27 Rotkreuz-Märkte helfen armutsgefährdeten Menschen
OÖ. Vor neun Jahren öffnete in Perg der erste Rotkreuz-Markt seine Pforten. Das Ziel: Menschen am Rand der Gesellschaft zu unterstützen. Mittlerweile betreibt das OÖ. Rote Kreuz im Bundesland bereits 27 Rotkreuz-Märkte. In neun Jahren stieg die Nachfrage um 500 Prozent. Die angelaufene Heizsaison und die bevorstehende Weihnachtszeit verschärfen die Situation armutsgefährdeter Menschen. Deshalb bitten Rotkreuz-Mitarbeiter im Dezember mit einer besonderen Aktion um Spenden.

Alleinerziehend, Mindestpensionsbezug, Arbeitssuchend: Es gibt viele Gründe, warum Menschen mit einem geringen Einkommen auskommen müssen. Rund 200.000 Menschen gelten laut Statistik Austria in Oberösterreich als armutsgefährdet - bundesweit sind es 1,5 Millionen. Ihr Leben ist geprägt von großen finanziellen und auch seelischen Sorgen. Von Armut betroffene Menschen müssen oft entscheiden: Soll ich heute die Stromrechnung bezahlen, die Wohnungsmiete oder den notwendigen Nachhilfeunterricht für meine Kinder.
„Armut ist oft erst auf den zweiten Blick sichtbar. Existenzsorgen und Nöte spielen sich meistens hinter verschlossenen Türen ab. Tausende Menschen sind in Oberösterreich armutsgefährdet. Wir wollen ihnen helfen. Die Gründung unserer Rotkreuz-Märkte war eine logische Konsequenz“, erklärt OÖ. Rotkreuz-Präsident Walter Aichinger, warum die landesweit größte humanitäre Hilfsorganisation im Dezember 2009 in Perg den ersten Rotkreuz-Markt eröffnete. Mittlerweile betreibt das OÖ. Rote Kreuz bundeslandweit 27 Rotkreuz-Märkte. Sie bieten Waren des täglichen Gebrauchs zu stark reduzierten Preisen an. Das Sortiment der Rotkreuz-Märkte variiert, je nachdem welche Produkte von den Kooperationspartnern und Spendern zur Verfügung gestellt werden.
Rotkreuz-Märkte gibt es in
- Eferding (EF)
- Hagenberg (FR)
- Unterweißenbach (FR)
- Grieskirchen (GR)
- Peuerbach (GR)
- Kremsmünster (KI)
- Leonding (LL)
- Mobiler RK-Markt Leonding (LL)
- St. Florian (LL)
- Perg (PE)
- Mobiler RK-Markt Perg (PE)
- Aigen (RO)
- Schärding (SD)
- Großraming (SE)
- Sierning (SE)
- Ennstal (SE)
- Steyr (SR)
- Vöcklamarkt (VB)
- Marchtrenk (WL)
- Stadl-Paura (WL)
- Gallneukirchen (UU)
- Ottensheim (UU)
Beitrag zur Menschenwürde
„Arme und armutsgefährdete Personen sind nicht auf Spenden angewiesen und fühlen sich deshalb nicht als Bittsteller“, meint Aichinger dazu. Ein geringes Einkommen ist keine Schande. „Ein Schicksalsschlag in der Familie, eine plötzliche Krankheit oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Armut kann jeden treffen, auch wenn unsere Gesellschaft diese Tatsache oft ausblendet. Viele Menschen rutschen schnell und unverschuldet in die Spirale nach unten. Deshalb haben wir beschlossen, unsere Sozialmärkte in Rotkreuz-Märkte umzubenennen“, erklärt der OÖ. Rotkreuz-Präsident.
Armutsbekämpfung: Einsatz in neun Jahren verfünffacht
Hilfe für armutsgefährdete Menschen nimmt im OÖ. Roten Kreuz einen immer größeren Stellenwert ein. Die landesweit 1102 freiwilligen Mitarbeiter in den Rotkreuz-Märkten leisteten 2017 gemeinsam 104.431 unentgeltliche Stunden. Mehr als 84.200 mal kauften Kunden in einem Rotkreuz-Markt ein. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 verzeichneten die Rotkreuz-Märkte 10.936 landesweit Einkäufe und 207 Mitarbeiter leisteten 22.847 freiwillige Stunden. „Unser Einsatz hat sich in nur neun Jahren beinahe verfünffacht“, rechnet Aichinger vor. „Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass Menschen in unserem direkten Umfeld unter dem Existenzminimum leben müssen. Unsere Gesellschaft ist nur dann stark, wenn sie auf die Schwächsten schaut.“
Weihnachtsaktion am 1. Dezember
In den kommenden Tagen verschärft sich die Situation für viele Menschen mit geringem Einkommen. Die Heizsaison ist angelaufen, das Weihnachtsfest steht vor der Tür und zusätzliche finanzielle Belastungen sind damit vorprogrammiert. „Gerade in der Zeit vor Weihnachten wollen wir unseren Kunden ein breites Sortiment anbieten“, erklärt Siegfried Holzer, der sich seit vielen Jahren freiwillig im Rotkreuz-Markt Perg engagiert. „Ich helfe gerne. Mit meinem freiwilligen Engagement im Roten Kreuz will ich einen sinnvollen Beitrag leisten und der Gesellschaft etwas zurückgeben“, nennt der der 66-jährige Pensionist aus Mauthausen den Grund, warum er für seine Mitmenschen unzählige freiwillige Stunden aufbringt.
Unter dem Motto „Kauf ein Stück mehr!“ werden Holzer und seine Kollegen am 1. Dezember vor diversen Lebensmittelmärkten im Bundesland stehen. Sie bitten Kunden, ein zusätzliches Produkt zu kaufen und dieses für die Rotkreuz-Märkte zu spenden. „Besonders begehrt sind Waren, die schnell vergriffen sind und deshalb nur selten in Rotkreuz-Märkten ankommen. Beispiele dafür sind: Seifen, Shampoos, Salz oder Mehl“, weiß Landesgeschäftsleiter-Stellvertreter Thomas Märzinger. Einkaufsberechtigt sind Personen, die über ein monatliches Einkommen von maximal 950 Euro verfügen (Ein-Personen-Haushalt). „Die 27 Rotkreuz-Märkte sind ein wichtiger Mosaikstein in unserem engmaschigen Netzwerk der Hilfe“, schließt Märzinger.


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