"Es ist egal, ob unter dem Helm lange oder kurze Haare sind"
PÖCHLARN. Gerald Woldrich lebt von und für Motoren. 2013 kürte sich der heute 42-Jährige zum österreichischen und tschechischen Rallyecross-Staatsmeister. Tips hat den leidenschaftlichen Autofan in seiner Werkstatt besucht und mit ihm über Strafzettel, Imageprobleme, Niki Lauda und Frauen gesprochen.

Derzeit liegt Gerald Woldrich in der Rallycross Meisterschaft SuperTouring Cars +2000 auf Rang zwei. Die Saison ist voll im Gange, der Vize-Meistertitel ist für Woldrich, der mit einem Mercedes C250 unterwegs ist, zum Greifen nah: „Damit bin ich mehr als zufrieden, denn ich fahre derzeit nur ausgewählte Läufe zur österreichischen Meisterschaft.“ Der Grund: Woldrich arbeitet gerade an einem neuen Rennwagen. Den bisherigen Höhepunkt in seiner Rennfahrer-Karriere feierte er 2013, als er den österreichischen und tschechischen Staatsmeistertitel einfuhr – und das, obwohl er erst zwei Jahre zuvor in die Rennserie eingestiegen war. Der Pöchlarner ist – wie sollte es anders sein – gelernter KFZ-Techniker. 2012 hat er sich selbstständig gemacht, 2016 wurde mit dem Bau einer neuen Werkstatt begonnen – der Motorsport musste deshalb zurückgeschraubt werden. In den kommenden Jahren will der 42-Jährige mit einem neuen Wagen aber wieder voll angreifen.
„Man darf keine Angst haben“
Woher diese Auto-Leidenschaft rührt, sei schwer zu sagen. Jedenfalls war sie früh da. „Ich bin als kleiner Bub schon am Traktor gesessen, als Jugendlicher bin ich mit dem Moped zu Rennen zuschauen gefahren. Die Motoren, die Geräusche, das hat mich immer schon fasziniert.“ Mit seiner Passion hat der dreifache Vater mittlerweile auch Frau und Kinder infiziert. Zu Wettkämpfen wird er stets von seiner Familie begleitet, die Söhne schlagen beruflich bereits ähnliche Wege wie der Vater ein. Ganz ungefährlich ist Woldrichs Leidenschaft jedenfalls nicht. Immer wieder kommt es zu Unfällen. Spielt Angst da manchmal auch eine Rolle? „Ja“, antwortet Ehefrau Gabriele Woldrich, noch bevor es ihr Mann tun kann und erinnert sich an einen Fast-Überschlag ihres Gatten, den sie von den Zuschauerrängen aus beobachten musste, zurück. Ihr Rallyefahrer-Mann sieht das naturgemäß anders: „Angst darfst du keine haben. Rallyecross ist ein Kontaktsport, da kommt es immer wieder zu kleineren Rangeleien. Aber an sich ist Rallyecross relativ sicher, die Geschwindigkeiten sind mit zwischen 90 und 140 km/h nicht sehr hoch.“
Kein Rowdy
Apropos Geschwindigkeit – kann sich ein Rallyefahrer im normalen Straßenverkehr zügeln? Ob Gerald Woldrich wohl schon einen Strafzettel wegen überhöhter Geschwindigkeit bekommen hat? „Ja, nicht nur einen“, gibt der KFZ-Meister schmunzelnd zu. „Aber ich bin kein Rowdy. Den Führerschein musste ich noch nie abgeben.“ Fährt man denn gerne vor einem Gerald Woldrich? „Es kommt selten vor, dass jemand vor mir fährt“, antwortet er augenzwinkernd.
Starke Frauen
Motorsport ist nach wie vor eine Männerdomäne. In der Geschichte der Formel 1 gab es bisher erst eine Frau, die in die WM-Punkteränge fahren konnte – die Italienerin Lella Lombardi holte 1975 einen halben WM-Punkt. „Bei uns in der Rallyecross-Szene haben wir sehr starke Frauen. Sie fahren um nichts schlechter, sind ebenbürtige Gegner. Es wird kein Unterschied gemacht. Es ist egal, ob unter dem Helm lange oder kurze Haare sind“, erzählt Woldrich. Nicht egal ist ihm allerdings das Imageproblem, mit dem der Motorsport zunehmend zu kämpfen hat. „Das Publikum hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. In meiner Jugend war Rallyesport irrsinnig populär, das ist heute nicht mehr so. Das macht natürlich auch die Suche nach Sponsoren schwieriger. Aber es hat in den letzten Jahren auch wieder positivere Entwicklungen gegeben, es gibt wieder mehr Rennserien und Fahrer.“
Woldrich als Beifahrer
Vor Kurzem starb mit Niki Lauda Österreichs berühmtester Motorsportler. War sein Tod auch Thema in der Rallyecross-Szene? „Ja, die Anteilnahme war natürlich da. Sein Lebensweg war beachtlich. Er hat die Möglichkeiten, natürlich auch die finanziellen, die er bekommen hat, voll genutzt. Zu seiner Zeit waren Fahrer noch mehr in die Entwicklung der Autos eingebunden. Diesbezüglich hat Niki Lauda einiges drauf gehabt.“ Stichwort draufhaben – was macht eigentlich einen guten Rallyecrossfahrer aus? „Man braucht ein gutes Gefühl für das Fahrzeug und eine schnelle Reaktion. Die Strecken sind kurz, jeder kleine Fehler wird sofort bestraft. Man bewegt sich immer im Grenzbereich“, erklärt der Staatsmeister von 2013. Ob der wohl nicht nur ein guter Fahrer, sondern auch ein guter Beifahrer ist? „Naja“, hat Woldrichs Frau Gabriele schneller eine Antwort parat. „Ich nörgle vielleicht ein bisschen, aber ich bin kein ängstlicher Beifahrer“, gesteht der Pöchlarner Motorsportler mit einem breiten Grinsen.


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