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RITTERKAMP. Es gibt vielleicht eine Handvoll Frauen in Österreich, die das Modellfliegen aus Leidenschaft regelmäßig betreiben. Christoph Heider hat wahrhaftig Glück, denn der Pilot darf eine der wenigen Mädels in der Szene seine Freundin nennen – Theresa Starkl. Und natürlich war deren Kennenlernen nicht ganz zufällig, wie das Pärchen Tips verrät.

Christoph ist sichtlich stolz auf seine Theresa – eine der wenigen Frauen in dem Metier.
  1 / 5   Christoph ist sichtlich stolz auf seine Theresa – eine der wenigen Frauen in dem Metier.

„Ich vermute, ich bin mit dem Virus Modellfliegen geboren“, schmunzelt Theresa Starkl. Schon als kleines Kind war sie mit ihrem Papa unterwegs auf Modellbaumessen und fasziniert von den Hubschraubern dort. Und schon bald darauf stand für sie fest: Einen solchen möchte sie fliegen! Und ihr Wunsch wurde bald Wirklichkeit, unter dem Weihnachtsbaum lag ihr erster Hubschrauber, ein Doppelrotor, das war 2005.

Seitdem hat sie das Fliegen nicht mehr losgelassen, sie trainierte, machte sich schlau in der Szene, besuchte spezielle Schulungsabende und stieg schließlich auf größere Modelle um. „Der Verkäufer war beim Kauf meines zweiten Modells, einem Jet Ranger, mir gegenüber sehr skeptisch, ob ich den wohl in den Griff bekommen würde“, erinnert sich die 22-Jährige. Aber auch das meisterte sie mit Bravour. Dazu muss man wissen, dass Hubschrauberfliegen die Königsdisziplin ist, wie Christoph Heider erläutert. „Ein Jahr lang ist man nur am Schweben, bis man langsam anfängt, das Modell vor- und zurück zu steuern, um dann mal vorsichtig Das-im-Kreis-Fliegen zu probieren – da reden wir von mindestens eineinhalb Jahren Training“, so Christoph. Geduld und Zeit sind also unbedingte Voraussetzungen eines guten Piloten. Bruchlandungen lassen sich trotz aller Vorsicht nicht vermeiden, das gehört zum Hobby dazu, auch wenn bei den oft selbst konstruierten und gebauten Objekten dann das Pilotenherz blutet.

Bruchlandung zum Verlieben

Bei dem jungen Pärchen war ein Crash aber womöglich das entscheidende Puzzlestück, das die beiden einander näherbrachte. Die 22-Jährige aus dem Bezirk St. Pölten-Land und der 32-Jährige aus Ritterkamp (bei Rappottenstein) lernten sich im Zuge einer Flugshow kennen, über Facebook wurde der Kontakt weiter aufrecht erhalten. „Meine große Maschine stürzte knapp vor meiner Matura im Juni ab und Christoph fragte mich, ob ich Ersatzteile bräuchte.“ Es war wahrscheinlich kein Zufall, dass die beiden einander auf der nächsten Flugshow wieder trafen, bald darauf fuhren sie schon gemeinsam zu den Veranstaltungen. Seit August letzten Jahres sind sie nun ein Paar. „Es gibt (Anmerkung: angesichts des weiblichen Mangels in der Szene) nicht viele, die das Hobby miteinander teilen können, da habe ich wahrscheinlich wahrhaft Glück gehabt“, lacht Christoph.

Faszination Modellfliegen

Christoph und Theresa zählen sich selbst zu den „eingefleischten Narren“, die das Modell teilweise selbst konstruieren und bauen. „Vom Elektriker über den Tischler, bis zum Kunststofffachverarbeiter – überall sollte man ein kleiner Spezialist sein. Bei diesem Hobby sind also sämtliche Berufsbilder gefragt“, erklärt der frühere DJ und deutet auf ein größeres Modell in seiner Werkstatt: „Für diese Fertigung kann man mit rund 1000 Stunden rechnen.“ In mühevoller Detailarbeit werden aus Brettern die Tragflächen hergestellt, Rippe für Rippe ausgeschnitten, zusammengeklebt, geschliffen und schlussendlich mit einem eigenen Bügeleisen foliert. Da kommt dem Heeresfahrlehrer sein früherer Beruf, er ist gelernter Tischler und Flugzeugtechniker, zugute. „Steht dann das Grundgerüst, ist die Elektronik an der Reihe, das muss man wie einen Computer programmieren und genau einstellen.“

Die große Herausforderung ist es, am Ende einen leichten Flieger in der Hand zu haben, in Österreich dürfen die Modelle ein Maximalgewicht von 25 Kilogramm haben. Bei den 6,5 Kilogramm schweren Motoren, die Christoph vorweist – gar nicht so einfach. „Diese Vierzylinder sind stärker als vier Mopeds und haben knappe 24 PS.“ Geflogen wird viel mit Motorleistung, außerhalb des aerodynamischen Bereichs, das mache das Ganze erst richtig spannend, ist das Pärchen überzeugt. „Normaler Marschflug ist uns zu langweilig auf die Dauer, das ist beim 3D-Fliegen anders“, so die beiden Showpiloten. Denn hier werden alle Achsen vorgenommen und sämtliche Figuren geflogen. „Das was der Hubschrauber alles könnte, schaffen wir wahrscheinlich in unserem ganzen Leben nicht“, meint Theresa.

Immer am Flug

Nahezu jedes Wochenende sind die beiden Showpiloten in der wärmeren Jahreszeit unterwegs, auch ein Modell mit roten Rauchpatronen sowie die Nachtflugmaschine zählen zu ihrem Repertoire. Der Erfahrungsaustausch wird auch über den Modellflugclub Rappottenstein gepflegt, der sich übrigens über jugendlichen Nachwuchs freuen würde!


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