Zwei Peuerbacher in Usbekistan: „Ihr müsst sofort das Land verlassen“
PEUERBACH. 40 Länder auf vier Kontinente haben Elsa Maurer und Atti Lakatos schon gemeinsam bereist. Sei es Iran, Myanmar, Togo, Nicaragua oder Ghana - umso außergewöhnlicher, umso besser finden es die beiden Weltenbummler aus Peuerbach. Heuer stand eine Reise nach Usbekistan an. Aus den geplanten 16 Urlaubstagen wurden nur acht, denn plötzlich hieß es: „Ihr müsst sofort das Land verlassen.“

Am liebsten erkunden die beiden Peuerbacher individual und mit dem Rucksack die Welt. „Reisen macht uns glücklich und vollkommen“, erzählt Elsa Maurer. Mit einem eigenen Reiseblog wollen die beiden versuchen gewisse Vorstellungen und Vorurteile durch die Wirklichkeit zu korrigieren. „Wir wollen den Leuten zeigen, dass unsere Welt wundervoll ist. Und dass sie oft viel mehr ist als das, was sie sich vorstellen“, so Maurer. „Denn es ist unglaublich schade, dass manche Orte und Länder dieser Erde, großteils aufgrund der Medien, total negativ behaftet sind. Fährt man dann in diese Länder, lernt man ganz andere Seiten kennen. Vor allem unsere Reise in den Iran hat uns damals geprägt – noch nie haben wir gastfreundlichere Menschen erlebt wie dort“, so die Peuerbacherin.
Reiseabbruch in Usbekistan
Gerade erst vor fünf Wochen sind Elsa und Atti aus Usbekistan zurückgekommen – viel früher als geplant, aufgrund des Corona-Virus. „Die Heimreise war auch mehr als abenteuerlich. Was wir jedoch in den wenigen Tagen in Usbekistan erlebt haben, ist vor allem eines: ein wundervoll herzliches Volk, das unglaublich (gast-)freundlich ist, eine Architektur und Bauwerke, die einen nur so Staunen lassen, und Erlebnisse, die uns wieder Mal gezeigt haben, dass wir Menschen in unseren Herzen doch alle gut sind. Schade, dass dieses Land bei den meisten nicht auf dem Reise-Radar steht“, erzählt Maurer.
Panikmache und Ernstfall
Einen Tag vor ihrer Abreise nach Usbekistan war die Lage in Österreich noch entspannt: „Auch wenn Corona schon in aller Munde war, sahen wir keine große Gefahr: alles Panikmache, dachten wir uns. In den Nachrichten wurde kommuniziert, dass die Fälle in Norditalien immer mehr werden und man als Österreicher die Einreise vermeiden sollte. In Usbekistan gab es noch keinen bestätigten Corona-Fall. Also nichts, was uns an unserer Reise hindern sollte“, schildert Maurer. Nach ihrer Landung in usbekischen Hauptstadt Tashkent, durften sie vorerst nicht den Flieger verlassen. „Ein Sicherheits-Trupp in Schutzkleidung kam in das Flugzeug und kontrollierte bei jedem Passagier die Körpertemperatur. War sie erhöht, musste ein weiterer Test gemacht werden. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch immer keinen offiziell bestätigten Fall in Usbekistan.“
Heimflug gestrichen
Am Sonntag, 15. März, an ihrem achten Tag in Usbekistans, bemerkten sie, dass ihr regulärer Heimflug gecancelt wurde. Turkish Airlines ließ keine österreichischen Staatsbürger mehr in ihre Flieger. „Also haben wir ernsthaft über die Situation gesprochen und uns geeinigt, länger zu bleiben, sollten wir nicht mehr nach Österreich einreisen dürfen. Wir haben uns bereits über die Nachbarstaaten informiert und uns entschlossen, noch weitere Länder zu besuchen. Lieber länger herumreisen, als frühzeitig heimzufahren“, war die Devise der beiden.
Das Land verlassen – sofort!
Elsas Mutter informierte sich indes in Österreich beim Bürgerservice-Telefon: „Ihr Kind soll umgehend das Land verlassen. Sofort!“, hieß es vom anderen Ende der Leitung. „Nun wussten wir, wir müssen uns beeilen. Jedoch einen Heimflug zu bekommen, war gar nicht so einfach. Viele Airlines und Staaten haben zu diesem Zeitpunkt bereits verkündet, keine österreichischen Staatsbürger mehr anzunehmen. Als einzige Möglichkeit blieb uns der Transfer über Moskau. Last-Minute bekamen wir einen Heimflug mit Aeroflot: Wir buchten um 23 Uhr, der Flieger ging nur sieben Stunden später“, so die Peuerbacherin.
Usbekistan ist dicht
Angekommen in Wien am Flughafen wurde bekannt: Usbekistan ist dicht. Der erste Corona-Fall im Land wurde bestätigt. Die Grenzen sind geschlossen. Der gesamte Flug- und Zugverkehr wurde eingestellt. Schulen sind geschlossen, Shops sind zu. „Wir konnten es nicht glauben. Noch 20 Stunden zuvor saßen wir bei Pizza und Palatschinken in Samarkand, völlig entspannt und unwissend, dass sich die Lage vor Ort so schnell und drastisch verändern könnte. Die Entscheidung, die Reise abzubrechen, fiel uns enorm schwer. Doch wie wir sehen, war sie definitiv die richtige. Wir sind unendlich froh und dankbar, es so rasch nach Österreich geschafft zu haben“, so Maurer.
Reisen: Investition in sich selbst
Auslandsreisen sind derzeit aufgrund der Corona-Krise kaum möglich. Für später aber, wenn sich die Situation wieder beruhigt hat und das Virus überstanden ist, appellieren die Weltenbummler an die Menschen: „Geht auf Reisen. Nirgendwo lernt man so viel über die Welt, aber auch über sich selbst kennen. Investiert in das Reisen – und ihr investiert in euch selbst.“


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