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Fünfte KV-Verhandlungsrunde brachte Einigung für Sozialwirtschaft

Tips Logo Karin Seyringer, 27.01.2026 09:10

Ö/OÖ. Die geplanten Streiks sind abgesagt: Bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die Sozialwirtschaft und damit für die rund 130.000 Beschäftigten im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich in Österreich, ist es in der Nacht auf Dienstag zu einer Einigung gekommen. Die Gehälter steigen mit April 2026 um 2,6 Prozent, im Jänner 2027 um mindestens 2,3 Prozent, abhängig von der Inflationsrate.

Symbolfoto (Foto: naka/stock.adobe.com)
Symbolfoto (Foto: naka/stock.adobe.com)

Die fünfte Verhandlungsrunde brachte nach 17 Verhandlungsstunden den Zweijahresabschluss. Für Mittwoch und Freitag anberaumte österreichweite Streiks seien damit abgesagt, teilen die Gewerkschaften GPA und vida in einer Aussendung mit.

Die Ergebnisse im Detail

Ab April 2026:

  • Die kollektivverträglichen Gehälter und Löhne steigen um 2,6 Prozent, die IST-Gehälter und -Löhne um 2,4 Prozent. Zuschläge, Zulagen und Lehrlingsentgelte steigen ebenfalls um 2,6 Prozent.
  • Rahmenrechtlich wird ein Anspruch auf Erhöhung des Wochenstundenausmaßes für Teilzeitbeschäftigte festgelegt.
  • Für Eltern von Kindern mit Behinderung gibt es eine ausgebaute Pflegefreistellung.
  • Zivildienst und Präsenzdienst werden als Vordienstzeiten anerkannt.
  • Die Altersteilzeit wird den neuen gesetzlichen Regelungen angepasst.
  • Zusätzlich wurde eine bessere Einstufung eines Teils der Behindertenfachkräfte (ab 1. Juli 2026) sowie der Kindergartenhelferinnen (ab 1. September 2026) vereinbart.

Ab Jänner 2027:

  • Die kollektivvertraglichen Gehälter und Löhne steigen abhängig von der Inflation um mindestens 2,3 Prozent. Steigt die Inflation auf mehr als 2,3 Prozent, so wird die Differenz zur Hälfte abgegolten. Die maximale Steigerung der Gehälter und Löhne beträgt 2,5 Prozent. Die gleiche Regelung wird auf Zuschläge, Zulagen und Lehrlingsentgelte angewandt. Die IST-Gehälter und -Löhne steigen in jedem Fall um 2,3 Prozent.
  • Für geteilte Dienste muss es künftig eine Betriebsvereinbarung geben, wenn ein Betriebsrat vorhanden ist. Dadurch können bessere Regelungen im Betrieb vereinbart werden. Außerdem wird Mehrarbeit besser entlohnt.
  • Der Zusatzkollektivvertrag für die Weiterführung des Pflegezuschusses wird abgeschlossen.

„Harter Kompromiss“

Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft GPA: „Dieser Abschluss bietet gute Fortschritte im Rahmenrecht, ist auf der Einkommensseite aber ein harter Kompromiss. Ohne die starke Mobilisierung in zwei Streikrunden wäre kein Abschluss möglich gewesen. Im kommenden Jahr sichert der Abschluss die Kaufkraft. Die Verbesserungen besonders für Teilzeitbeschäftigte und bestimmte Berufsgruppen wirken bereits heuer. Der Zweijahresabschluss deckt die Zeit der knappen öffentlichen Haushalte ab, danach kommen Abschlüsse unter der Inflationsrate nicht infrage.“

„Wir bedanken uns bei den tausenden Beschäftigten, die mit ihrem Engagement in Betriebsversammlungen und Streiks nach fünf Verhandlungsrunden endlich Bewegung bei den Arbeitgebern erzeugen konnten. Das gewerkschaftliche Verhandlungsteam erachtete die Möglichkeiten der Arbeitgeber als ausgeschöpft. Angesichts der wirtschaftlichen Situation ist dieser Abschluss das Maximum, das erreicht werden konnte“, so auch Michaela Guglberger, Verhandlerin für die vida.

„Verantwortungsvolle Einigung“

Seitens der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) spricht man von einer „verantwortungsvollen Einigung, die Arbeitsplätze sichert und Versorgungssicherheit gewährleistet“.

„Dieser Abschluss war nur möglich, weil alle Beteiligten die außergewöhnlich schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen anerkannt und Verantwortung übernommen haben“, so SWÖ-Chefverhandlerin Yvonne Hochsteiner. „Wir sind erleichtert, dass in Zeiten massiver Budgetkürzungen eine Lösung gefunden wurde, die Arbeitsplätze und Versorgungsangebote langfristig absichern kann.“

Der Abschluss bewege sich innerhalb der Spielräume, die durch die Budgetentscheidungen von Bund, Ländern und Gemeinden vorgegeben seien.

„Die zentrale Branchenbesonderheit in diesem Jahr ist der massive finanzielle Druck“, betont auch Erich Fenninger, Vorstandsvorsitzender des Dachverbandes der SWÖ. „Dass dennoch ein Abschluss gelungen ist, zeigt das hohe Verantwortungsbewusstsein, mit dem Arbeitnehmer - und Arbeitgeber hier aufeinander zugegangen sind.“


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