Lehrkräftemangel: „Ein komplexes System“
OÖ/LINZ. Für Diskussionen sorgt gerade wieder zum Schulbeginn der Mangel an Lehrkräften auch an Oberösterreichs Schulen. „Das ist natürlich Thema“, so Bildungsdirektor Alfred Klampfer. Er zeigt sich allerdings optimistisch. Bis zuletzt sei jedoch nicht klar, wie viele Kräfte tatsächlich fehlen würden. Das liegt am System. Im administrativen Bereich zur Unterstützung an Schulen wurde unterdessen nachgerüstet.

Seit der ersten Ausschreibung sind laut Klampfer 1.000 Lehrkräfte neu angestellt worden. Die Ausschreibungen laufen in mehreren Phasen, aktuell die dritte. „Rund 250 Stellen sind ausgeschrieben – fast alle davon Teilzeit, 24 Vollzeitstellen.“ Mit Stand 5. September sei die Hälfte der Vollzeitstellen besetzt, zwölf fehlen noch. „Ansonsten laufen gerade die Bewerbungsgespräche an den Schulen, die Zahlen ändern sich fast stündlich“, so Klampfer am Rande der traditionellen Pressekonferenz zum Schulstart in OÖ.
„Wir sind noch im Fluss, aber guter Dinge. Wenn an einer Schule zum Beispiel sechs Stunden fehlen, kann man das regeln, andernfalls wird man sich das nochmal anschauen.“ Jedenfalls sei es ein „spannender Prozess bis zum Schluss, natürlich wären uns mehr Bewerber lieber“, gibt Klampfer zu.
„Irrsinnig komplexes System“
Grund für diesen „spannenden Prozess“ ist auch, dass im Pflichtschulbereich erst definitiv zum ersten Schultag gesagt werden kann, wie die Klassen aussehen. „Es zeigt sich am ersten Schultag um 8 Uhr, wer da ist“, erzählt Margret Kobilka, Direktorin der VS9 Froschbergschule Linz aus der Praxis. Ein Kind könne einen erheblichen Unterschied machen, erklärt sie anhand der Zahlen aus ihrer Schule. Sollte das 26. Kind der ersten Klasse doch nicht in der VS9 starten, könne der Jahrgang auf eine Klasse zusammengelegt werden, wodurch viele Stunden frei werden. Bei einem zusätzlichen ukrainischen Kind könne eine Sprachförderklasse eingerichtet und dadurch zusätzliche Lehrkräfte benötigt werden. „Das ist ein irrsinnig komplexes System.“
Plan B
Plan B bei fehlendem Lehrpersonal sei, die fehlenden Stunden durch Überstunden der anderen Lehrkräfte zu kompensieren. Teilzeitkräfte, die zusätzliche Stunden übernehmen, seien dabei eine große Hilfe, so Klampfer. Nach dem Schulstart, sobald die tatsächlich noch zu besetzenden Stellen klargeworden sind, wird eine weitere Ausschreibung für die fehlenden Lehrkräfte folgen.
Die Schülerhöchstzahl im Pflichtschulbereich liegt im Regelfall bei 25 pro Klasse, in der Oberstufe bei 30. In der Oberstufe sei es auch möglich, sehr viel früher mit konkreten Zahlen zu planen, erläutert Klampfer – weil es da Anmeldegrenzen gebe.
Zusätzliche Unterstützungskräfte
Um Schulleiter zu entlasten, wurde Anfang Mai 2021 gemeinsam von Land OÖ und AMS OÖ begonnen, administratives Unterstützungspersonal an Schulen zu bringen. Gestartet wurde damals an zwölf Schulstandorten, während des Schuljahres 2021/22 wurden 105 Personen angestellt. „Im Laufe des Schuljahres sind 110 Personen angedacht, von denen 170 Schulstandorte profitieren könnten“, so Bildungs-Landesrätin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander. Jede zusätzliche Unterstützung führe zur Entlastung des Lehrpersonals.
Heftige Kritik am Lehrermangel
Die SPÖ warnt angesichts des Lehrermangels vor einem „Dauer-Provisorium in den Schulklassen“. „Die Pensionsprognosen, dass zwischen 2020 und 2025 besonders viele erfahrene Pädagogen aus dem Beruf ausscheiden, waren allgemein verfügbar. Anstatt frühzeitig zu reagieren, hat die schwarzblaue Landesregierung nur zugewartet. Jetzt gibt es mittlerweile Schulen, in denen die Hälfte des Lehrkörpers aus Studierenden besteht“, so Klubvorsitzender Bildungssprecher Michael Lindner. „Es fehlt in Oberösterreich eine Volluniversität für die Lehrerausbildung in allen Fächern“, fordert er eine solche einmal mehr.
Wie auch die SPÖ kritisieren die NEOS, dass die drohende Pensionierungswelle aus der Babyboomer-Generation nicht beachtet worden sei. „Oberösterreich steckt tief im Lehrkräftemangel und hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, das Bildungssystem auf die bevorstehende Pensionierungswelle vorzubereiten“, so Klubobmann Felix Eypeltauer.


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