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Umgesetzte Maßnahmen, Personal bleibt jedoch immer noch ein Thema: Bilanz nach einem Jahr "Kinderland Nr. 1"

Tips LogoMarlis Schlatte, 13.12.2023 14:47

OÖ/ST. FLORIAN. Vor genau einem Jahr wurde der Kinderland-Pakt beschlossen, welcher Maßnahmen für die Ausweitung und Entwicklung der Kinderbildung und -betreuung in Oberösterreich beinhaltete. Bildungslandesrätin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander gab nun einen Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate und einen Ausblick, was als nächstes umgesetzt werden soll. Kritik kam indes von den Grünen und der Arbeiterkammer OÖ, welche vor allem den weiterhin herrschenden Personalmangel betrifft.

Martin Hajart Obmann des OÖ Familienbundes, LH-Stellvertreterin Christine Haberlander, Bürgermeister der Marktgemeinde St. Florian Bernd Schützeneder (Foto: Land OÖ/ Denise Stinglmayr)

Der Pakt zum „Kinderland Nr. 1“ wurde am 14. Dezember 2022 unterzeichnet. „Vor einem Jahr haben wir uns dieses ehrgeizige Ziel gesetzt und vor einem Jahr haben wir den ersten Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel gemacht. Ein Schritt, dem seither viele weitere gefolgt sind. Wir machen damit eines ganz deutlich: In Oberösterreich investieren wir dort, wo sich die Zukunft unseres Landes entscheidet: Bei unseren Jüngsten“, so Bildungslandesrätin Christine Haberlander, die auf die Maßnahmen hinweist, die seitdem in Oberösterreich umgesetzt wurden: unter anderem mehr Gehalt für Pädagogen und pädagogische Assistenzkräfte, mehr Zeit für Leitungsaufgaben, Ausweitung der Öffnungszeiten und die schrittweise Reduzierung der Gruppengrößen.

2023 seien bereits mehr als 277 Millionen Euro in den Bereich der Kinderbildung und -betreuung investiert worden. Nächstes Jahr sollen noch einmal 71 Millionen Euro mehr, also insgesamt 348 Millionen Euro, zur Verfügung stehen.

Gemeindeübergreifende Betreuungseinrichtungen

Derzeit gibt es in Oberösterreich 406 Krabbelstuben, 741 Kindergärten und 177 Horte. 11.000 Mitarbeiter sind im Kinderbildungs- und -betreuungsbereich tätig. Insgesamt 67.265 Kinder besuchten im Arbeitsjahr 2022/23 eine der 1.324 Kinderbildungseinrichtungen.

Weitere Plätze für rund 1.500 Kinder in mehr als 100 Gruppen sollen nun neu geschaffen werden, so die Landesrätin. Ebenfalls lobt Haberlander kooperationsübergreifende Gemeindeprojekte, welche sich als Lösung anbieten, wenn kleinere Gemeinden keine eigenen Betreuungseinrichtungen umsetzen können. Erfolgsprojekte gibt es hier etwa in Lembach im oberen Mühlviertel (mit vier Gemeinden) oder in Oberndorf bei Schwanenstadt (mit acht Gemeinden).

Ab September 2024 wird die Krabbelstube vormittags beitragsfrei

Als nächsten Meilenstein zum „Kinderland Nr. 1“ soll ab 1. September 2024 die Krabbelstube vormittags (bis 13 Uhr) beitragsfrei werden. Damit würde eine durchgehend beitragsfreie Vormittagsbetreuung von der Geburt an bis zum Schuleintritt gewährleistet sein, so HaberlanderAb 13 Uhr soll es außerdem eine günstigere Nachmittagsbetreuung geben. Familien mit mehreren Kindern bekämen zusätzliche Ermäßigungen.

Für die Gemeinden sollen dabei keine Mehrkosten anfallen. Der bisher eingehobene Elternbeitrag für die Vormittagsbetreuung wird ab 1. September 2024 vom Land über eine Erhöhung der Gruppenpauschale getragen.

Neue Finanzierung und Pflichten von Tageseltern

Ebenfalls für 2024 ist eine neue Verordnung für Tageseltern vorgesehen. Geplant ist ein neues Finanzierungssystem sowie mehr Qualität und Sicherheit für die Kinder, etwa mit verpflichtenden Deutschkenntnissen für Tageseltern auf B2-Niveau, verpflichtende Außenspielflächen für die Kinder und Ersthelferkenntnisse von Tageseltern.

