Helga Nöbauer: „I moan ja nur...“
PEUERBACH. Vor 25 Jahren entdeckte Helga Nöbauer ihre Leidenschaft zum Mundartdichten. Bis heute hat sie mehr als 100 Gedichte verfasst, die einmal amüsant, ein andermal kritisch von der Welt erzählen. Eines ist jedoch klar: die 71-Jährige nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn sie ihre Gedanken zu Papier bringt. Vor Kurzem konnte sich die Peuerbacherin über ihr erstes gedrucktes Gedichtsbuch freuen und schreibt bereits an Büchlein Nummer zwei.

Das Christkind war es, das Helga Nöbauer zu Weihnachten vergangenen Jahres mit einem Buch überraschte. Es war aber nicht irgendein Buch, das da unterm Christbaum lag, sondern das gedruckte Erstlingswerk ihrer selbst geschriebenen Gedichte – ein Geschenk ihrer Familie. Mehr als 100 Gedichte sind es bereits, die die Peuerbacherin seit den Anfängen verfasst hat. Grund genug für die 71-Jährige bereits an ihrem zweiten Band zu arbeiten. Ihre Ideen bekommt Helga Nöbauer „aus dem Fernsehen oder wenn mich persönlich etwas bewegt. Dann habe ich einen Gedankengang und den spinne ich dann weiter“. Daraus resultiert auch der Titel ihres ersten Buches. Gedichte schreibt sie, weil es ihr einfach Spaß mache. „Außerdem schenke ich zu besonderen Anlässen gerne persönliche Präsente und dazu gehört auch immer ein Gedicht“, erklärt die 71-Jährige, die seit drei Jahren ihre Verse am Laptop verfasst. Da wird dann schon mal das eine oder andere Mundartgedicht per E-Mail verschickt, erzählt die rüstige Peuerbacherin. „Geht ja viel einfacher“.
Aktuell und kritisch
Neben amüsanten Stücken schreibt Helga Nöbauer gerne an tagesaktuellen, politischen und auch kritischen Stücken. „Meine Gedichte sind jedenfalls nicht einseitig. Da kommen Katzen genauso vor wie Politiker oder meine Freunde. Alles, was sich um mich herum so abspielt“, erklärt die Peuerbacherin. Da werden dann schon einmal Missstände in der Gemeinde aufgezeigt oder über die Vorteile eines Rasenmäherroboters berichtet, alles liebevoll verpackt in Gedichtszeilen. Auch „Rateonkel“ Armin Assinger, „Wetterfee“ Christa Kummer, oder die ehemalige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner haben im Buch von Helga Nöbauer Platz gefunden. „Wenn mich etwas bewegt, kann ich das mit meinen Gedichten bewältigen. Auf einmal packt es mich, dann muss ich gleich aufschreiben, was mir durch den Kopf geht.“Helga Nöbauer liebt die Mundart und den Umgang mit ihr. Dass diese einmal aussterben oder durch Anglizismen ersetzt werden könnte, glaubt die 71-Jährige nicht. „Ich bin ursprünglich aus dem Mühlviertel und zumindest dort wird“s immer eine Mundart geben. Die Mühlviertler sind nämlich stur. Aber es stimmt schon, die jungen Leute verstehen oft die ganz alten Ausdrücke nicht mehr. In meinem Buch schreibe ich eine gemäßigte Umgangssprache, da versteht sicher jeder, was drinnen steht“, meint Nöbauer. Für ihr nächstes Gedicht hat die Peuerbacherin auch schon eine Idee im Kopf: Es wird sich um die Pflanze Hauswurz, die auch das Cover des ersten Buches der 71-Jährigen ziert, drehen. „Weil sie oft im Garten vorkommt und es eine ganz normale Pflanze ist. Sie ist nicht so schnell auszurotten, genau wie ich“, schmunzelt die Peuerbacherin. Neben der Hauswurz könnte aber auch dem neuen Bundespräsident das eine oder andere Gedicht gewidmet werden, verrät sie.
Mundartgedicht von Helga Nöbauer
Nu hofft ma
Ang“fangt hat“s neue Jahr
und Wünsche hätt ma, die List“n wurd net so schnell gar.
Ma wünschat si G“sundheit und a lang“s Leb“n
und hofft, des tuat“s für mi und die Meinen geb“n.
Ma wünschat si Fried“n auf der ganz“n Welt,
wei des des Oanzige is, was zählt.
Aber die Wirklichkeit schaut anders aus,
da stellt“s oan d“Haar auf, des is a Graus.
Schau i in da Fruah d“Zeitung a
nur Horrormeldungen, dass ma“s kaum begreif“n kann.
Und die Bilder im Fernseh“n, die bringan oan fast um den Verstand,
unheimli vü Flüchtling ziagn von Land zu Land.
Sie trauman von Moschee“n, Geld und Fried“n,
genau so hoffnunslos wia i von an Lottogewinn.
Wei überall auf der Welt gibt“s Bomb“n, Terror und Kriag
und wen“g Chanc“n, dass bald besser wird.
Leider ziag“n d“Politiker da net an oan Strang,
bis die amoi Schritte setz“n, dauert“s ewig lang.
Ma wünschat si, a Handschlag hat nu Qualität,
oder wann oaner sei G“sicht verliert, dass er en Huat nimmt und geht.
Aber solche Werte san heit nimmer g“fragt,
des siacht ma Tag für Tag.
Wirtschaftskrise, Finanz-Bank“n und Flüchtlingskrise, dazua nu da Schuldenberg,
des is des, was ma dauernd hört.
Dazua kimmt nu die Krise von mir,
mit die Kris“n nimmt“s koa End“, so kimmt mir des vür.
A Krise da, a Krise dort,
brenna tuat“s fast an jed“n Ort.
Drum müaßat“n Leit, vo de die Stimm nu hat a G“wicht,
Verhandl“n, Verhandl“n, dass net nu mehr Kriag ausbricht.


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