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Vorzeigeprojekt "Nachbarschaftshilfe Plus": wenn Ehrenamtliche Zeit schenken

Katharina Vogl, 19.07.2018 18:53

KIENBERG. Maria und Franz Pulker aus Kienberg in der Gemeinde Pölla ist das Autofahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. Dank des innovativen Sozialprojekts „NachbarschaftsHILFE PLUS“ können die beiden dennoch ihren Einkaufs- und Arztwegen nachgehen. Denn „miteinander füreinander da zu sein“, ist die Devise des Projekts.

Willibald Ziegelwagner (l.) brachte Franz und Maria Pulker nach Zwettl. Foto: KaVo
  1 / 2   Willibald Ziegelwagner (l.) brachte Franz und Maria Pulker nach Zwettl. Foto: KaVo

Der Termin beim Orthopäden in Zwettl ist erledigt, nun steht für das Ehepaar Pulker noch der Besuch eines Lebensmittelmarktes sowie einer Drogerie am Programm. Chauffiert werden die beiden von Willibald Ziegelwagner, einer der 24 Personen, die sich ehrenamtlich am neu gestarteten Projekt „NachbarschaftsHILFE PLUS“ beteiligen.

„Das heute ist meine zweite Fahrt. Zu helfen ist mindestens so schön, wie wenn einem geholfen wird. Das ist eine Win-Win-Situation und man weiß nie, ob man es nicht mal selber braucht“, erzählt Willibald Ziegelwagner. Vor allem im ländlichen Gebiet sei es wichtig, dass ältere Leute so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden verweilen können, meint Ziegelwagner.

Für Maria Pulker und ihren Mann ist das Projekt eine absolute Bereicherung. „Wir nutzen das Angebot für Arzt- und Einkaufsfahrten und nehmen es rund einmal wöchentlich in Anspruch. Heute ist es glaube ich das 13. Mal“, freut sich die 75-Jährige über die Hilfsbereitschaft.

Dienste rein sozialer Natur

Allerdings sind die Dienste nicht zu verwechseln mit Pflegediensten oder hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, wie dies bereits andere Organisationen abdecken. So fällt in das Angebot etwa der Fahr- und Bringdienst, das Einkaufsservice, der Besuchsdienst (tratschen, Karten spielen), der Spazierdienst, die Kinderbetreuung „Leih-Oma“, der Notfalldienst (kurzzeitige Überbrückungshilfe) oder Informationen zu sozialen Themen. Wichtig: für denjenigen, der es in Anspruch nimmt, entstehen keinerlei Kosten.

„Uns ist es so wichtig, dass auch die ältere Generation die Sicherheit hat, zu ihrem Einkauf oder zum Arzt zu kommen. Das Kilometergeld für die Fahrten übernehmen wir als Gemeinden, das ist es uns wert“, ist Bürgermeister Günther Kröpfl (VP) stolz auf das Sozialprojekt, das gemeinsam mit der Nachbargemeinde Röhrenbach gestartet wurde. Sehr gerne würde man es zukünftig auch auf andere Gemeinden ausrollen.

Interview mit Koordinatorin Romana Fröhlich

Für die Koordination der Termine und Fahrten in der Gemeinde Pölla ist Büro-Mitarbeiterin Romana Fröhlich zuständig. Tips hat mit ihr geplaudert.

Tips:Seit wann gibt es das Projekt „NachbarschaftsHILFE PLUS“ und wie ist es angelaufen?

Romana Fröhlich: Das Projekt NachbarschaftHILFE PLUS startete am 3. April 2018 in den Gemeinden Pölla und Röhrenbach. Der Start war sehr positiv und es meldeten sich gleich zu Beginn über 25 Personen die sich ehrenamtlich engagieren wollten. Das Angebot ist derzeit nur für Einwohner der beiden genannten Gemeinden gedacht, obwohl wir auch schon Anfragen aus anderen Gemeinden verzeichnen. Daher hoffen wir das Projekt bald auch auf andere Kommunen auszubreiten zu können.

Tips:Wie viele Ehrenamtliche arbeiten derzeit mit?

Fröhlich: In der Gemeinde Pölla verzeichnen wir 14 und in der Gemeinde Röhrenbach 20 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Tips:Welche Dienste werden besonders häufig in Anspruch genommen?

Fröhlich: Am meisten werden Fahr- und Bringdienst, Einkaufsservice und Besuchsdienst in Anspruch genommen. In den ersten beiden Monaten haben wir auch viele Personen zuhause besucht und ihnen das Projekt vorgestellt. Viele freuten sich sehr darüber und würden gerne häufiger besucht werden. Die Besuchsdienste werden noch zögerlich in Anspruch genommen, einige Personen „trauen“ sich noch nicht anzurufen oder möchten niemanden „zur Last fallen“. Dabei machen unsere Ehrenamtlichen das wirklich gern.

Tips:Wie fällt das Feedback derjenigen aus, die das Angebot in Anspruch nehmen?

Fröhlich: Durchwegs positiv. Die Bevölkerung aus den beiden Gemeinden ist sehr froh darüber. Es ist sowohl für die Ehrenamtlichen als auch für die Klienten eine Win-Win Situation. Die Ehrenamtlichen haben ein gutes Gefühl, weil sie Spaß hatten und helfen konnten. Die Klienten brauchen sich keine Sorgen mehr zu haben was die Bewältigung von alltäglichen Dingen betrifft und können so länger in der Gemeinde leben.

Tips:Was ist eure Vision?

Fröhlich: Dass das Projekt in allen Gemeinden des Waldviertels umgesetzt wird und so viele Menschen (Ehrenamtliche und Klienten) davon profitieren. Auch möchten wir es schaffen, das Projekt in ganz Niederösterreich bekannt zu machen, das wäre ein toller Erfolg.


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