Oberösterreich im Industrieregionen-Ranking: Gut bei Innovation, schlecht bei der Schulbildung
OÖ. In einem aktuellen Vergleichsranking von Industrieregionen in der EU ist Oberösterreich erstmals unter den Top 20. Luft nach oben gibt es bei Finanzen, Bildung und Arbeitsmarkt oder Forschung und Entwicklung. Die größte Herausforderung sei eine gesamteuropäische, meint die Industriellenvereinigung und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner: die Abwanderung von Unternehmen aus Europa zu verhindern.

Der „Regional Competitiveness Index (RCI)“ bewertet die Wettbewerbsfähigkeit in der EU auf Ebene der NUTS-2 Regionen. In der aktuellen Ausgabe von 2022 liegt Oberösterreich erstmals unter den Top 50. Insgesamt wurden 234 Regionen erfasst und bewertet.
Vergleich von Industrieregionen
Die Regionen sind in punkto Wirtschaftsstruktur und Bevölkerungsdichte sehr unterschiedlich. Die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) sieht den Index deshalb als zu wenig aussagekräftig an, und veröffentlicht seit 2013 ein Ranking von mit Oberösterreich vergleichbaren Industrieregionen. Als Industrieregion gelten jene im RCI berücksichtigten Regionen, die eine Industriequote von mindestens 19,5 Prozent der regionalen Bruttowertschöpfung aufweisen, ein Bruttoregionalprodukt von mindestens 75 Prozent des EU-Durchschnitts sowie eine Bevölkerungsdichte von maximal 500 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Oberösterreich im Industriestandortranking auf Platz 19
„Allein durch Anwendung dieser drei Kriterien entsteht ein europäisches Industrieregionen-Ranking, welches eine echte Vergleichbarkeit mit dem Industriestandort Oberösterreich ermöglicht“, so Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ. Nach Anwendung dieses „Filters“ verbleiben 76 Regionen. Hier liegt Oberösterreich auf Platz 19, gemeinsam mit den Regionen Schwaben in Deutschland und Syddanmark in Dänemark. Im Vergleich zum letzten Ranking ist OÖ damit um 15 Plätze aufgestiegen, „6 der 15 Plätze macht Oberösterreich dabei durch den Brexit gut.“, so Haindl-Grutsch.
Stark bei Innovation, schlecht bei Schulbildung
Das Ranking ist noch weiter in 3 Subindizes und 11 Säulen aufgeschlüsselt. Die Stärke Oberösterreichs liegt im RCI klar im Bereich Innovation. Hier ist man vor allem im Bereich „Business Sophistication“ vorne mit dabei. Ein deutlicher Abfall wird im Bereich Schulbildung im „Basic Index“ sichtbar. Hier wurden die Indikatoren verändert, während der frühere Fokus auf Weiterbildung und Sprachkenntnissen lag, sind nun Grundkompetenzen von Schülern entscheidend. „Österreichs sehr durchschnittliche Ergebnisse in der PISA-Studie wirken sich massiv negativ auf das Ranking im RCI aus“, meint Haindl-Grutsch.
Wirtschaftsstandort Europa: Drohende Abwanderung
Der Trend stimme, die Standortpolitik trage Früchte, so Haindl-Grutsch. Die größte Herausforderung liege in der Erhaltung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit mit den USA und China. Auch IV OÖ-Präsident Stefan Pierer sieht den Wirtschaftsstandort Europa massiv bedroht, die Industrie wandere bereits ab. Scharfe Kritik übt er an der EU, etwa am neuen KI-Gesetz, hier werde eine große Chance sofort reguliert.
„Überregulierung“
Auch der Industriestandort Oberösterreich sei „überreguliert“, als weitere Schwächen nennt er das Schulwesen, die (mangelnde) Fachkräfteverfügbarkeit und die nationalen öffentlichen Finanzen. „Die größten Stärken liegen in der Innovationskraft der Wirtschaft, einer hohen Forschungsquote der Leitbetriebe, die mit einer Vielzahl an innovativen Klein- und mittelständischen Unternehmen kooperieren. Dazu kommt die weltweit einzigartige Qualität der dualen Ausbildung, einer hohen Qualifizierungsbeteiligung von Erwachsenen und eine hohe Arbeitsproduktivität.“, so Pierer.
Auch Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner teilt diese Ansicht: „Während die USA – mit milliardenschwerer Unterstützung des Staates – eine Renaissance der industriellen Produktion erlebt, werden in Europa die Rahmenbedingungen immer enger gesetzt, was letztlich zu einer Deindustrialisierung unseres Kontinents führen könnte. Hier gilt es auch für die Bundesregierung in Brüssel entsprechend aufzutreten und dabei auch Verbündete bei den anderen Industrieregionen zu suchen.“, so der Wirtschaftslandesrat.
Digital-Uni: Lehre, Forschung und Unternehmertum als Säulen
Auch im Rahmen der Standortpolitik in Oberösterreich müsse man die nötigen Schritte setzten: „Das gilt insbesondere für die aktuellen Transformationsprozesse in den Bereichen Digitalisierung, Energie und Mobilität.“, sagt Achleitner. Ein Wesentliches Element sei auch die schnelle Übermittlung von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft. So werde auch die Digital-Uni auf den Säulen Lehre, Forschung und Unternehmertum aufgebaut sein. Ausgründungen und Spin-Offs sollen beim Institute of Digital Sciences Austria (IDSA) eine zentrale Rolle spielen. Des weiteren brauche es eine Senkung der Kosten auf Arbeit, mehr qualifizierten Zuzug und Investitionsförderungen auf allen Ebenen zur Absicherung der Produktion.


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