Debatte um Fahrtauglichkeitsprüfung: Seniorenbund sieht Altersdiskriminierung
OÖ. Tragische Verkehrsunfälle, in denen Senioren verwickelt sind, führen auch immer zu Debatten über die Fahrtauglichkeit älterer Verkehrsteilnehmer. Auch einen Vorschlag der EU-Kommission gibt es nun, wonach ältere Menschen ihre Fahrtauglichkeit regelmäßig überprüfen lassen müssten, um den Führerschein zu behalten. Für den OÖ Seniorenbund Altersdiskriminierung.

Die EU-Kommission plant eine Führerscheinreform, die unter anderem vorsieht, dass Personen ab 70 Jahren zu regelmäßigen Fahrtauglichkeitsprüfungen verpflichtet werden sollen. „Der Vorschlag der Kommission wird jetzt im Parlament und auch im Rat diskutiert. Bis 31. Mai kann jeder EU-Bürger auf der Webseite der Kommission noch Rückmeldungen dazu einreichen, welche dann in die Verhandlungen mit einfließen. Wir werden uns im Parlament dafür einsetzen, hier noch einige Verbesserungen zu erzielen“, erklärt die ÖVP-Delegationsleiterin im Europaparlament, Angelika Winzig.
Klares Nein vom OÖ Seniorenbund
Vom OÖ Seniorenbund kommt zu dem Vorschlag ein klares Nein: „Die Pläne der EU-Kommission sind eine klare Altersdiskriminierung und wir lehnen das strikt ab“, so Seniorenbund-Landesobmann LH a.D. Josef Pühringer.
Auch für Winzig sei die Reglementierung der über 70-Jährigen nicht nachvollziehbar und fordert Nachschärfungen beim Kommissions-Vorschlag. „Das Ziel der EU-Kommission, den Straßenverkehr sicherer zu machen und bis 2030 die Anzahl der Toten und Schwerverletzten um 50 Prozent zu reduzieren, ist ein gutes. Allerdings werden bei dem aktuellen Vorschlag die Senioren überproportional stark eingeschränkt. Senioren sind nicht vorwiegend für die Unfälle auf unseren Straßen verantwortlich.“
Der OÖ Seniorenbund werde auch eine Stellungnahme zum Vorschlag der EU-Kommission abgeben und seine Position darlegen.
Mobilität bedeute Selbstbestimmung
Mobilität bedeute Lebensqualität, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Eine besondere Rolle spiele dabei das Auto, vor allem in ländlichen Regionen. „Und Fahrtauglichkeit lässt sich nicht an einem bestimmten Alter festmachen, sondern hängt vom allgemeinen Gesundheitszustand, der Fahrpraxis und der geistigen Fitness ab“, so Pühringer. Sollte es Auffälligkeiten geben, müsse dem natürlich nachgegangen werden – hier seien neben den Senioren selbst auch Angehörige, Freunde und Ärzte gefragt, auf mögliche Defizite aufmerksam zu machen.
Angebote des Seniorenbundes
Der Seniorenbund bietet zum Thema Sicherheit im Straßenverkehr auch Angebote, darunter spezielle Fahrtrainings beim ÖAMTC. „Wir wissen um die Sensibilität des Themas Senioren im Straßenverkehr und gehen dieses daher bewusst und offensiv an, indem wir auf Information, Prävention und Service setzen“, so Pühringer.
Seniorenbund Landesgeschäftsführer Franz Ebner wünscht sich, dass freiwillige Fahrsicherheitstrainings für Senioren gefördert werden, wie es etwa bei E-Bike-Trainings in OÖ gemacht wird. Darüber hinaus könnte sich der OÖ Seniorenbund auch ein Bonussystem, zum Beispiel bei der Autoversicherung vorstellen, wenn jemand die Fahrtauglichkeit freiwillig überprüfen lässt.


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