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Bewegende Briefe von Sophie Scholl wurden für Bühne neu interpretiert

Leserartikel Gerlinde Riegler-Aspelmayr, 25.04.2023 13:17

SCHWERTBERG. Es wird eine Lesung, die unter die Haut geht: Die Schwertbergerin Julia Beyerl schlüpft am 7. Mai im Lichtenwagnerhaus in die Rolle der von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpferin Sophie Scholl.

Julia Beyerl liest am 7. Mai ergreifende Texte von Sophie Scholl. (Foto: Markus Beyerl)
  1 / 3   Julia Beyerl liest am 7. Mai ergreifende Texte von Sophie Scholl. (Foto: Markus Beyerl)

Sophie Scholl – ihr Name steht stellvertretend für jene Menschen, die Widerstand gegen das NS-Regime leisteten. Gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl, dem Begründer der Untergrundbewegung „Die weiße Rose“ war die Münchner Studentin 1943 erst 21-jährig nach einem viertägigen Schauprozess hingerichtet worden. In Form von Flugzetteln hatte das Geschwisterpaar mit seinen Mitstreitern friedlich zur Auflehnung gegen die Nazis aufgerufen.

Buch über Briefwechsel

Der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt ist, dass Sophie Scholl mit einem Offizier der deutschen Wehrmacht, Fritz Hartnagel, verlobt war. Gesehen haben die beiden einander oft lange nicht, doch ein Briefwechsel, der anlässlich Sophie Scholls 60. Todestages in Buchform veröffentlicht wurde, dokumentiert auf bewegende Art das tiefgründige Innenleben der mutigen Widerstandskämpferin.

Justament jenes Buch lasen Julia Beyerl, die ihre Theaterwurzeln in Perg hat, nun aber in der Bruckmühle Pregarten spielt, sowie ihr Theaterkollege Lukas Auberger im Sommer des Vorjahres, als sie auf der Suche nach „Stoff“ für eine gemeinsame Lesung waren. „Wir hatten beide Gänsehaut von den Worten, die Scholl und Hartnagel einander schrieben“, erinnert sich Beyerl und fügt hinzu: „Manchmal wird man von einer Rolle regelrecht gefunden – da kann man sich gar nicht wehren und genau das sind dann die magischen Momente in der Kunst und der Schauspielerei.“ Fasziniert und nicht mehr losgelassen hat beide der hohe Aktualitätsbezug der Worte in Scholls Briefen an Hartnagel (verkörpert von Lukas Auberger), die den NS-Offizier hartnäckig zum Umdenken und zum Hinterfragen des Nazi-Gedankengutes aufforderte. „Viele Passagen sind wie aus der Zeit gefallen. Sie passen genauso gut ins Jahr 2023 – einer Zeit, in der in der Ukraine-Krieg herrscht und weltweit erschreckend viele Menschen wieder mit autoritären Regimen sympathisieren“, sagt die Schwertbergerin.

Freier Eintritt

Die Lesung, die unter Regie von Richard Mayau in der Bruckmühle Pregarten produziert wurde und dort im Februar ihr Debüt feierte, wird nun im Lichtenwagnerhaus am 7. Mai, dem Gedenktag der Befreiung der Gefangenen des Konzentrationslagers Mauthausen, wiederholt. Veranstalter ist die Kulturinitiative Lichtenwagnerhaus (in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schwertberg). Bei freiem Eintritt beginnt die Lesung, die von Til Grüll berührend musikalisch umrahmt wird, um 18 Uhr.


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