Kein gelbes Büchlein mehr: Mutter-Kind-Pass wird reformiert (Update 15 Uhr)
Ö/OÖ. Der Mutter-Kind-Pass wird reformiert. Er wird umbenannt in „Eltern-Kind-Pass“, wird digitalisiert und um neue Leistungen erweitert, wurde am Mittwoch im Ministerrat beschlossen. In der Debatte rund um die Tarife für Ärzte für Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen – unter anderem hat die OÖ. Ärztekammer den Ausstieg angedroht – soll es mehr Geld geben. UPDATE: „Wir sind erstaunt. Wir wissen leider von nichts“, reagiert Thomas Fiedler von der OÖ. Ärztkammer über die Ankündigung der Politik.

Der Mutter-Kind-Pass, der seit 1974 besteht, habe wesentlich dazu beigetragen, die Säuglingssterblichkeit zu reduzieren und das Wohl des Kindes in den Vordergrund zu stellen, so Familienministerin Susanne Raab (ÖVP). Jetzt sei es an der Zeit, den Pass an die modernen Lebensbedingungen anzupassen.
Ausweitung der Leistungen
In den kommenden Jahren werden zusätzliche Leistungen in das Vorsorgeprogramm aufgenommen:
- psychosoziale Beratung zu Beginn der Schwangerschaft
- zweite freiwillige Hebammenberatung vor der Geburt
- zusätzliches Hörscreening für Neugeborene
- Möglichkeit eines zusätzlichen Ultraschalls
- ergänzende Laboruntersuchungen entsprechend der fachlichen Empfehlungen
Elternberatung
Auch das Angebot einer Ernährungs- und Gesundheitsberatung sowie einer Elternberatung werden aufgenommen. In der Elternberatung werden unter anderem Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung, Aufteilung der Elternzeit oder Auswirkungen von Teilzeit auf die Pension besprochen. „Das soll ein Service, ein Kompass sein für Eltern“, so Raab. Besonders beim ersten Kind würden viele Fragen auftauchen. Durchgeführt werden die Elternberatungen von den Familienberatungsstellen.
Pass wird digitalisiert
Der Pass, der künftig „Eltern-Kind-Pass“ heißen wird, wird zum elektronischen Pass. Im nächsten Jahr starten die Arbeiten dafür. Für die Digitalisierung des Eltern-Kind-Passes sind bis 2026 zehn Millionen Euro aus EU-Mitteln vorgesehen. „Der neue Eltern-Kind Pass wird die Sicherheit und Dokumentation deutlich verbessern und vereinfachen“, so der Staatssekretär für Digitalisierung Florian Tursky.
Tarife für Ärzte: „Man wird sich einigen“
Das Jahresbudget für die Leistungen des Mutter-Kind-Passes liegt bisher bei rund 62 Millionen Euro. Zwei Drittel kommen aus Mitteln des Familienlastenausgleichsfonds, ein Drittel von der Sozialversicherung. Die Ausgaben für die zusätzlichen Leistungen sind abhängig von der Inanspruchnahme von Beratungen sowie von Honorarverhandlungen mit den Leistungsträgern. Der Ministerratsbeschluss sieht vor, dass die Sozialversicherung dazu Verhandlungen mit der Ärztekammer führt.
Zur Debatte um höhere Tarife - es habe in den letzten 28 Jahren keine Valorisierung der Honorar gegeben, so die Kritik der Ärztekammer - kündigte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) am Mittwoch an, dass die Tarife erhöht würden. Die Verhandlungen seien aber Sache der Sozialversicherung. Man werde sich aber einigen, so Rauch.
Umsetzung in den kommenden Jahren
Die Umsetzung des Eltern-Kind-Passes ist ein umfassendes, mehrjähriges Projekt und beginnt mit der Digitalisierung ab dem kommenden Jahr. Nach den nötigen Gesetzesänderungen und Verhandlungen mit den jeweiligen Leistungsträgern würden die Leistungen nach und nach erweitert. Ziel sei es, dass die Reform bis Mitte 2026 vollständig umgesetzt sei und rund 90 Prozent der Eltern und Ärzte den Eltern-Kind-Pass auch elektronisch nützen.
UPDATE: OÖ. Ärztekammer erstaunt, „wissen von nichts“
Erstaunt zeigt sich die OÖ. Ärztekammer über diese neuen Entwicklungen beim Mutter-Kind-Pass. „Mit uns hat keiner über diese von der Politik medienwirksam angekündigten Änderungen gesprochen“, reagiert Thomas Fiedler, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der OÖ. Ärztekammer sowie Fachgruppenvertreter für Frauenheilkunde und Geburtenhilfe in OÖ und Bundes-Fachgruppenobmann. „Wir wissen leider von nichts.“
Weder ein erweiterter Leistungskatalog noch die geplante neue Form sei mit der Ärzteschaft diskutiert und abgestimmt, sieht er nicht bis zum Ende durchdachte Schnellschüssen. „Der Mutter-Kind-Pass ist zu wichtig, dass er zu einem Politikum werden darf“, so Fiedler. „Der Mutter-Kind-Pass ist und bleibt ein ganz wichtiges medizinisches Dokument, das auch fachlich gewartet werden muss.“
Die in der Österreichischen Ärztekammer verankerte Expertenkommission aus Vertretern der betreffenden Fachgruppen und der Wissenschaft sei nicht in die neuesten Entwicklungen eingebunden. „Seitens der Ärztekammer hat es vermehrt Versuche gegeben, über eine Valorisierung und Verbesserung mit den zuständigen Stellen zu beraten“, so Fiedler. „Die heutigen überraschenden Ankündigungen der Politik haben aber gezeigt: Diese Gesprächsbereitschaft scheint sehr einseitig zu sein.“


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