Schwertberg setzt alle Hebel für Ortskernbelebung in Bewegung
SCHWERTBERG. Pulsierendes Leben statt gähnender Leere im Zentrum. Davon träumen viele Städte und Gemeinden. Doch was tun? Dass es schaffbar ist, zeigt der Film „Stadt Land Boden“ anhand gelungener Beispiele. Um eine Diskussion in Gang zu setzen und die Bürgerinnen und Bürger zum Einbringen von Ideen zu animieren, wurde jene Doku in Schwertberg öffentlich gezeigt und zum Meinungsaustausch geladen. Auf die erfolgreiche Veranstaltung folgt nun ein Bürgerbeteiligungsprozess.

Man kann sich beklagen oder unentwegt darüber jammern, dass alles bergab geht. Oder man kann etwas dagegen tun. Für Letzteres entschieden sich die Kommunen Feldkirch, Göfis, Mödling, Moosburg, Oberdrauberg, Thalgau und Trofaiach. Immer mehr drohte in den vergangenen Jahrzehnten das Leben in diesen einst pulsierenden Kommunen zu erlöschen. Mit vereinten Kräften und unterschiedlichsten Herangehensweisen gelang es den örtlichen Entscheidungsträgern und der ansässigen Bevölkerung, ihre Heimatgemeinden zu dem zu machen, was sie heute sind: Orte des Wohlfühlens. Gemeinden, in denen man gerne wohnt, arbeitet und hier auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben genießt. Ein „Dahoam“ eben. Und zwar eines, das auch für kommende Generationen noch eines sein wird.
Thalgauer Kommunalpolitikerin: „Man muss auch Gegenwind aushalten“
Lisa Frenkenberger aus Thalgau im Salzburger Flachgau ist eine jener mutigen Vertreter der Kommunalpolitik, die das Sterben ihres Heimatortes nicht mehr hinnehmen wollten und sich aktiv für Maßnahmen zur Belebung des Zentrums einsetzte. Mit Erfolg. Heute hat Thalgau einen mit Leben erfüllten Marktplatz. Frenkenberger erläuterte im Film den erfolgreichen Bürgerbeteiligungsprozess, der der Umgestaltung des Zentrums vorhergegangen war. Die Thalgauerin kam auch eigens nach Schwertberg, um sich – neben weiteren Expertinnen und Experten in Sachen Ortskernbelebung – den Fragen der Bevölkerung zu stellen und vom Umdenk-Prozess in ihrem Heimatort zu berichten. „Es braucht Mut und den Willen, Umgestaltungen auch wirklich durchzuziehen! Und so wie bei jedem Veränderungsprozess muss man den Gegenwind aushalten. Doch es lohnt sich!“
Film- und Diskussionsabend auf Initiative von Grünen-Fraktionsobmann Rainer Gradl
Durch den Abend führte Hans Stixenberger vom Verein LandLuft. Die Initiative für den Film- und Diskussionsabend war von Grünen-Fraktionsobmann und Umweltausschuss-Obmann-Stellvertreter Rainer Gradl ausgegangen.
6.500 Bäume in Mödling
Beeindruckende Bilder wurden im Film „Stadt Land Boden“ auch aus Mödling gezeigt. Hier war das Zentrum einem grünen „Facelifting“ unterzogen worden. Nicht weniger als 6.500 Bäume sorgen seither in Mödling für Wohlfühlatmosphäre und Kühle im Sommer.
Dass der Weg der Renaturierung und Begrünung auch bereits aktiv in Schwertberg angegangen werde, betonte Bürgermeister Max Oberleitner (VP) in der anschließenden Diskussionsrunde. Die derzeit laufende Renaturierung des Poneggenbaches sowie der demnächst beginnende Bau des Generationenparks auf der Pfarrwiese seien Beispiele dafür.
Umweltlandesrat Kaineder: Mehr Lebensqualität in autofreien Zentren
Als leidenschaftlicher Kämpfer für autofreie oder zumindest verkehrsberuhigte Zentren zeigte sich einmal mehr Grünen-Umweltlandesrat Stefan Kaineder, der ebenfalls für den Diskussionsabend nach Schwertberg gekommen war: „Man darf den Menschen ruhig zutrauen, dass sie mit neuen Gewohnheiten zurechtkommen und kurze Wege zu Fuß gehen können. In allen Städten, wo Fußgängerzonen errichtet wurden, würde diese heute niemand mehr eintauschen wollen!“
Ortschef Oberleitner gab zu bedenken, dass man in diesem Punkt Städte nur bedingt mit Gemeinden wie Schwertberg, wo ja auch eine Landesstraße durch den Marktplatz führe, vergleichen könne. Man müsse auch auf die Wirtschaftstreibenden und die Gastronomiebetriebe Rücksicht nehmen. Weiters seien Menschen, die Ärzte aufsuchen, in der Regel auf einen Parkplatz in der Nähe angewiesen.
Bestehende Bausubstanz nutzen, Bodenverbrauch vermeiden
Trotz teils kontroverser Meinungen beim Thema Parkplätze im Zentrum, waren sich alle einig, dass oberstes Ziel die Attraktivierung und Belebung des Ortskerns sein müsse. Bestehende Bausubstanz müsse genutzt und weiterer Bodenverbrauch in der Peripherie vermieden werden. Schwertberg ging hier bekanntlich bereits im Vorjahr mit positivem Beispiel voraus, da mehr Flächen in Grünland rück- als in Bauland umgewidmet wurden.
Bevölkerung soll sich einbringen
Dem konstruktiven Gesprächsklima sowie den vielen Anregungen und Wortmeldungen aus dem Publikum war es wohl zu verdanken, dass noch am Diskussionsabend der Start eines Bürgerbeteiligungsprozesses zum Thema Ortskernbelebung in Schwertberg angekündigt wurde. Alle Bürger sind eingeladen, ihre Vorschläge für eine Verbesserung der Lebens- und Wohnqualität in Schwertberg einzubringen (Mailadresse: gemeinde@schwertberg.at). Auch Workshops zur Marktbelebung sind geplant.


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