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Wenn der Arztbesuch zur Geduldsprobe wird: SPÖ Bezirk Perg startet Kampagne "Versorgen statt vertrösten"

Mag. Claudia Greindl, 12.06.2026 21:16

BEZIRK PERG. Lange Wartezeiten auf Operationen, unbesetzte Kassenarztstellen und steigende Belastungen für Gemeinden: Mit ihrer Kampagne „Platz für Gesundheit – Versorgen statt vertrösten“ macht die SPÖ auf Probleme im Gesundheitssystem aufmerksam. Besonders der Bezirk Perg stehe dabei vor großen Herausforderungen.

Präsentierten aktuelle Daten zur Gesundheitsversorgung im Bezirk Perg: SPÖ-Klubvorsitzende Sabine Engleitner-Neu und Landtagsabgeordneter Erich Wahl (Foto: SPÖ)

Beim Auftakt der Kampagne in Perg verwiesen SPÖ-Klubvorsitzende Sabine Engleitner-Neu und Landtagsabgeordneter Erich Wahl auf aktuelle Daten zur Gesundheitsversorgung im Mühlviertel. Demnach haben 69 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr entweder privat für Gesundheitsleistungen bezahlt oder eine Zusatzversicherung abgeschlossen.

„Wer am meisten auf das System angewiesen ist, trägt derzeit die höchste Privatlast. Das System versagt genau dort, wo es am dringendsten gebraucht wird“, sagt Engleitner-Neu.

Frauenarztstellen fehlen

Besonders deutlich zeige sich die Situation im Bezirk Perg bei der medizinischen Versorgung. Mit 1. April 2026 waren laut SPÖ zwei von drei Kassenstellen für Frauenärzte unbesetzt. Auch in der Allgemeinmedizin gibt es drei offene Stellen. Gleichzeitig berichten viele Patienten von langen Wartezeiten auf Facharzttermine und Behandlungen.

104 Wochen Wartezeit auf Knie-OP

Nach Angaben der SPÖ müssen Menschen in Oberösterreich teilweise bis zu 104 Wochen auf eine Knieoperation warten. „Das ist medizinisch und menschlich inakzeptabel. Gerade Menschen aus dem Bezirk Perg orientieren sich oft nach Linz, wenn sie nicht wissen, wo es freie Kapazitäten gibt“, betont Engleitner-Neu.

Auch die Zufriedenheit mit den Wartezeiten bei Frauenärzten liegt im Mühlviertel laut den präsentierten Daten deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

Gemeinden zahlen Millionen

Neben den Patienten seien auch die Gemeinden zunehmend belastet. Der Krankenanstaltenbeitrag steigt seit Jahren an. Für die Stadt Perg belaufen sich die Kosten laut SPÖ im Jahr 2026 auf rund 3,9 Millionen Euro. Die Gemeinde Katsdorf muss mehr als eine Million Euro aufbringen.

„Für das Spitalswesen ist das Land Oberösterreich zuständig. Entscheidungen werden ohne die Gemeinden getroffen, zahlen müssen sie aber fast genauso viel wie das Land“, kritisiert Wahl.

Landesweit steigen die Gemeindebeiträge für die Spitalsfinanzierung heuer auf insgesamt 623 Millionen Euro. Im Jahr 2020 lag dieser Betrag noch bei 380 Millionen Euro.

Forderung nach mehr Kassenärzten

Die SPÖ fordert daher mehr Kassenärzte in ländlichen Regionen, eine maximale Wartezeit von sechs Monaten für planbare Operationen sowie stärkere Investitionen in die Gesundheitsvorsorge.

„Deshalb braucht es unbedingt einen Ausbau der Basisausbildung in Oberösterreich. Zusätzlich sollten finanzielle Anreize wie Praxisgründungsförderungen gezielt eingesetzt werden, um junge Mediziner nach ihrer Ausbildung im Land zu halten“, sagt Wahl.

Engleitner-Neu ergänzt: „Gesundheit darf keine Frage des Geldbörserls sein. Gerade das Mühlviertel, wo die Wege zu Fachärzten weit sind, ist auf gute politische Lösungen angewiesen.“


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