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Feinste Elektroakustik mitten aus dem Wald

Katharina Vogl, 20.07.2017 10:15

RAPPOTTENSTEIN. Computermusik verbindet man auf den ersten Blick mit sterilen Studios, der städtischen Szene und in weiterer Folge vielleicht mit Clubs und Diskotheken. Dass das nicht zwingend der Fall ist, zeigt uns die Electric Orpheus Academy mit Sitz in Rappottenstein. Aus einem Wäldchen, ganz abgelegen, erklingen elektroakustische Kompositionen. Gerade eben finden dort die Meisterkurse statt, die das Sommerprogramm eröffnen.

Die alte Sägewerkshalle, für Alexandra Sommerfeld und Günther Rabl der perfekte Schaffensort.
  1 / 4   Die alte Sägewerkshalle, für Alexandra Sommerfeld und Günther Rabl der perfekte Schaffensort.

Das Schild am Wegesrand deutet auf eine Sackgasse hin, immer tiefer taucht man in den Wald ein, bis nach kurzer Zeit ein Dachspitz zwischen den Bäumen hervorlugt und man eine Lichtung erreicht. Das ist er, der Vereinssitz der Electric Orpheus Academy. Eine große Scheune sticht ins Auge, der Ort des Geschehens.

„Hier drinnen hat man eine traumhafte Akustik“, meint Günther Rabl, seines Zeichens Elektroakustik-Komponist, Studiobauer, Konzertveranstalter und Labelbetreuer. Momentan findet sich hier nur ein Teil des Lautsprecherorchesters, in etwa 15 Boxen. „Das heißt aber nicht zwingend, dass es laut wird, denn die Lautstärke wird besser im Raum verteilt transportiert“, erläutert Rabl. Das Wesentliche ist immer der bewusste Umgang mit den Lautsprechern, die „akustische Inszenierung“, wie Rabl es gerne nennt.

Einwöchiges Symposium

Zum achten Mal nahmen heuer 14 Leute verschiedensten Alters in der zweiten Juli-Woche an den Meisterkursen teil. Unter dem Motto „Rhythmus ohne Beat“ wurde auf Basis der experimentellen Situation gearbeitet - konzentriert, in Ruhe und „mit aller Zeit der Welt“. Hier sei Besinnung möglich. „Genau das muss man sich wirklich immer wieder erkämpfen, deswegen sind Orte wie diese hier so wichtig. Die Leute kommen gerne her, weil es auch einem „Reset“ gleichkommt“, meint Alexandra Sommerfeld, Schauspielerin und Lebensgefährtin von Rabl. Die Academy sei nicht als Lehrstelle sondern vielmehr als Ort zu verstehen, wo man sich austauscht und trifft.

„Als Komponist arbeitet man an einem Werk, wie ein Maler an einem Bild“, zieht Rabl einen Vergleich. Die erarbeiteten Stücke und Konstellationen werden dann jedes Jahr beim traditionellen Abschlusskonzert unter der künstlerischen Leitung von Günther Rabl präsentiert. Zuhörer sind herzlich willkommen.

„Hier, in dieser Scheune, entstehen Dinge, die durch die Welt reisen, die an anderen Orten und Städten wieder aufgeführt werden“, ist Rabl, der Ende der 80er Jahre große Festivals in Allentsteig, Linz oder Wien organisierte, sichtlich stolz. Gearbeitet und verwendet wird nur die eigens entwickelte Software von Rabl, die der Klangbearbeitung und Komposition dient. „Mittlerweile wird diese weltweit von Spezialisten verwendet, kommerziell ist sie aber kaum zu gebrauchen, denn die Programme erklären sich nicht von alleine“, so Rabl.

Vielfältiges Programm

Neben dem Abschlusskonzert, das bereits am 15. Juli über die Bühne ging, lädt man an vier weiteren Terminen im Juli und August in die Alte Sägewerkshalle (3911 Neustift 16, Eintritt frei).

„Wir sind stets bemüht, das Programm so vielfältig wie möglich aufzubauen“, meint Rabl. Zudem sind es keine Konzerte im klassischen Sinne, vielmehr finden sich von Sessel und Bänke bis zu Hängematten die unterschiedlichste Sitzgelegenheiten im Raum, draußen wartet ein Buffet. So schafft man eine ungezwungene und lockere Atmosphäre, das Publikum ist mitten im Geschehen.

„Wir haben zum Teil sehr treue Besucher aus der Umgebung. Eine Bäuerin kommt zum Beispiel gerne her, weil sie hier abschalten kann von der täglichen Arbeit. Man bekommt Zeit zum Träumen und kann seinen Gedanken nachhängen, indem man Musik und Klänge einfach auf sich wirken lässt“, freut sich nicht nur Alexandra Sommerfeld. Auch Günther Rabl erscheint die Miteinbeziehung lokaler Bevölkerung wichtig, es würden ohnehin schon genug Leute aus der städtischen Szene kommen. Die einzelnen Abende sind sehr unterschiedlich, sie reichen von meditativen Klängen bis zu dramatischer Musik, erscheinen für zuhörende Ohren mal wunderschön, mal lustig, mal befremdlich. Immer jedoch wird elektroakustische Musik im Raum inszeniert.

„Natürlich, manchen bleibt es sicher ein Rätsel, was wir hier tun“, schmunzelt Sommerfeld.

Zum Sommerprogramm


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