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Industrie im Dialog: Industriellenvereinigung warnt vor Deindustrialisierung Oberösterreichs

Tips LogoKarin Seyringer, 16.10.2023 18:40

OÖ/LINZ. Oberösterreichs Industriebetriebe sind besonders energieintensiv und damit stärker von den Energiepreisen betroffen als andere. Im Rahmen von „Industrie im Dialog“ im Haus der Industrie in Linz diskutierte eine hochkarätige Runde an Vertretern der Branche über den Status-quo und mögliche Maßnahmen einer wettbewerbsfähigen Energiepolitik.

Industrie im Dialog, v. l.: Moderatorin Birgit Brunsteiner, IV OÖ-Vizepräsident Thomas Bründl, EcoAustria Direktorin Monika Köppl-Turyna, Martin Zahlbruckner, CEO delfortgroup AG und IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch (Foto: IV OÖ/Pelzl)

Aktuelle Krisen, Kriege und gestiegene Energiepreise haben erhebliche Auswirkungen auf das Industriegeprägte Bundesland Oberösterreich. 

  • Oberösterreichs Industrie macht etwa 31 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs des Landes aus.
  • Gas und elektrischer Strom sind die wichtigsten Energiequellen für die Industrie in Oberösterreich, mit einem Anteil von 37 Prozent bzw. 31 Prozent.
  • Der Gesamtenergieverbrauch der Industrie in Oberösterreich entspricht etwa einem Drittel des gesamten produzierenden Bereichs in Österreich.
  • Zu den energieintensivsten Branchen in Oberösterreich zählen die Metallerzeugung und -bearbeitung, die Papierindustrie, die Herstellung von chemischen Erzeugnissen sowie die Herstellung von Glas, Keramik und Zement.
  • Die energieintensive Industrie in Oberösterreich beschäftigt direkt rund 36.800 Personen und sichert insgesamt 117.500 Beschäftigungsverhältnisse in ganz Österreich, davon 66.000 in Oberösterreich.

Hohe Energiekosten zwingen zu Investitionen im Ausland

Im Rahmen einer „Industrie im Dialog“-Veranstaltung im Haus der Industrie in Linz diskutierten dazu Thomas Bründl, CEO starlim-sterner-Gruppe und Vizepräsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ), Martin Zahlbruckner, CEO delfortgroup AG, IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch und Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria.

Eine Studie von EcoAustria im Auftrag der IV-OÖ kommt zu dem Ergebnis, dass aufgrund erhöhter Energiekosten mittelfristig mit um zwölf Prozent niedrigeren Investitionen und einem um 2,3 Prozent niedrigeren Bruttoregionalprodukt zu rechnen ist.

Nicht nur im Vergleich zum Mitbewerb in den USA oder Asien verliere Österreich an Wettbewerbsfähigkeit, auch innerhalb Europas würden Österreichs Strompreise trotz des hohen Anteils an erneuerbarer Energie am Strommix zu den höchsten gehören. „Die Märkte erwarten auch über die kommenden zehn Jahre massive Kostennachteile“, kann Köppl-Turyna auch keinen optimistischen Ausblick geben.

Ausbau in Oberösterreich fraglich

„Unser Mitbewerber in europäischen Ländern wie Spanien und Frankreich verfügen über deutlich niedrigere Industriestrompreise. In Skandinavien liegen die Energiekosten bei rund ein Drittel von jenen in Österreich“, betont Martin Zahlbrucker. „Unsere Kunden akzeptieren höhere Preise aufgrund steigender Kosten nicht mehr und zwingen uns so, in Amerika und Asien zu expandieren. Unsere Burgen in Oberösterreich geben wir nicht auf, aber es stellt sich die Frage, ob wir sie noch weiter ausbauen“, fasst IV OÖ-Vizepräsident Thomas Bründl zusammen. „Es wird dort investiert, wo die Energiekosten niedriger sind und Planungssicherheit gegeben ist.“

Auch Joachim Haindl-Grutsch betont, dass die schleichende Verlagerung von industrieller Wertschöpfung bereits im Gange sei. Dabei sind Oberösterreichs Industriebetriebe Vorreiter in Sachen Effizienz, wie die Daten der aktuellen Studie zeigt: Während der Energieverbrauch in Oberösterreich zwischen 2000 und 2021 um 18,3 Prozent gestiegen ist, konnte das Bruttoregionalprodukt um 37 Prozent gesteigert werden. Die CO₂-Emissionen sind mit rund 22 Millionen Tonnen auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2000 und damit vom wirtschaftlichen Wachstum entkoppelt.

Forderung: „Energiepolitik statt Verbotspolitik“

„Die österreichische Energiepolitik der letzten Jahrzehnte war von Verboten und Verhinderungen geprägt“, betont Haindl-Grutsch. „Das fällt uns jetzt bei den Energiepreisen auf den Kopf.“ Um den auf höhere Energiekosten zurückzuführenden Verlust an globaler Wettbewerbsfähigkeit auszugleichen, fordern die Studienautoren eine umfassende Strategie.

Mögliche Maßnahmen:

  • eine Entkopplung von Strom- und Gaspreisen
  • eine Anpassung der Strompreiszonen in Europa
  • geringere Steuern und Abgaben
  • verstärkte Förderung der Technologieumstellung im Zuge der Grünen Transformation.

„Europa muss seine komparativen Vorteile der unterschiedlichen Standorte in der Energieversorgung stärker nutzen, statt regionale Symbolpolitik zu betreiben“, fordert Köppl-Turyna.

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich zudem einig, dass Kostenentlastungen, Planungssicherheit, Technologieoffenheit und schnellere Genehmigungsverfahren sowie auch ein neues energiepolitisches Bewusstsein in der Bevölkerung (anstelle einer „not in my backyard“-Einstellung) notwendig seien, um den Standort Oberösterreich wettbewerbs- und zukunftsfähig zu halten.


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