Senioren im Bezirk Perg nutzen immer mehr digitale Medien
BEZIRK PERG. Älteren Menschen die Scheu vor digitalen Medien zu nehmen, ist das erklärte Ziel von Gerhard Pachinger. Seit fünf Jahren hält der pensionierte IT-Experte im Bezirk Perg regelmäßig ehrenamtlich Schulungen für seine Altersgenossen. Tips bat den 70-jährigen Rieder zum Gespräch, um von ihm zu erfahren, wie fit die Senioren im Bezirk im Umgang mit Smartphone, PC und Co. sind.

Als Gerhard Pachinger 1972 seinen Dienst in der IT-Abteilung des Landes Oberösterreich begann, gab es dort noch Lochkarten, aber keine Informatiker. Während seiner aktiven Berufslaufbahn erlebte und gestaltete der gebürtige Freistädter den rasanten technischen Fortschritt hautnah mit. Seit 2014 ist Pachinger in Pension, das große Interesse an digitalen Themen ist ihm aber geblieben. 2017 trat er dem Seniorenbund bei mit dem Ziel, sein Wissen weiterzugeben. Mittlerweile ist er nicht nur Referent für Digitale Medien in „seiner“ Ortsgruppe Ried in der Riedmark, sondern auch der Perger Bezirksgruppe.
„Nicht fürchten, sondern einfach ausprobieren“
2018 begann er, für den Seniorenbund erste Workshops zum Thema Smartphone im Bezirk Perg abzuhalten. Seither gibt er alle zwei Monate einen Kurs zu einem bestimmten Thema. Pachingers Motto dabei: „Nicht fürchten, sondern einfach ausprobieren und die Vorteile sehen, die die neue Technologie bringt.“ Seine „Schüler“ sind zwischen 60 und 80 Jahre alt und können das Angebot kostenlos nutzen. „Die Teilnehmer sind sehr dankbar. Das bestätigt meine Arbeit und gibt mir auch sehr viel“, freut sich der 70-Jährige, der seit 1987 in Ried lebt.
Studie unter Kursteilnehmern
Um zu erfahren, welche Themen seine Kursteilnehmer besonders interessieren, führte Gerhard Pachinger Anfang 2023 eine Studie unter den Mitgliedern seiner WhatsApp-Gruppe durch. 51 von 117 kontaktierten Personen beteiligten sich an der Aktion und vermitteln damit auch einen guten Eindruck zur digitalen Mediennutzung unter Senioren in der Region. Für diese Studie erhielten Gerhard Pachinger und die Seniorenbund-Bezirksgruppe Perg kürzlich den „Josef Ratzenböck Sonderpreis“ des Seniorenbunds Oberösterreich.
Überraschende Ergebnisse
Auch wenn es sich bei den Befragten nicht um absolute Einsteiger in der digitalen Welt handelte, überraschten Pachinger die Ergebnisse. „Im Schnitt nutzt jeder fast drei digitale Geräte – das wäre noch vor einigen Jahren im ländlichen Raum unfassbar gewesen“, erklärt der Experte. Alle 51 Befragten verfügten über ein Smartphone, auf den weiteren Plätzen folgten Laptop (37 Personen) und PC (29), danach etwas abgeschlagen das Tablet (22). Fast alle Befragten haben Zugang zu einem Drucker – „hier dürfte ein Aufrüsten in den vergangenen Jahren stattgefunden haben“, bilanziert Pachinger.
Lieblings-Apps der Senioren
Doch wofür nutzen Senioren eigentlich vorwiegend ihr Smartphone? „Zum Telefonieren und für WhatsApp, dann kommt erstmal lange nix“, weiß Pachinger aus seiner Lehrtätigkeit. Besonders gefragt seien außerdem nützliche Tools wie Kalender, Uhr, Weckerfunktion, Taschenrechner oder E-Mails. Heimwerker setzen ihr Handy gerne als Wasserwaage ein. Großer Beliebtheit erfreue sich zudem die Feuerwehr-App, denn „die Leute wollen schauen, was los ist, wenn in ihrem Ort die Sirene heult“.
Online-Banking im Aufwind
Ein großes Thema unter den Senioren ist das Online-Banking, Gerhard Pachinger hat hierzu bereits zwei Kurse abgehalten. „Die Bereitschaft, es zu lernen, ist da“, weiß der Bildungsreferent. Viele Senioren verfügen auch bereits über die entsprechenden Apps – wenn auch erfahrungsgemäß noch oftmals jüngere Familienmitglieder die Bedienung übernehmen.
Arbeit trägt Früchte
Pachingers Bilanz: Seit 2017 ist das Wissen unter den Senioren, was digitale Medien anbelangt, eklatant gestiegen – nicht zuletzt auch durch die Pandemie. „Die Leute brauchen es auch, es geht nicht mehr ohne“, weiß der Experte. Auch seine Arbeit trägt hier mittlerweile Früchte: „Der Bezirk Perg ist absolute Spitze im Bereich der digitalen Weiterbildung und gilt als Vorbild für andere Bezirke“, bescheinigte Seniorenbund-Landesbildungsreferent Fe-lix Messner bereits 2021.
Noch mehr Kurse im Bezirk
Als Bezirksreferent für Digitale Medien des Seniorenbunds kümmert sich Gerhard Pachinger auch darum, dass es in allen 24 Ortsgruppen des Bezirks mindestens einen Referenten für dieses Thema gibt, der ebenfalls Kurse abhält. Ziel sei, in jeder Ortsgruppe mindestens vier Veranstaltungen pro Jahr anzubieten. „Es gibt immer wieder neue Themen“, betont Pachinger und nennt als Beispiele unter anderem die elektronische Gesundheitsakte ELGA, das weite Feld Smart Home und Künstliche Intelligenz. Pachinger ist überzeugt: „Es gibt viel zu tun, wir werden sicher nicht arbeitslos.“


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