Tauchgruppe West: "Wo Sporttauchen aufhört, fängt unsere Tätigkeit erst an"
MOSTVIERTEL. Unter schwierigen Bedingungen gilt es für die freiwilligen Feuerwehrtaucher oft in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Tips unterhielt sich mit Friedrich Brandstetter, dem Kommandanten des Niederösterreichischen Tauchdienstes, über Einsätze und Aufgaben der Feuerwehrtaucher.

Personensuche, Menschenbergung, Sicherungsarbeiten im und unter Wasser, technische Hilfeleistungen sowie die Bergung von Sachgütern, Fahrzeugen und sonstigen Gerätschaften zählen zu den Aufgaben der Feuerwehrtaucher der Tauchgruppe West. „Die Mannschaft setzt sich derzeit aus 27 aktiven Tauchern zwischen 25 und 60 Jahren zusammen und ist im Zeughaus der Freiwilligen Feuerwehr Purgstall an der Erlauf stationiert“, erklärt Friedrich Brandstetter und ergänzt: „Das Team ist für Einsätze in den Bezirken Amstetten, Scheibbs, Melk, Lilienfeld sowie für St. Pölten Stadt und Land zuständig.“
Harte Ausbildung
Mit rund 1800 Ausbildungsstunden in drei Jahren ist die Ausbildung zum Feuerwehrtaucher die intensivste Ausbildung, die der Lehrgangskalender der Niederösterreichischen Landesfeuerwehrschule zu bieten hat. Körperlich und geistig ist diese Ausbildung fordernd. In der Regel stellen sich nur rund ein Drittel der Interessierten der ersten Hürde – dem Modul „Taucher Basis“.
Bevor die viertägige Prüfung in der NÖ Landesfeuerwehrschule allerdings abgelegt werden darf, um als Tauchhelfer eingesetzt werden zu können, bedarf es einer intensiven Ausbildung in der Tauchgruppe selbst. Körperliche Fitness und Kameradschaft sind die beiden obersten Gebote. Ein Tauchgerät sieht man im ersten Jahr nur an den Ausbildnern. Die Tauchanwärter müssen alles Apnoe – das bedeutet ohne Gerät, mit einem Lungenzug abzutauchen – bewältigen: Zeittauchen, Streckentauchen, Knoten unter Wasser anschlagen, Gegenstände bergen und sogar einen Schieber zusammenbauen.
Einblick in den Ausbildungsalltag
Nach der Tagwache um fünf Uhr stehen Morgensport, Körperpflege, Frühstück, Lehrsaal, See, Mittagessen, eine Stunde Pflichtruhe, dann wieder auf den See, Abendessen und wieder Lehrsaal bis 22 Uhr am Programm. Im Rahmen der drei Teile des Moduls „Taucher 1“ werden die Auszubildenden mit einfachen Übungen an die Herausforderungen des Taucheinsatzes herangeführt. Es gilt vor allem bei den ersten Teilen das Handling der Gerätschaften unter Wasser zu perfektionieren und vollständig zu verinnerlichen. „Es muss zum normalsten auf der ganzen Welt werden, durch einen Atemregler zu atmen. Keine Sicht darf niemanden stören“, erklärt Brandstetter.Seit 1980 selbst Feuerwehrtaucher und seit 2002 Kommandant des Niederösterreichischen Tauchdienstes, hat er schon alles gesehen und erlebt. „Wir müssen die Taucher auf alle Eventualitäten vorbereiten. Es ist wichtig ihnen vor Augen zu führen, dass da wo Sporttauchen aufhört, unsere Tätigkeit erst anfängt“, unterstreicht Brandstetter die Wichtigkeit der intensiven Ausbildung.
Verbindung zum Land
Mit dem Unterwasserkommunikationssystem, dem Tauchertelefon, ist es möglich, die Verbindung mit dem Taucheinsatzleiter zu halten. „Die Einrichtung ermöglicht es, Tauchzeiten zu verkürzen und Gefahren auszuschalten. Bei psychologisch anspruchsvollen Einsätzen ist das Tauchertelefon mentale Stütze für die Einsatzkräfte unter Wasser“,informiert Brandstetter.


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