Theater asozial präsentiert "Kinder im KZ"
OTTENSHEIM. Das Ottensheimer Ensemble Theater asozial bringt unter der Regie von Wolfgang Rohm das Leben und Leiden von Kindern und Jugendlichen im KZ als Neuinszenierung auf die Bühne. Die Jugendlichen zeigen das kritische Stück „Doch einen Schmetterling habe ich hier noch nicht gesehn“ am Freitag, 25. Mai um 19.30 Uhr im Gasthaus zur Post.

Das Theaterensemble ist durch eine Sommerferienaktion für Jugendliche im Jahr 2014 entstanden, wurde zum Theater So-und-so und dann zum Theater asozial. „Der Name ist doppeldeutig: Theater ermöglicht auf der Bühne Verhaltensweisen, wofür man im Leben bestraft werden würde und außerdem handelt Theater immer von asozialen Verhaltensweisen. Theater ist wie eine Lupe, die den Brennpunkt auf die Gesellschaft richtet. Dort wo es richtig weh tut“, sagt Theaterpädagoge Wolfgang Rohm. „Theater ist sowohl sozial als auch asozial. Auf der Bühne ist alles erlaubt, man kann sogar das Publikum beschimpfen“, sagt Hannah, eine der Schauspielerinnen. Das Theater asozial besteht aus acht Schauspielerinnen und Schauspielern zwischen 14 und 18 Jahren und will wichtige soziale und kritische Themen, wie Flucht, Migration oder Homosexualität, auf die Bühne bringen. Regisseur und Techniker der Gruppe ist Wolfgang Rohm.
Minidramen
Bisher hat die Theatergruppe „Die wirklich wahre Geschichte von Rapunzel“ und Minidramen von Ken Campell, Thomas Bernhard und anderen gespielt. „Der Schmetterling ist unser erstes ernsthaftes Stück“, sagt die Jungschauspielerin Eva. „Die Minidramen haben mir am besten gefallen, weil man in einer Aufführung so viele Charaktere annehmen kann und sie sehr lustig waren. Theater macht aus, dass es einem Spaß macht“, erklärt Hannah. Die Jugendlichen treffen sich einmal pro Woche und proben zwei bis drei Stunden. Vor den Aufführungen wird die Anzahl der Treffen und Proben erhöht. „Jeder kann seine Vorschläge einbringen und diese werden dann ausprobiert“, sagt Rohm.
„Kinder starben zuerst“
„Je näher eine Aufführung rückt, desto direktiver wird durch den Regisseur eingegriffen.“ „Kinder starben zuerst“Geschrieben wurde das aktuelle Stück „Doch einen Schmetterling habe ich nicht gesehn“ von der Wiener Autorin Lilly Axster anhand von authentischem Material. Es handelt sich dabei um eine Szenencollage, die auf der Bühne abgehandelt wird. Die jungen Schauspieler zeigen dabei das Leiden und Leben der Kinder im KZ. „Kinder waren das schwächste Glied – sie starben zuerst“, sagt Rohm. „Die Herausforderung an dem Stück ist sein emotionaler und nur schwer auszuhaltender Inhalt. Vieles wird auf der Bühne nur angedeutet, dann aber nicht ausgeführt. Der Rest muss in den Köpfen des Publikums geschehen.“ Jungschauspielerin Nelli sagt dazu: „Man weiß nicht so richtig wie es wirklich war, daher ist es schwer zu spielen.“
„Geht emotional sehr tief“
Die Gruppe arbeitet mittlerweile seit zwei Jahren an dem Stück. Dazu wurden auch Dokumentationen und Filme angeschaut und im Internet recherchiert. „Es wird einem klar, wie viele Menschen dabei einfach so umgebracht wurden. Es ist auch sehr anstrengend, weil es emotional sehr tief geht“, sagt Eva. „Es ist voll anstrengend, weil es wirklich arg ist. Man fragt sich, wie hat es sein können, dass sowas passieren kann“, sagt Nelli und beschreibt ihre Leidenschaft für das Theater so: „Das Besondere am Schauspiel ist, dass man in Rollen schlüpfen kann und dabei immer auch man selbst bleiben kann. Ich finde es cool etwas zu präsentieren und dass einem die Leute dann zuschauen. Und es sind im Theater lauter verrückte Leute.“ Für Hannah ist das Faszinierende am Schauspiel „dass man einfach einmal eine andere Person sein kann und seine Gefühle ausleben kann.“ Greta beschreibt das Gefühl so: „Es macht einfach Spaß. Du schaltest einmal dein Leben einfach aus. Und natürlich ist die Gemeinschaft toll.“
Kritisch hinterfragen
Wolfgang Rohm, der zuvor bei der Polizei Wien arbeitete, studierte Soziologie und Soziale Verhaltenswissenschaften. Nach der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit sozialen und emotionalen Störungen wechselte er in die Kinder- und Jugendanwaltschaft. Bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit hat er begonnen, mit Kindern Theater zu spielen und dann das Masterstudium Theaterpädagogik gemacht. „Es ist durchaus möglich mit Kindern soziale Themen aufzugreifen und auf die Bühne zu bringen. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass die heranwachsende Generation soziale Vorgänge kritisch hinterfragt“, sagt Rohm.


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23.05.2018 11:50
Sehenswert
Absolut zu empfehlen; ich hab es bereits im letzten Jahr im Theater Eisenhand gesehen!