Hitzesommer: Perger Winzer erwarten starken Jahrgang
PERG. Wochenlange Hitze und wenig Niederschlag prägen heuer auch den Weinbau im Bezirk Perg. Für die Winzer bringt die Trockenheit jedoch nicht nur Nachteile. Leo Gmeiner aus Perg und Stephan Greindl aus Naarn rechnen trotz geringerer Erträge mit einem qualitativ starken Jahrgang 2026. Vor allem gesunde Trauben, hohe Zuckerwerte und konzentrierte Aromen stimmen die beiden optimistisch.

Wenn Leo Gmeiner derzeit durch seine Weingärten geht, überwiegt die Vorfreude. „Der Jahrgang 2026 wird ein ganz besonderer Jahrgang. Es ist eine Freude, die Trauben vollreif und vor allem gesund im Weinberg zu haben“, sagt der Winzer.
Die Weinrebe komme grundsätzlich gut mit längeren Trockenphasen zurecht. Das heiße und trockene Wetter habe daher auch Vorteile: Die Trauben seien gesund und hätten hohe Zucker- und Extraktwerte entwickelt.
Rund 20 Prozent weniger Ertrag
Ganz ohne Folgen bleibt der fehlende Regen allerdings nicht. Gmeiner rechnet heuer mit rund 20 Prozent weniger Ertrag als in einem durchschnittlichen Jahr. Die Trauben seien kleiner geblieben. Für ihn ist das jedoch kein Grund zur Sorge: „Bei uns zählt Qualität vor Quantität.“
Weniger Menge, dafür viel Aroma
Auch beim späteren Wein erwartet Gmeiner deutliche Auswirkungen des heißen Sommers. Der Jahrgang dürfte kraftvoll, aromatisch und voluminös ausfallen. Durch die höheren Zuckerwerte sei außerdem mit einem etwas höheren Alkoholgehalt zu rechnen.
Die Weinlese wird bei Gmeiner heuer früher beginnen. Da viele Trauben bereits reif und in sehr gutem Zustand seien, werde voraussichtlich rund 14 Tage früher als üblich geerntet. Besonders viel Potenzial sieht er bei spätreifenden Sorten und Rotweintrauben. „Es kann ein Spitzen-Rotweinjahrgang werden“, so Gmeiner.
Entwicklung der Natur genau beobachten
Bei der Arbeit im Weingarten setzt er darauf, die Entwicklung der Natur genau zu beobachten und bei Bedarf zu reagieren. Schon im Frühjahr müsse entschieden werden, welche Qualität angestrebt werde. Wie sich der Sommer entwickle, könne zu diesem Zeitpunkt niemand wissen. Entscheidend sei daher, die Zeichen der Natur früh zu erkennen und die Bewirtschaftung entsprechend anzupassen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Boden. Tiefgründige Böden und Lehmböden könnten Wasser besser speichern und seien in Trockenperioden klar im Vorteil. Schotterböden seien dagegen ungünstiger.
Bewässerung hilft durch trockene Wochen
Auch Stephan Greindl blickt trotz der Trockenheit zuversichtlich auf die bevorstehende Lese. Sein Betrieb habe in den vergangenen Jahren gezielt in Maßnahmen gegen Wetterextreme investiert. Dazu zählen eine Heizung gegen Spätfröste und eine Tröpfchenbewässerung für längere Trockenperioden.
Dadurch hätten sich die Trauben auch heuer gut entwickelt. Bis zur Lese könnten sie noch vollständig ausreifen. Dennoch sei der Trockenstress nicht überall gleich. Bei manchen Rebstöcken sei er deutlich stärker sichtbar als bei anderen. Das hänge sowohl von der Sorte als auch vom Boden ab.
Vorteil für tiefwurzelnde Reben
Vor allem ein hoher Schotteranteil mache sich bemerkbar. Je weniger Wasser ein Boden speichern könne, desto stärker zeige sich die Trockenheit an Pflanzen und Trauben. Tiefwurzelnde Reben hätten dabei einen Vorteil: Da Wein eine mehrjährige Kultur ist, erschließen die Pflanzen mit zunehmendem Alter auch tiefere Bodenschichten.
Lese könnte rund eine Woche früher starten
Greindl rechnet ebenfalls mit einem etwas geringeren Ertrag. Einen Teil der Traubenmenge habe er allerdings bereits vor der Trockenperiode bewusst reduziert, um eine höhere Qualität zu erreichen. Entscheidend seien nun die letzten Tage vor der Lese. Sie bestimmten mit, wie viel Saft und Zucker die Trauben noch entwickeln.
Bei den Zuckerwerten sieht Greindl derzeit lediglich eine leichte Steigerung gegenüber den vergangenen Jahren. Auch der Lesezeitpunkt dürfte sich nach seiner Einschätzung nur um rund eine Woche nach vorne verschieben. Genauere Aussagen zu Zucker, Säure und Gerbstoffen seien erst möglich, wenn die ersten Trauben gepresst wurden.
Weniger Pilzkrankheiten
Positive Begleiterscheinungen hat das trockene Wetter auch bei der Pflege der Weingärten. Pilzkrankheiten treten deutlich seltener auf als in feuchten Jahren. Auch die Unkrautbekämpfung zwischen den Rebstöcken konnte reduziert werden. Das spare Arbeitszeit und Kosten.
Besonders wichtig war heuer die Laubarbeit. Damit die Trauben bei den vielen Sonnenstunden keinen Sonnenbrand bekommen, musste auf eine passende Beschattung geachtet werden.
Gute Voraussetzungen für den Jahrgang 2026
Sowohl Gmeiner als auch Greindl erwarten trotz der außergewöhnlich trockenen Bedingungen einen qualitativ starken Jahrgang. Greindl rechnet mit etwas gehaltvolleren Weinen und insgesamt mit einem sehr guten Ergebnis. Wie sich der Jahrgang tatsächlich entwickelt, werde sich allerdings erst in einigen Monaten zeigen, wenn die Weine ausgebaut und abgefüllt sind.
Gmeiner geht ebenfalls von einem sehr guten Jahrgang mit viel Extrakt, Aroma und Volumen aus. Für ihn zeigt gerade ein Jahr wie 2026, wie unterschiedlich sich jeder Jahrgang entwickelt und wie stark der Weinbau von Wetter und Natur geprägt wird.
Alkoholfreier Wein
Abseits des Dürre-Themas beobachten beide Winzer auch die steigende Nachfrage nach alkoholfreien Getränken. Ob alkoholfreier Wein langfristig an Bedeutung gewinnt, sei derzeit schwer abzuschätzen. Als regionale Alternativen nennen sie unter anderem Traubensaft und Verjus.








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