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Wertschätzung oder Zwang: Diskussion über Bürgermeisterbesuch bei Altersjubilaren

Sabrina Lang, 07.02.2018 11:18

POLLHAM. Älteren Menschen eine besondere Ehrung auszusprechen, hat in der Gemeinde Pollham eine lange Tradition. Für Diskussion sorgt nun, dass, wenn der Bürgermeister oder ein Vertreter nicht persönlich gratuliert, es auch kein Geschenk für den Jubilar gibt. Von Respekt­losigkeit und Zwangsbeglückung spricht Hans Giglleitner, Bürgermeister Ernst Mair verbindet mit der persönlichen Gratulation Wertschätzung und Bürgernähe.

In Pollham wird über den persönlichen Besuchs des Bürgermeisters bei Altersjubilaren diskutiert.
  1 / 3   In Pollham wird über den persönlichen Besuchs des Bürgermeisters bei Altersjubilaren diskutiert.

 “Über Jahrzehnte war es in der Gemeinde so üblich, dass alle Altersjubilare von der Gemeinde zum Geburtstag einen Gutschein erhielten. Wenn ein Jubilar den Hausbesuch des Bürgermeisters ablehnte, wurde die Geschenkübergabe auf dem Postweg oder über einen bevollmächtigten Angehörigen erledigt. In meiner Bürgermeister-Ära erhielt jeder Jubilar das von der Gemeinde vorgesehene Geschenk. Alles andere wäre höchst ungerecht gewesen, denn es gab ja auch Jubilare, bei denen wegen großer gesundheitlicher Probleme kein Besuch des Bürgermeisters erwünscht war“, erklärt der ehemalige Bürgermeister Hans Giglleitner (Liste GIG).

Wertschätzung und Bürgernähe

Für den amtierenden Ortschef Ernst Mair ist ein persönlicher Besuch bei den Altersjubilaren hingegen selbstverständlich, denn dies vermittle persönliche Wertschätzung gegenüber den in der Gemeinde wohnhaften Bürgern. Ebenso sei es gelebte Bürger­nähe. In der letzten Gemeinderatssitzung wurden die Abwicklung der Gratulationen und die Geschenke neu geregelt. Dies sei laut Mair notwendig gewesen, da bei den Ehrungen in den letzten Jahren (der letzte Gemeinderatsbeschluss zu diesem Thema wurde 1979 gefällt, Anm.) keine Rechtkonformität zwischen der Beschlussfassung und der gelebten Praxis mehr bestanden hätte. „Es war, auch wenn es nicht in einem Beschluss festgehalten war, auch immer selbstverständlich, dass der Bürgermeister oder ein Gemeindevertreter zu Besuch kommt und das Geschenk überreicht. Ich glaube nicht, dass jemals ein Geschenkkorb mit der Post verschickt, in den Postkasten geworfen oder vor die Haustür gestellt wurde – das wäre unpersönlich und würde auch den Sinn verfehlen“, erklärt Mair.

Respektloses Verhalten

Währenddessen wirft Hans Giglleitner dem Bürgermeister respektloses Verhalten vor. Im konkreten gehe es dabei um die Mutter von Giglleitner, die im vergangenen Jahr zum 89. Geburtstag in einem Briefschreiben keine Ehrung durch den Bürgermeister wünschte und deshalb auch kein Geschenk bekam. Vor zwei Jahren wurde noch ein Gutschein per Post verschickt. Der Grund dafür war, dass kein persönlicher Kontakt mit Frau Giglleitner bestand, um bestätigt zu bekommen, dass auch wirklich keine persönliche Ehrung gewünscht wird. Zum anderen wollte Mair mit dieser Aktion ein Entgegenkommen mit der Familie Giglleitner symbolisieren. Nachdem 2017 erneut mitgeteilt wurde, dass keine Ehrung gewünscht wird, wurde von Seiten der Gemeinde auch kein Gutschein per Post verschickt. Diese Handhabe stößt bei Hans Giglleitner auf Unverständnis.

So handhaben es andere Gemeinden

Tips fragte bei Gemeinden in der Region nach, wie sie es mit der Gratulation von Altersjubilaren halten. Wenn in Schlüßlberg ein Jubilar keinen Besuch wünscht, kommt der Betrag für das vorgesehene Geschenk in einen Sozialtopf, in Michaelnbach und Natternbach gratuliert auch der Bürgermeister persönlich. Ist dies nicht gewünscht, gibt es keinen Besuch und auch kein Geschenk. Genauso handhabt es Maria Pachner in der Stadt Grieskirchen. „Mit ist es ein persönliches Anliegen, persönlich zu gratulieren – daher besuche ich die Jubilare in den allermeisten Fällen persönlich. Wir gratulieren mittels Gratulationsschreiben einerseits und mit Trattnachtalern bei Geburtstagen, unsere Ehejubilare erhalten eine Geschenkbox. Wenn keine persönliche Ehrung gewünscht wird, wird nur mittels Gratulationsschreiben gratuliert“, so Pachner.


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