Industriellenvereinigung OÖ: Konjunkturelle Abkühlung setzt sich fort
OÖ/LINZ. Die geopolitischen Entwicklungen und Zinserhöhungen dämpfen das Wachstum, das wirtschaftliche Umfeld bleibt herausfordernd, der wirtschaftliche Ausblick ist deutlich vorsichtiger, gravierende Auswirkungen auf Arbeitsmarkt seien aber nicht zu erwarten: Das ergibt der Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV) OÖ über das zweite Quartal 2023. Einmal mehr werden politische Maßnahmen zur Standortstärkung gefordert.

Der Trend der rückläufigen aktuellen Geschäftslage von einer Hochkonjunktur kommend setzt sich in der oberösterreichischen Industrie fort. „Verlangsamung, Verunsicherung und Vorsicht dominieren die aktuelle Konjunkturumfrage. Deutlich pessimistischer ist daher auch die Einschätzung der Entwicklung in den kommenden Monaten“, erläutert IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.
103 teilnehmende Firmen mit insgesamt 117.000 Mitarbeitern nahmen an der IV OÖ-Konjunkturumfrage teil. Der Konjunkturbarometer liegt aktuell bei minus 4,5 Punkten und damit wieder im negativen Terrain. „Die OÖ. Industrie kann sich nicht von den negativen Entwicklungen abkoppeln, angesichts stark gestiegener Zinsen, schwächelnder wichtiger Exportmärkte und hohem Kostendruck bei Energie und Arbeit hätte das Umfeld allerdings auch das Potenzial für eine weitere konjunkturelle Großkrise gehabt“, analysiert Haindl-Grutsch.
Negative Einschätzung seit acht Quartalen
Im Detail, gewichtet nach Mitarbeiterzahlen, melden 25 Prozent der Unternehmen zurzeit eine gute bzw. steigende Geschäftslage, 63 Prozent eine gleichbleibende und zwölf Prozent eine schlechter werdende Geschäftslage. Der Saldo aus Positiv- und Negativwert ist somit von zuvor Plus 26 auf nunmehr Plus 13 Punkte weiter gesunken. Damit setzt sich der Abwärtstrend in der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage ausgehend von den Spitzenwerten im Sommer 2021 seit acht Quartalen fort.
Nach deutlichen Rückgängen im ersten Quartal ist bei Auftragsbestand und Auslandsaufträgen hingegen Stabilität zu verzeichnen.
Vorsichtige Einschätzung in kommenden Monaten
Wieder deutlich vorsichtiger werden die Entwicklungen in den kommenden Monaten eingeschätzt, die in die Zukunft gerichteten Indikatoren stürzen wieder ab. „Der Pessimismus über die Entwicklung der Wirtschaft in den kommenden Monaten, der mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine das letzte Jahr dominiert hat, ist aufgrund der komplexen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wieder aufgeflammt“, so Haindl-Grutsch. „Die Unsicherheit hat wieder zugenommen.“
Keine gröberen Auswirkungen auf Arbeitsmarkt
„Gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind aber nicht zu erwarten.“ Mehr als 70 Prozent der Unternehmen gehen trotz pessimistischerer Zukunftsaussichten von gleichbleibenden Mitarbeiterzahlen aus, elf Prozent erwarten einen ansteigenden und 18 Prozent einen sinkenden Beschäftigungsstand.
Aktuelle Herausforderungen
Auf Platz eins der Herausforderungen für die OÖ. Industrie liegt laut IV OÖ (laut Befragung unter OÖ Spitzenmanagern) weiterhin mit deutlichem Abstand der Arbeitskräftemangel. Mit deutlichem Abstand folgt „Inflation und Zinsen“, „Energiekosten, Umwelt- und Klimaschutz“, „Verwaltungsaufwand und Behördenverfahren“ sowie volatiles internationales Umfeld. Der Problemdruck bei der Verfügbarkeit von Energie, Rohstoffen und Vorprodukten hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich entspannt. Positiv ist, dass 60 Prozent der Befragten überzeugt sind, dass Oberösterreich als Wirtschaftsstandort im Vergleich zu den anderen Bundesländern besser dasteht.
Forderungen an Politik
Die IV OÖ sieht die Bundes- und Landespolitik gefordert, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Oberösterreich weiter zu verbessern. In erster Linie Entlastung bei den Arbeitskosten und steuerliche Anreize am Arbeitsmarkt, die Unterstützung bei der grünen Transformation der Industrie und die Sicherstellung der Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen sei nötig.


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