Wenn der Wald hilft, wieder zu innerer Kraft und Stärke zu finden
WALDHAUSEN. Schweres tragen und ertragen – das bürdete das Schicksal Michael Haider schon mehrfach in seinem Leben auf. Zuletzt begleitete er drei Jahre lang seine Frau durch eine Krebserkrankung und pflegte sie bis zu ihrem Tod im vergangenen Herbst. „Der Wald stärkte meine Frau und mich in dieser Phase innerlich“, sagt der 56-jährige zertifizierte Waldbade-Trainer. Er will auch andere ermutigen, sich vertrauensvoll der Natur zuzuwenden.

Wer enorme Schicksalsschläge und Verlusterfahrungen zu bewältigen hat, braucht Kraft und Stärke. Beides tragen Bäume in sich. Ein ganzer Wald davon kann heilsame Wirkung auf den Körper haben. Das ist mittlerweile wissenschaftlich belegt und durch die japanische „Shinrin Yoku“-Bewegung (Waldbaden) auf der ganzen Welt bekannt. Rückblickend betrachtet kann es wohl kein Zufall gewesen sein, dass der Waldhausner Michael Haider im Zuge des Genesungsprozesses von einer Hüft-OP in einem Zeitungsartikel auf das Thema Waldbaden gestoßen und sofort fasziniert von diesem Thema war. Er befasste sich intensiv damit und beschloss, seinen Bürojob in der Sicherheitsbranche, den er nur noch unter schwersten Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat bewältigen konnte, an den Nagel zu hängen und auf den Beruf des Waldbade-Trainers umzusatteln.
Frau unterstützte berufliche Neuorientierung sehr
Damals war seine Frau Sabine, eine diplomierte Krankenpflegerin, noch kerngesund gewesen. Sie unterstützte ihren Mann bei dessen Umorientierungsplänen und motivierte ihn, seine Neuausrichtung durchzuziehen. „Es war Intuition. Wir beide spürten, dass das der richtige Weg für mich ist. Manche Dinge kann man nicht mit Worten erklären. Man fühlt sie einfach“, sagt Haider. Im Zuge seiner Ausbildung begann er gesundheitlich aufzublühen und vor Vitalität zu strotzen. Seine Selbstständigkeit als Waldbadetrainer lief zur Freude der gesamten Familie gut an. Dann ein Tiefschlag, der beiden den Boden unter den Füßen wegzog. Ende 2019 erhielt Haiders Frau die Diagnose Darmkrebs. Es begann ein zermürbender Kampf gegen die tödliche Krankheit. Phasen der Zuversicht folgten Phasen der Ausweglosigkeit. Der Familie wurde vom Schicksal ein ständiges Auf und Ab zugemutet. Zuletzt jedoch ging es nur noch bergab. „In dieser finalen Zeit half uns auch der Wald sehr“, erinnert sich Michael Haider. Ihm selbst gaben die Bäume die Kraft, weiterzumachen und für seine Sabine, die er bis zum Ende aufopfernd pflegte, da sein zu können. Seiner geschwächten Ehefrau, die er immer wieder in den Wald führte, gab die Natur den inneren Frieden anzunehmen, was medizinisch nicht mehr behandelbar war. „Es blieb nichts unausgesprochen zwischen uns. Sabine stellte mir sogar noch eine Frau vor, von der sie wusste, dass wir uns gut verstehen würden, denn sie wollte, dass ich nicht trauere, sondern mich wieder dem Leben zuwende“, so Haider. Das tat er. Heute sagt er von sich, dass er an seinem Schicksal nicht zerbrochen ist, sondern daran innerlich wachsen durfte.
„Jeden Augenblick schätzen“
Seine Tätigkeit als Waldbade-Trainer hat der Waldhausner wieder aufgenommen. „Die Natur hat mir geholfen, auch nach diesem enormen Verlust stärker und nicht schwächer im Leben zu stehen. Ich schätze heute jeden auch noch so flüchtigen Augenblick und Sonnenstrahl. Diese Einstellung möchte ich weitergeben und sie mit den positiven gesundheitlichen Auswirkungen des Waldbadens verbinden. Dem Wald habe ich so viel zu verdanken. Ich möchte durch mein Tun etwas an die Menschen zurückgeben“, so der Waldhausner. Infos: www.wald-sinn.at


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