Beschäftigte blicken seit der Pandemie pessimistischer in die Zukunft
OÖ. Für einen Großteil der oberösterreichischen Beschäftigten ist die Corona-Krise dank Kurzarbeit und Homeoffice bis jetzt relativ glimpflich verlaufen. Dennoch zeigt der Arbeitsklima Index, dass Optimismus und der Glaube an sichere Arbeitsplätze seit März 2020 um 14 beziehungsweise 16 Prozentpunkte gesunken sind. Auffallend ist, dass die Krise nicht alle Arbeitnehmer gleichermaßen trifft.

Wie geht es Oberösterreichern in der Arbeit? Wie zuversichtlich blicken sie in die Zukunft und wie hat sich all das seit Ausbruch der Corona-Pandemie verändert? Um die Auswirkungen der Pandemie auf die Beschäftigten und die Arbeitswelt zu erfahren, wurde der Fragenkatalog des Arbeitsklima Index im März 2020 um etwa 15 Fragen zur aktuellen Situation erweitert. 4.000 Personen, davon etwa 600 aus Oberösterreich, wurden von den Sozialforschungsinstituten SORA (= Institute for Social Research and Consulting, Anm.) und IFES ( = Institut für empirische Sozialforschung, Anm.) im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) OÖ online befragt. Zentrales Ergebnis ist, dass der Optimismus der Beschäftigten in Oberösterreich seit März 2020 um 14 Prozentpunkte gesunken ist. Beim Glauben an die Sicherheit von Arbeitsplätzen beträgt der Rückgang 16 Prozentpunkte. Insgesamt denken aber immer noch 73 Prozent, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist. 69 Prozent zeigen sich in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung zuversichtlich.
Positive Effekte von Kurzarbeit und Homeoffice
Die Arbeitszufriedenheit sank seit Beginn des Vorjahres leicht, aber konstant von 111 Punkten zu Jahresbeginn auf 104 Punkte im zweiten Lockdown. Ein Hauptgrund, warum die Arbeitszufriedenheit nicht stärker zurückgegangen ist, sei laut AK OÖ der breite Einsatz der Kurzarbeit. Sie habe Arbeitsplätze gesichert, zu einer Arbeitsentlastung und Arbeitszeitreduktion geführt. Nur drei Prozent der Befragten gaben etwa an, bei Kurzarbeit unter ständigem Arbeitsdruck gelitten zu haben, während es beim Rest fast ein Viertel ist. Mit zunehmender Dauer der Kurzarbeit steigen allerdings die Sorgen der Beschäftigten, etwa in Bezug auf die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens. Auch das Auskommen mit dem Lohn wird schwieriger.
Ein weiterer Faktor, der negative Auswirkungen und Folgen abfederte, sei laut AK OÖ Homeoffice gewesen. Zu Beginn der Pandemie arbeitete ein Drittel der oberösterreichischen Beschäftigten in den eigenen vier Wänden. Darunter waren vor allem Arbeitnehmer mit Matura oder Universitätsabschluss (60 Prozent), bei Menschen ohne Matura war nur etwa jeder Fünfte im Homeoffice. Konflikte entstanden unter anderem dadurch, dass Arbeitnehmer Aufgaben übernehmen mussten, die üblicherweise nicht in ihren Aufgabenbereich fallen, oder dass sich Beschäftigte schlecht über weitere Maßnahmen und Änderungen informiert fühlten. Auf der anderen Seite hatten 14 Prozent Konflikte mit dem Arbeitgeber, weil sie an ihren Arbeitsplatz mussten, obwohl sie eine Ansteckung mit dem Corona-Virus befürchteten.
Arbeitslose sind deutlich unzufriedener
Auffallend ist, dass die Krise nicht alle Arbeitnehmer gleichermaßen trifft. Während in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 in Oberösterreich nur etwa 30.000 Menschen keinen Job hatten, waren Ende 2020 mehr als 46.000 Personen arbeitslos. Hier zeigt der Arbeitsklima Index, dass Arbeitslose im Vergleich zu Beschäftigten in Kurzarbeit, im Homeoffice beziehungsweise zu regulär Beschäftigten deutlich unzufriedener mit ihrer Lebenssituation sind. Sie sind unzufriedener mit ihren Rechten, mit ihrem sozialen Status in der Gesellschaft und mit ihrer sozialen Absicherung. Acht von zehn Befragten sagen, dass das Arbeitslosengeld, insbesondere bei langer Dauer, kaum zum Leben reiche. Bei allen oberösterreichischen Beschäftigten sind es etwa 40 Prozent, die kaum oder gar nicht mit ihrem Einkommen auskommen.
Krise wird Arbeitsmarkt laut Befragten dauerhaft verändern
Darüber hinaus hat der Arbeitsklima Index Fragen zur Zukunft gestellt. Hier ist das zentrale Ergebnis, dass drei Viertel denken, dass die Krise den Arbeitsmarkt dauerhaft verändern wird. Fast ein Sechstel der Beschäftigten sieht sich in der eigenen Existenz bedroht.
Laut AK OÖ seien die langfristigen Folgen aus derzeitiger Sicht schwer abschätzbar. Die Sorgen und Ängste der Beschäftigten müssten jedenfalls ernst genommen werden, da ohne ihren Einsatz alles stillstehen würde. „Auch wenn die Stimmung auf dem oberösterreichischen Arbeitsmarkt derzeit noch nicht so schlecht ist wie in der Wirtschafts- und Finanzkrise, hat die Corona-Pandemie massive Auswirkungen auf die Beschäftigten“, hält AK OÖ Präsident Johann Kalliauer fest. Um den Optimismus der Menschen wieder zu stärken, fordert er Investitionsprogramme von Bund und Land sowie öffentliche Beschäftigungsprojekte für Langzeitarbeitslose. Um die Konjunktur anzukurbeln, müssten das Arbeitslosengeld auf mindestens 70 Prozent des Letztbezugs und die kollektivvertraglichen Mindestlöhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro erhöht werden. „Dazu wäre lediglich eine faire Verteilung der Corona-Hilfen nötig. Derzeit gehen fast drei Viertel davon an Unternehmen – viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und vor allem Arbeitslose schauen durch die Finger“, kritisiert Kalliauer.


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