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Vom Krisen- in den Zukunftsmodus: Industriellenvereinigung zeigt sich zuversichtlich

Tips LogoKarin Seyringer, 18.01.2023 17:26

OÖ/LINZ. Die Zuversicht in der oberösterreichischen Industrie für 2023 nimmt wieder zu. Aber es brauche steuerliche Anreize, um den Arbeitskräftemangel abzufedern, fordert Stefan Pierer, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) OÖ. In der Energiepolitik brauche es „seriöse Beiträge zur Problemlösung und keine Showpolitik“, ist für IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch klar.

IV OÖ-Präsident Stefan Pierer (Foto: IV OÖ/Wolfgang Simlinger)
  1 / 2   IV OÖ-Präsident Stefan Pierer (Foto: IV OÖ/Wolfgang Simlinger)

Positiv sei, dass die sehr pessimistischen Einschätzungen infolge der Energiekrise im Sommer bzw. Herbst nicht in diesem Ausmaß Realität wurden. Das Umfeld bleibe aber auch 2023 sehr herausfordernd, sehr schwer einzuschätzen, die Planbarkeit sei so gering wie nie. „Die OÖ. Industrie wird das tun, was sie am besten kann – die Strukturen an neue Rahmenbedingungen agil und flexibel anpassen und die vorhandenen Chancen auf globalen Märkten nutzen“, betont Stefan Pierer, Präsident der IV OÖ.

Noch offen sei, wie sich Energiepreise, Inflation und Zinsen weiter entwickeln werden und damit, wie stark das globale Wachstum eingebremst werde. „Die Zuversicht, dass 2023 ein Durchschnittsjahr werden könnte und keine tiefe Rezession folgt, ist deutlich gestiegen, die Anspannung bleibt jedoch hoch“, so Pierer.

Arbeitskräftemangel: „Keine rasche Lösung enttäuschend“

Zentrales Problem bleibe der Arbeitskräftemangel. Pierer verwies dabei auf das IV-Paket „Leistung muss sich (wieder) lohnen“, mit zehn steuerpolitischen Anreizen. „Es ist enttäuschend, dass die Regierungsklausur der Bundesregierung keine rasche Lösung für eine Attraktivierung von Arbeit im Regelpensionsalter sowie der Überstundenbesteuerung gebracht hat. Die Argumente der Bedenkenträger sind völlig aus der Zeit gefallen. Weder nehmen Alte den Jungen Jobs weg, noch führen mehr Überstunden zu mehr Arbeitslosigkeit. Es gibt österreichweit aktuell 220.000 offene Stellen, in den nächsten zwölf Jahren werden österreichweit rund 540.000 Fach- und Arbeitskräfte fehlen. Der Standort Österreich braucht in allen Bereichen – vom Gesundheitssystem über die Pädagogik bis zu Industrie und Dienstleistung – Arbeitskräfte, heute und aufgrund der Demografie auch langfristig“, bekräftigt Pierer. Für ihn wären von der IV vorgeschlagene Maßnahmen rasch umsetzbar.

Masterplan Spitzenregion OÖ 2030

Auf Landesebene müsse Oberösterreich mit 2023 wieder auf den ‚Masterplan Spitzenregion 2030‘ einschwenken. Krisenzeiten würden auch enorme Chancen für einen starken Industriestandort wie Oberösterreich bieten, ist die IV überzeugt.

Für die IV OÖ sind zehn Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes OÖ in der laufenden Legislaturperiode nötig, darunter die Umsetzung der digitalen Plattform für die Abwicklung von Anlagengenehmigungsverfahren, ein Pakt für Arbeit und Qualifizierung NEU und Attraktivierungen im Schulbereich und der MINT-Ausbildung.

Energiepolitik: „Seriöse Beiträge und keine Showpolitik“

„Das Jahr 2022 war für manche ein unerwarteter Crashkurs in Sachen Energiekompetenz“, betont Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ. „Die Energiepolitik von Deutschland und Österreich war in den letzten Jahrzehnten viel zu ideologiegetrieben und jenseits der naturwissenschaftlich-technischen und ökonomischen Realitäten“, kritisiert er.

„Die Zeiten von naiv vereinfachten politischen Botschaften nach dem Motto ‚Die Sonne schickt keine Rechnung‘ sind nun endgültig vorbei. Die Industrie braucht eine verlässliche, grundlastfähige Stromversorgung. Es braucht seriöse Beiträge zur Problemlösung und keine Showpolitik“, so Haindl-Grutsch. Als Beispiel nennt er ein Windrad: „Ein einziges 5 MW-Windrad benötigt beispielsweise ca. 2.000 Tonnen Beton, 750 Tonnen Stahl sowie enorme Mengen an Kupfer und seltenen Erden.“ Solche begrenzten Ressourcen müssten dort eingesetzt werden, wo sie die größten Strommengen erzeugen, den größten Hebel zur Einsparung von CO₂-Emissionen generieren könnten.

Generell sei die grüne Transformation so umzusetzen, dass sie zur Chance für heimische Betriebe werde. „Die grüne Transformation muss europäische Wertschöpfung generieren und darf nicht zur Deindustrialisierung unseres Kontinents führen. Nur unter fairen Wettbewerbsbedingungen kann die Industrie in Oberösterreich weiter erfolgreich produzieren“, betont Haindl-Grutsch.

 

 


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