Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

OÖ/LINZ. Das Ergebnis einer Studie zu Moscheeunterricht in Oberösterreich zeigt Handlungsbedarf, so Integrations-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP). Es brauche unter anderem ein zentrales Ausbildungsformat für Lehrende und deutschsprachiges Unterrichtsmaterial mit Österreich-Bezug. Insgesamt 65 islamische Moscheegemeinden gibt es in Oberösterreich, davon erteilen 18 Moscheeunterricht. 

Symbolfoto (Foto: Saida Shigapova/stock.adobe.com)
Symbolfoto (Foto: Saida Shigapova/stock.adobe.com)

Im Moscheeunterricht lernen Kinder und Jugendlichen das mündliche Vortragen des Korans in arabischer Sprache. Der Islamunterricht in der Moschee wird, im Gegensatz zum islamischen Religionsunterricht in der Schule, meist nur in der Herkunftssprache erteilt.

„Religionsfreiheit und der Respekt vor anderen Religionen sind ein hohes Gut. Problematisch wird es, wenn Gegenentwürfe zur österreichischen Lebensrealität gezeichnet werden. Deshalb brauchen wir auch beim Moscheeunterricht einen Einblick und müssen wissen, welche Inhalte vermittelt werden. Mit der Studie zu Koranschulen und Moscheeunterricht in Oberösterreich liegt dazu nun erstmals umfassendes Datenmaterial vor und zeigt Handlungsbedarf: Bei der Genehmigung von Unterrichtsmaterialien, der Ausbildung und Qualifikation von Lehrenden und inwiefern Religion im digitalen Raum stattfindet“, fasst Integrations-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer zusammen, der der Islamischen Religionsgemeinde Oberösterreich für die gute Zusammenarbeit dankt.

Studie mit 15 Moscheegemeinden

Im Herbst 2019 wurde die Studie über Koranschulen und Moscheeunterricht in Oberösterreich in Auftrag gegeben, um erstmals einen umfassenden Einblick zu bekommn. Durchgeführt wurde sie von einer Projektgruppe aus Privater Pädagogischer Hochschule der Diözese Linz (PHDL), der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) sowie des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Beforscht wurden bis 2022 15 Moscheegemeinden im gesamten Bundesland, an denen für insgesamt 1.405 Kinder und Jugendliche ein spezieller Unterricht organisiert wurde. Analysiert wurden 36 Unterrichts-Materialien, in der Regel in der Sprache der Herkunftsländer verfasst.

Reformbedarf

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Unterricht „ethnisch einseitig“ ist und ein „Einblick von außen auf den Aufbau des Moscheeunterrichts schwierig“ ist. Es gebe Reformbedarf.

Ableitungen aus der Studie, die das Land Oberösterreich und die Islamische Religionsgemeinde OÖ uner anderem gemeinsam umsetzen wollen, ist die Qualifikation und Fortbildung der Lehrenden, darunter Deutschkurse. Bislang gibt es keine einheitliche Ausbildung für Unterrichtende an oö. Moscheeschulen.

Das Unterrichtsmaterial soll kritisch gesichtet werden auf die Themen Lebensbezug, Befähigung zur Mündigkeit, Stärkung von interreligiösen Kompetenzen und der Schaffung eines stärkeren Österreichbezugs. Vor allem soll auch deutschsprachiges Unterrichtsmaterial herausgegeben werden.

Parallelgesellschaften aufbrechen

Zudem sollen auch Maßnahmen gesetzt werden gegen Parallelwelten, den nur ohne solche könne Integration gelingen. Für soziale Netzwerke soll es geprüfte religiöse Inhalte geben. „Das Internet hat sich in manchen Bereichen zu einem Nährboden für Parallelwelten und religiöse Missinterpretationen entwickelt. Dem müssen wir entgegenwirken“, so Hattmannsdorfer.

Die offizielle Vertretung der oberösterreichischen Moscheegemeinden, die Islamische Religionsgemeinde OÖ (IGGÖ OÖ), war ebenfalls von der Notwendigkeit der Studie überzeugt und wurde laufend miteingebunden. Laut Binur Mustafi, Bildungsreferent und Vorsitzender der IGGÖ OÖ sei die Studie ein wichtiger Schritt zur Optimierung des Lehrangebots für die Moscheegemeinden.

FPÖ: Studie „erster Schritt“

„Wir sehen die Studie als ersten Schritt, da vor allem in inhaltlicher Hinsicht noch viele Fragen offen sind. Die bekannten Unterrichtsmaterialien stehen teils im Widerspruch zu Integration und Toleranz und somit entgegen unserem österreichischen Wertegerüst“, kommentiert FPÖ-Landesparteisekretär Michael Gruber die Studie.

Für die Linzer Vizebürgermeisterin Tina Blöchl gilt es, die Empfehlungen aus der Studie rasch umzusetzen. „Aufgrund der Studienergebnisse sehe ich als Integrationsreferentin Bedarf, den Moscheeunterricht an die aktuelle Lebensrealität von jungen Menschen anzupassen und dort bewusst ein gesamtgesellschaftliches Miteinander zu fördern. Ziel muss sein, durch die Förderung von interreligiösem Verständnis Identifikationskonflikten vorzubeugen und damit Parallelgesellschaften entgegenzuwirken“, so Blöchl.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden