Berührende Geschichten beim Erzählcafé in Schwertberg
SCHWERTBERG. Das Erzählcafé zur Zeitgeschichte im Pfarrzentrum Schwertberg stieß auf großes Interesse: 14 Zeitzeugen aus Schwertberg und interessierte Besucher folgten der Einladung der Marktgemeinde. In einer offenen Atmosphäre entwickelte sich ein intensiver Austausch zwischen den Generationen.

Im Mittelpunkt standen persönliche Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit – Erzählungen, die unter die Haut gingen und eindrucksvoll zeigten, wie prägend diese Jahre für viele Menschen waren. Die Berichte reichten von Erlebnissen während des Krieges bis hin zu den Herausforderungen und Hoffnungen der Zeit danach.
Unter den Teilnehmern waren auch die Schwertberger Ehrenbürger Anna Hackl, Gerhard Merckens und Ludwig Praher.
„Großes Anliegen, Erfahrungen weiterzugeben“
Bürgermeister Max Oberleitner (ÖVP) eröffnete die Runde mit wertschätzenden Worten und betonte, wie wichtig es sei, persönlichen Erinnerungen zu bewahren: „Es ist uns ein großes Anliegen, die Erfahrungen unserer älteren Generation für die Jugend zu sichern und lebendig weiterzugeben.“
Auch Andrea Wahl, Geschäftsführerin der Bewusstseinsregion Mauthausen-Gusen-St. Georgen, zeigte sich erfreut über das große Interesse und hob hervor, dass es sich bereits um die vierte Initiative dieser Art in Schwertberg handelt.
Durch den Vormittag führte Julianne Beyerl, die es verstand, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und die Teilnehmer dazu ermutigte, ihre ganz persönlichen Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit zu teilen. Für das leibliche Wohl sorgte das Schwertberger Team der Bewusstseinsregion.
Erinnerungen an grausame Ereignisse
Die Erzählungen waren eindrucksvoll, bewegend und teils erschütternd: So wurde berichtet, dass ein Halbbruder Adolf Hitlers einst in Schwertberg lebte. Zeitzeugen erinnerten sich an die Bombardierungen von St. Valentin und Linz, bei denen auch über Schwertberg regelmäßig Kampfflieger zu sehen waren – einige davon wurden abgeschossen. Ein Propeller schlug durch das Dach eines Hauses und bohrte sich in die Haustüre.
Besonders präsent waren die Erinnerungen an die grausamen Ereignisse rund um die Mühlviertler Menschenjagd und die Ermordung vieler entflohener Häftlinge des KZ Mauthausen.
Angst und Unsicherheit
Die 101-jährige Christl Spanner schilderte eindrucksvoll die große Angst der Bevölkerung in diesen Tagen. Im Februar 1945 war sie Mutter einer sechs Monate alten Tochter – eine Situation, die die Unsicherheit und Sorge dieser Zeit besonders greifbar machte.
Ein weiteres bewegendes Beispiel zeigte, wie schnell Missverständnisse lebensgefährlich werden konnten: So stand Gräfin Alice Hoyos vom Schloss unter Verdacht, Teil einer Widerstandsbewegung zu sein. Nur durch das Eingreifen von Ludwig Engel, der dank seiner Russisch-Kenntnisse vermitteln konnte, konnte eine drohende Erschießung durch russische Soldaten verhindert werden.
Alltagsgeschichten wurden geteilt
Daneben wurden auch viele Alltagsgeschichten geteilt. Vom Schutzsuchen im Luftschutzkeller, vom entbehrungsreichen Leben mit Lebensmittelrationierung, vom Wasserholen am Brunnen und dem Waschen der Wäsche in der Aist. Auch wurde erzählt, dass es in Schwertberg einst ein Kino gab, in das einige der heutigen Besucher als Jugendliche heimlich hineinschlüpften.
Auch die besondere Lage Schwertbergs an der amerikanisch-russischen Besatzungsgrenze sowie die Bedeutung der Elisabethbahn über Zirking und Wartberg Richtung Norden wurden lebendig geschildert.
Hinweis: Bis zum 8. November möchte das Schwertberger Team der Bewusstseinsregion noch weitere Zeitzeugen gewinnen. Dazu sind auch persönliche Hausbesuche geplant.


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