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OÖ/LINZ. Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeitswelt in vielen Bereichen nachhaltig verändert. Homeoffice wird für viele zum Alltag, die Arbeitnehmer sind „mobiler“ geworden. Das Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA) beschäftigt sich auch mit den sozialen Aspekten dieser Veränderung. Eine neue Studie des Linzer IMAS-Institutes dazu liegt vor. Zwei Drittel der Befragten sind mit Homeoffice zufrieden.

  1 / 2   Paul Eiselsberg (IMAS), Sparkasse OÖ Vorstandsvorsitzende Stefanie Christina Huber, Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner und Primar Kurosch Yazdi präsentierten in der Tabakfabrik Linz die neue Studie zum Homeoffice. (Foto: Land OÖ/Daniel Kauder)

„Um ein erfolgreicher Standort zu bleiben, ist es entscheidend, entsprechende Rahmenbedingungen für diese neue Arbeitswirklichkeit zu schaffen, so Wirtschafts-Landesrat und IAA-Präsident Markus Achleitner (ÖVP). Gerade auch für die Gewinnung von Fachkräften gehe es um Weiterentwicklung der Arbeitsmodelle und des Themas Homeoffice. Homeoffice sei gekommen, um zu bleiben – „nicht als Ersatz, sondern als sinnvolle Ergänzung – soweit Homeoffice möglich ist. Das wird auch eine wesentliche Rolle in der Personalgewinnung spielen. Hybrides Arbeiten wird die Arbeitswelt von morgen sein, dazu forschen wir.“

Auch für den ländlichen Raum sei das Thema Homeoffice/mobiles Arbeiten eine Chance, diesen zu stärken.

IMAS-Studie: Zwei Drittel mit Neuerungen zufrieden

Die IMAS untersuchte in der Studie „Homeoffice in Oberösterreich“ die zentralen Einstellungen, Erfahrungen und Einschätzungen von oö. Unternehmen mit mehr als 30 Mitarbeitern, die 2021 Homeoffice angeboten haben. 150 leitende Personalverantwortliche wurden dabei per computergestützten telefonischen Interviews befragt, im Zeitraum von 1. bis 15. Februar 2022.

Die Zufriedenheit mit Homeoffice ist dabei insgesamt sehr hoch, mehr als zwei Drittel, 71 Prozent, sind sehr oder eher zufrieden. „Die spannende Frage ist: Welchen Mix wird es künftig geben“, so Paul Eiselsberg, Senior Research Director IMAS International. Wie die Umfrage zeigt, würden 70 Prozent der Befragten eine Mischform bevorzugen und als Zukunftsmodell betrachten. Lediglich ein Viertel der Unternehmen will demnach wieder vollständig in den Betrieb zurückkehren.

Sparkasse OÖ: Verbindung der Vorteile aus beiden Welten

Eine solche Mischung betreibt die Sparkasse OÖ. Auch Stefanie Christine Huber, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse OÖ, sieht Homeoffice als „gekommen, um zu bleiben“ – als Ergänzung zum Bürobetrieb. 96 Prozent der Arbeitsplätze seien dort im Frühjahr 2020 innerhalb weniger Tage Homeoffice-fähig gemacht worden. „Die Mischung ist wichtig, die Vorteile von Homeoffice für Arbeitnehmer zu nutzen, die Flexibilität, die kürzeren Arbeitswege, aber trotzdem die sozialen Begegnungen, den informellen Austausch zu haben“, so Huber.  In der Sparkasse OÖ können die Mitarbeiter bis zu zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten. Entscheidend dafür seien aber Spielregeln, die einen strukturierten Ablauf sicherstellen.

Aber auch das mobile Arbeiten hat die Sparkasse OÖ etabliert. Mitarbeiter in ländlichen Regionen, die eine längeren Anfahrtsweg zum Arbeitsplatz haben, können bei Bedarf etwa in einer wohnortnahen Filiale arbeiten.

Vier Säulen für erfolgreiches Homeoffice entscheidend.

Landesrat Achleitner sieht vier Säulen für funktionierendes Homeoffice entscheidend:

Schnelles Internet: der Breitbandhausbau werde daher mit vollem Tempo fortgesetzt. Derzeit 78 Prozent der oö. Haushalte würden über kabelgebundene Versorgung mit mehr als 100 Mbit/s verfügen, sobald alle derzeit in Bau und geplanten Projekte fertig sind, liege man bei 83,5 Prozent, so der Landesrat.

Die Unternehmen müssten digital fit sein. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer OÖ engagiere sich das Land, um vor allem kleine und mittlere Unternehmen digital fit zu machen, nennt Achleitner das Unterstützungsangebot „Digital Starter“. 2022 seien dafür wieder 7 Millionen Euro budgetiert.

Klare rechtliche Regeln seien nötig, schon heuer werde das im Vorjahr beschlossene Homeoffice-Gesetz des Bundes evaluiert, um die Bedürfnisse wirklich zu erfüllen. Achleitner verweist darauf, dass bei vielen Unternehmen zudem noch Unsicherheiten bei diesem Thema herrschen würden.

Zusätzliche Konzepte wie Co-Working-Spaces seien nötig, verweist Achleitner auf bereits laufende Pilotprojekte mit Co-Working-Spaces inklusive Kinderbetreuung im ländlichen Raum. „Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist natürlich ein generelles Thema.“ So könne auch die Teilzeitquote erhöht werden.

Mensch ist soziales Wesen

„Der Mensch ist ein soziales Wesen, braucht den Austausch, braucht Beziehungen. Dieser Aspekt darf jedenfalls nicht übersehen werden“, ergänzt Primar Kurosch Yazdi, Vorstand der Klinik für Psychiatrie am Kepler Uniklinikum. Das Thema Homeoffice müsse auf drei Ebenen betrachtet werden: individueller Mitarbeiter, die soziale Ebene und die Gesamtgesellschaft. „Nicht jeder bzw. jeder ist anders geeignet für Homeoffice. Wo ist man am leistungsfähigsten, das ist nicht allgemein gültig. Wir sind zudem Rudeltiere, es braucht auch den persönlichen Kontakt, der sich zufällig am Gang ergibt, in der Kaffeepause. Wo liegt die Balance? Das hängt vom Job und vom Individuum ab“, so der Primar.

Noch im Lernprozess sei man bei der dritten, der gesellschaftlichen Ebene. „Das, was jetzt während Corona umgesetzt wurde, ist ein Notfallprogramm. Es braucht noch Jahre, um als Gesellschaft die Erfahrung zu sammeln, um so für den jeweiligen Mitarbeiter das passende Maß zu finden“, ist Yazdi überzeugt.


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