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Oberösterreich startet zwei Projekte zur Qualifizierung von Asylsuchenden mit hoher Bleibeperspektive

Tips LogoAnna Fessler, 19.01.2024 14:52

OÖ/LINZ/RIED. Asylsuchende in Oberösterreich sollen künftig bereits in der Grundversorgung für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden. Gemeinsam mit FAB und WIFI starten dazu zwei Pilotprojekte in Linz und Ried. Im Zuge dessen wird auch die Grundversorgung neu organisiert.

V.l.n.r.: Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer, FAB-Geschäftsführerin Silvia Kunz, WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer und Landeshauptmann Thomas Stelzer. (Foto: Land OÖ/Peter C. Mayr)

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP), Integrationslandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer und FAB-Geschäftsführerin Silvia Kunz präsentierten am Freitag die Details.

Grundversorgung wird neu organisiert: Screening nach Sprachkenntnissen und Qualifikation

In Zukunft sollen Asylwerber beim Übergang von der Bundes- in die Landesversorgung auf Sprach- und Berufskenntnisse gescreent und gemäß ihrer Qualifikation auf die Quartiere verteilt werden. Bisher erfolgt die Zuteilung zu Quartieren rein nach Verfügbarkeiten.

Pilotprojekte in Linz und Ried im Innkreis starten

Zudem starten diese Woche in den Grundversorgungsquartieren in der Lunzerstraße in Linz sowie in Ried im Innkreis Pilotprojekte zur Qualifizierung von Asylsuchenden mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit. Ziel ist es, diese Personengruppe bereits während der Grundversorgung zu qualifizieren, um sie rasch in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. „Klar ist aber, dass der uneingeschränkte Zugang zum Arbeitsmarkt erst mit positivem Asylbescheid erfolgen kann.“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer.

Durch die Maßnahme soll vermieden werden, dass Asylwerber mit Übertritt in den asylberechtigten Status arbeitslos sind oder Sozialhilfe beziehen müssen. Die Anzahl der Asylberechtigten an der Gesamtanzahl der Sozialhilfe-Empfänger liegt derzeit bei etwa einem Viertel.

Die stärkste Gruppe in der Grundversorgung sind Syrer (1.911 Personen), sie haben aktuell in der Spruchpraxis des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl auch die höchste Bleibeperspektive. Knapp acht von zehn Syrern erhalten in Österreich einen Aufenthaltstitel in Form von Asyl oder subsidiärem Schutz. Welche Gruppe die höchste Bleibeperspektive hat müsse jährlich neu evaluiert werden, so Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer.

Das Linzer Projekt „Accelerate“ von FAB und BFI

Der Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung (FAB) und das Berufsförderungsinstitut (BFI) werden das Projekt „Accelerate“ in Linz umsetzen. Dabei werden Teilnehmer für acht Monate in einem Ausmaß von 23-35 Stunden pro Woche qualifiziert. Zu Beginn werden Sprachkenntnisse und Fähigkeiten abgeklärt, anschließend liegt der Fokus auf dem Deutscherwerb. Ab dem vierten Monat sollen Teilnehmer erste praktische Arbeitserfahrungen in Werkstätten sammeln. In Phase zwei werden Teilnehmer mit A1-Deutschniveau beim AMS vorgemerkt. Die Deutschkenntnisse werden durch ein Kursmodul „Arbeitswelt in Österreich“ vertieft, zudem werden Bewerbungsschreiben trainiert. In dieser Phase erfolgen auch Firmenbesichtigungen. In dem Projekt gibt es Plätze für 48 Teilnehmende.

Das Projekt in Ried im Innkreis von WIFI und WKO

Beim Integrationsprojekt für Asylwerber mit hoher Bleibeperspektive im WIFI Ried werden die Teilnehmer für sieben Monate in einem Ausmaß von 30 Stunden pro Woche qualifiziert. Es wird zwei parallel geführte Gruppen mit jeweils 12 Teilnehmern geben. Bei der ersten Gruppe geht es vorrangig um die Alphabetisierung und den Beginn der Deutschqualifizierung. Ziel ist es, möglichst rasch Deutsch auf A1-Niveau zu erlernen.

Bei der zweiten Gruppe ist eine AMS-Teilzuständigkeit nach dem Integrationsgesetz gegeben, die Teilnehmer sind also seit mindestens drei Monaten in der Grundversorgung und können Deutsch auf A1-Niveau vorweisen. Das ermöglicht Arbeitstraining, zudem sind Bewerbungstrainings (auch online und über Social Media) geplant. Auch werden Teilnehmer unterstützt, die ihre Sprachqualifizierung auf Niveau A2 steigern wollen. Im Unterschied zu „Accelerate“ werden hier bereits Teilnehmende mit Deutsch-Niveau A1 in das Projekt miteinbezogen und gleich in die Gruppe B integriert. Die Gruppen sind durchlässig, die Teilnehmer wechseln somit nach erfolgter A1-Prüfung in die Gruppe B.

Grüne kritisieren „halbgaren Ansatz“

„Ansinnen gut, Umsetzung mangelhaft. Das ist die Bilanz zu diesen Plänen“, reagierte die Grüne Integrationssprecherin Ines Vukajlović auf die Vorhaben. Es sei ein „ein halbgarer Ansatz, der dem Töpfchen oder Kröpfchen-Gedanken folgt.“ Nur jene mit hoher Bleibeperspektive zu qualifizieren bedeute, auf das gesamte Potential zu verzichten. Die Idee von „homogenen Arbeitsquartieren“ reduziere Betroffene auf ökonomisches Humankapital und sei der Integration nicht förderlich. Viel eher brauche es den Ausbau von kleinen Quartieren.


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