immer wieder Betriebe gebe, die ihren Mitarbeitenden dieses Recht verwehren wollen, sagt Kalliauer. „In der Krise ist vielen Unternehmern bewusst geworden, dass auch sie profitieren, wenn es einen Betriebsrat im Unternehmen gibt. Gerade bei der Kurzarbeit hat es sich bewährt, wenn es einen Ansprechpartner gibt und nicht mit allen Beschäftigten einzeln Vereinbarungen geschlossen werden müssen. Trotzdem gibt es einzelne Unternehmer, die sich mit Händen und Füßen gegen eine Betriebsratswahl wehren. Es braucht deshalb einen besseren Schutz für Beschäftigte, die eine Belegschaftsvertretung gründen wollen“, meint der ÖGB-Landesvorsitzende. Ein Betriebsrat und Gewerkschaften seien vor allem dann wichtig, wenn Betriebe schließen oder Personal gekündigt werden soll.

Der ÖGB ist die größte freiwillige Interessenvertretung für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Österreich. In OÖ sind sieben Gewerkschaften Mitglied - die Gewerkschaft der Privatangestellten, die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Younion, vida, Gewerkschaft Bau-Holz, die Pro-Ge und die Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten.


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