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OÖ. Die Wirtschaftskammer OÖ und die Industriellenvereinigung (IV) OÖ legen gemeinsam Vorschläge vor, wie die Rot-Weiß-Rot-Karte weiter optimiert werden kann, um den Zuzug von Fachkräften zu vereinfachen.

WKO-Präsidentin Doris Hummer und IV OÖ-Präsident Stefan Pierer (Foto: Max Mayrhofer)
WKO-Präsidentin Doris Hummer und IV OÖ-Präsident Stefan Pierer (Foto: Max Mayrhofer)

Die im Juli 2022 beschlossene Reform der Rot-Weiß-Rot-Karten habe viele Verbesserungen gebracht, so Wirtschaftskammer OÖ-Präsidentin Doris Hummer und IV OÖ-Präsident Stefan Pierer. Dennoch müsse der Zuzug von Fachkräften weiter entbürokratisiert werden, Hummer fordert weitere praxisnahe Anpassungen.

Praxisnahe Weiterentwicklung

Im Austausch mit Leitbetrieben aller Branchen zeige sich, dass die Rahmenbedingungen durch einige Punkte weiterentwickelt werden müssten:

  • die Sicherstellung einer praxisnahen und einheitlichen Anerkennung von ausländischen Qualifikationen und Berufserfahrungen
  • die Einführung eines „Jobsucher-Visums“ für alle Berufsfelder
  • die Bindung internationaler Studierender durch die Ermöglichung von Vollzeitarbeit in studienfreie (Ferien)Zeiten
  • die Attraktivierung der Zuzugskriterien für internationale Fachkräfte über 40 Jahren sowie
  • die Schaffung einer Möglichkeit für eine duale Ausbildung im Rahmen einer Rot-Weiss-Rot-Karte für über 18-jährige

„Ziehen wir gemeinsam weiterhin alle Register, um unseren Wirtschaftsstandort Oberösterreich wettbewerbsfähig zu halten und damit unser Sozialsystem und unseren Wohlstand zu sichern“, fordert Doris Hummer in einem Schulterschluss mit der Industriellenvereinigung Oberösterreich.

Blitzumfrage zeigt mögliche Nachbesserungen

IV-Präsident Stefan Pierer: „Vor allem die Klarheit bei Mindestgehaltsanforderungen sowie die Möglichkeit zur gleichzeitigen Beantragung für Angehörige haben zu merklichen Verbesserungen geführt. Zudem sind sowohl das Arbeitsmarktservice als auch die zuständigen Behörden äußerst kompetent in der Abwicklung. Der bürokratische Aufwand ist aber nach wie vor zu hoch.“

Eine Blitzumfrage der IV OÖ zeige, dass weitere Nachbesserungen möglich sind. „Erfreulicherweise konnten bereits zwei Drittel der befragten Unternehmen Mitarbeiter mittels Rot-Weiß-Rot Karte gewinnen“, so Pierer.

Das größte Potenzial laut Umfrage:

  • Der gesamte Prozess zur Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung muss vollständig digitalisiert werden, die Beantragung auch online möglich sein.
  • Formulare in englischer Sprache
  • Arbeitserlaubnis ab Erledigung: Wird eine RWR-Karte bewilligt, hat eine Fachkraft noch keine Arbeitserlaubnis. Diese gilt momentan erst ab Erhalt der gedruckten Karte.
  • Ortsunabhängige Antragstellung: Die Beantragung der RWR-Karte soll unabhängig vom Aufenthaltsort oder zukünftigen Wohn- bzw. Arbeitsortes des Antragstellers bei einer zuständigen Stelle in Österreich möglich sein.
  • Mangelberufsliste erweitern
  • Eigene Anlaufstelle für RWR-Karte schaffen
  • Einbindung des AMS Regionalbeirates streichen: Die Einbindung des AMS Regionalbeirates bei jedem Antrag auf eine RWR-Karte ziehe den Prozess unnötig in die Länge.
  • Bezahlung per Rechnung: Aktuell kann die Gebühr zur Ausstellung einer RWR-Karte nur vor Ort bei der Behörde beglichen werden.

Pierer: „Qualifizierter Zuzug ist für das Industrieland Oberösterreich angesichts des enormen Bedarfs an Arbeitskräften enorm wichtig. Die bürokratischen Hürden müssen dazu möglichst niedrig sein.“

GRÜNE: „Auch jenen das Bleiben ermöglichen, die bereits hier arbeiten“

Die GRÜNEN OÖ sehen im Papier von WKO und IV positive Ansätze, fordern aber, dass es nicht nur um Zuzug, sondern auch um Arbeitskräfte gehe, die schon im Land arbeiten. „Nur wenn wir ihnen das Bleiben ermöglichen, wird die Rot-Weiß-Rot-Karte zu einem noch wirksameren Hebel, um dem massiven Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Und nur dann werden unverständliche Abschiebungen wie zuletzt in Haslach verhindert“, so Klubobmann Severin Mayr.

Ein gemeinsamer Antrag von GRÜNEN und NEOS fordert eine derart gestaltete Reform ein und wird derzeit mit den anderen Fraktionen beraten. Integrationssprecherin Ines Vukajlović: „Die Forderung nach praxisnahen Anpassungen geht in die richtige Richtung“, appelliert sie an Schwarz-Blau, eine gemeinsame Lösung nicht zu verhindern.


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