Gemeinsam mit dem Familienbund OÖ wird außerdem derzeit ein Pilotprojekt zur ersten Vermittlung der englischen Sprache im Kindergarten umgesetzt. Eine Native Speakerin ist dabei bis zum Ende des Arbeitsjahres in den Kindergärten Hargelsberg, Kematen an der Krems, Kronstorf, Katsdorf und Pregarten unterwegs und gibt den Kindern spielerisch erste Englisch-Impulse.

Betreuungssituation in der Marktgemeinde St. Florian

Bernd Schützeneder, Bürgermeister der Marktgemeinde St. Florian, sieht eine deutliche Veränderung der Betreuungssituation in den letzten Jahren. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigt, vor allem, da immer öfter beide Elternteile arbeiten müssen, um den Lebensunterhalt sichern zu können. Die Betreuungseinrichtungen in St. Florian seien voll, in den Kindergärten, Krabbelstuben und im Hort (inkl. Mittagsaufsicht) werden derzeit 415 Kinder im Alter von eineinhalb bis zehn Jahren betreut. Deshalb wird nun eine weitere Betreuungseinrichtung mit sieben Gruppen errichtet.

„Wir versuchen mit der Betreuungseinrichtung im Zentrum zu bleiben, damit die Kinder auch ein Gemeindezentrum spüren. Für die Pädagogen wiederum ist die richtige Infrastruktur und gute Rahmenbedingungen ein Anreiz für den Arbeitsstandort“, so Schützeneder. Die steigenden Personalkosten betreffend seien die Gemeinden jedoch stark gefordert und stoßen an ihre Grenzen. St. Florians Bürgermeister erwartet sich hier mehr finanzielle Unterstützung von Bund und Land, „damit wir uns die Betreuung auch in Zukunft leisten können“, so Schützeneder.

Initiative „Oma spielt mit“

Auch der Familienbund OÖ konnte 2023 zusätzlich drei Krabbelstuben, einen Kindergarten, drei Tagesstätten und vier Nachmittagsbetreuungen eröffnen. Außerdem wird versucht dem Fachkräftemangel mit der Initiative „Oma spielt mit“ entgegenzuwirken. Senioren können dabei die Ausbildung zur pädagogischen Assistenzkraft absolvieren und anschließend in einer Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtung tätig werden. „Wir lösen damit natürlich das Problem nicht, aber leisten unseren Beitrag dazu“, so Landesobmann Vizebürgermeister Martin Hajart.

Grüne und AK kritisieren fehlende Maßnahmen für Personalnot

Für die Grünen Oberösterreich geht das Vorhaben der Landesregierung zwar in die richtige Richtung, jedoch sei vor allem die Fachpersonal-Problematik damit noch nicht geklärt. „Neue Einrichtungen, neue und kleinere Gruppen sind nur mit zusätzlichem Personal machbar. Sonst gibt’s zwar mehr Angebot, aber weniger Qualität.  Eine einfache Rechnung. Noch sehen wir weder keine Anzeichen, dass dieses Problem gelöst ist noch einen Plan, wo die neuen zusätzlichen Elementarpädagog:innen herkommen sollen“, so Grüne Bildungssprecher LAbg. Reinhard Ammer zu den heutigen Ausführungen.

Die Arbeiterkammer OÖ kritisiert die Betreuungslücke für Kinder von Vollzeit arbeitenden Eltern. Nur etwas mehr als ein Viertel der Kinder zwischen drei und sechs Jahren wären im Kindergartenjahr 2022/23 in einer Betreuung gewesen, die Vollzeitarbeit beider Elternteile ermöglicht, noch schlechter stehe es bei unter Dreijährigen (5 Prozent). „Wir erleben in der AK-Beratung zahlreiche Anrufe von Eltern, die beklagen, dass sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für sie nicht ausgeht. Grund dafür sind die starren Öffnungszeiten, die nicht mit der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitszeiten Schritt halten“, so AK-Präsident Andreas Stangl. Eine große Ausbildungsoffensive sei dringend notwendig, so die Arbeiterkammer OÖ, um den Personalbedarf in der Elementarpädagogik langfristig zu decken.


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