Pergs Bezirksfeuerwehr-Kommandant Eduard Paireder zieht im Tips-Interview Bilanz und gibt Ausblick
BEZIRK PERG. Oberösterreichweit ist – wie am 2. März bei der Pressekonferenz des Landesfeuerwehrverbandes verlautbart – im Vorjahr die Gesamtzahl der Einsätze (51.489) im Vergleich zu 2020 wieder angestiegen. Tips hat sich mit dem Perger Bezirksfeuerwehr-Kommandanten Eduard Paireder über die Entwicklungen in unserer Region unterhalten.

Tips: Im Vergleich zum ersten Jahr der Pandemie war 2021 das öffentliche Leben weniger eingeschränkt, auch auf den Straßen war wieder mehr los. Wie hat sich das auf die Einsatzzahlen im Bezirk Perg ausgewirkt?
Eduard Paireder: Interessanterweise spiegeln das die Einsatzzahlen nicht ganz wider. Die Brandeinsätze haben zwar von 199 auf 231 zugenommen, die Zahl der technischen Einsätze war aber von 1.461 auf 1.196 stark rückläufig. Leider hatten wir einige wirklich schwere Unfalleinsätze auf der B3 zu bewältigen. Hier hat unser Team zur Nachbetreuung nach belastenden Einsätzen gute Arbeit geleistet.
Tips: Welche Einsätze waren im abgelaufenen Jahr mit der größten Herausforderung verbunden?
Paireder: Es war gut, dass die Unwetter im Juni 2021 uns zum größten Teil verschont haben und wir im eigenen Bezirk nur wenige Einsätze wie umgestürzte Bäume und kaputte Dächer abarbeiten mussten. Daher war es uns möglich, im schwer betroffenen Bezirk Urfahr-Umgebung mit unseren Kräften und Geräten auszuhelfen. So waren dort die Hubrettungsgeräte der Feuerwehren Bad Kreuzen, Mauthausen und Perg im Einsatz und die Höhenrettung Arbing half ebenfalls mit, die Dächer provisorisch wieder zu richten. Neben den schweren Verkehrsunfällen ist aber sicher der Großbrand in Grein zu erwähnen. Hier hat sich gezeigt, dass eine gute Vorbereitung, abgestimmte Alarmpläne und die geübte Zusammenarbeit zum Einsatzerfolg führen. Beim Großbrand waren neben der Einsatzführungsunterstützung, den Feuerwehren des Bezirkes auch Einsatzkräfte aus Niederösterreich vor Ort. Die Koordinierung und Zusammenarbeit hat mustergültig funktioniert und der Brand konnte rasch unter Kontrolle gebracht werden.
Tips: Eine Vielzahl an Corona-infizierten bzw. in Quarantäne befindlichen Personen brachte zuletzt nicht nur Unternehmen ans Limit. Wie gelang es in diesen problematischen Phasen, die Einsatzbereitschaft in den Orten aufrecht zu erhalten?
Paireder: Nur der ausgesprochen hohen Disziplin unserer Mitglieder ist es zu verdanken, dass wir unsere Einsatzbereitschaft im Laufe dieser Pandemie aufrechterhalten können. Ich bedanke mich bei jeder Feuerwehrfrau und bei jedem Feuerwehrmann dafür. In den Hochphasen haben wir wieder auf unsere bewährten Methoden zurückgegriffen, teilweise die Mannschaften geteilt, auf Übungen und Versammlungen verzichtet und konsequent die geltenden Schutzmaßnahmen eingehalten.
Tips: Welche Aufgaben kam den Perger Feuerwehrkameraden im abgelaufenen Jahr bei der Pandemie-Bekämpfung zu?
Paireder: Obwohl eine Pandemie nicht das klassische Aufgabengebiet für die Feuerwehr ist, haben wir bewiesen, dass wir ein extrem zuverlässiger Partner bei allen Logistikaufgaben sind. Das reicht von der Koordinierung von Menschenströmen bis hin zu Transportfahrten z.B. zu den Schulen und Kindergärten. Unser flächendeckendes Netz an Feuerwehren und unsere guten Ortskenntnisse sind hier ein entscheidender Vorteil.
Tips: Konnten in den Feuerwehren des Bezirkes die Mitglieder trotz erschwerter Rahmenbedingungen weiterhin für den freiwilligen Dienst für die Allgemeinheit motiviert werden oder gab es auch Austritte in merkbarem Maße zu verzeichnen?
Paireder: Da wir 2021 einen, was die Pandemie betrifft, relativ normalen Sommer hatten, konnten wir in der Zeit sehr viele Dinge nachholen. Das hat uns gutgetan und auch die Motivation extrem gesteigert. Unser gesamtes Feuerwehrsystem hat davon extrem profitiert, da wir vor allem bei den Ausbildungen und Leistungsprüfungen einiges abarbeiten konnten. Was uns natürlich extrem fehlt, ist der gesellschaftliche Teil, die Kameradschaft, aber auch die Feuerwehrfeste. Natürlich ist es einerseits ein Verdienstentgang, aber andererseits fehlt einfach das Zwischenmenschliche. Die Mitgliederzahl von 5.908 Personen blieb gleich, unsere Mitglieder entsprechend zu motivieren, ist aber natürlich ein permanentes Thema.
Tips: Das Bewerbswesen – ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens bei der Feuerwehr – war seit 2020 stark eingeschränkt und wird heuer endlich ein Comeback feiern. Auf was dürfen sich Kinder und Erwachsene 2022 freuen?
Paireder: Gerade unsere Jüngsten waren die Leidtragenden der Situation. Wir haben das aber früh erkannt und so wurde ihnen auch 2021 in den Ortsfeuerwehren im Rahmen der Möglichkeiten ein breites Angebot bereitgestellt. Dafür möchte ich allen, im Speziellen den Jugendverantwortlichen, meinen Dank aussprechen. Für heuer haben wir uns entschieden, im Sommer wieder ein Jugendlager zu veranstalten. Die Planungen dafür laufen bereits auf Hochtouren. Heuer rechnen wir mit einer Normalisierung und werden daher wie gewohnt drei Abschnittsbewerbe für Jugend und Aktive organisieren. Diese finden am 28. Mai in Münzbach, am 18. Juni in Haid und am 2. Juli in Bad Kreuzen statt. Auch einen Landesbewerb wird es 2022 – und zwar am 8. Juli in St. Peter am Wimberg – wieder geben.


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