Rappottenstein und seine Künstler: Schnitzen, Klöppeln, Weben oder Schmieden
RAPPOTTENSTEIN. Eine Gemeinde - aber unglaublich viele Künstler. Rappottenstein ist reich an alter, oft längst vergessener, Handwerkstradition. Tips hat sich in der Gemeinde umgeschaut.

Wenn Fritz Besenbäck aus Kleinnondorf nicht mit seiner Bio-Landwirtschaft beschäftigt ist, dann ist er in der Werkstatt zu finden. Gerade schnitzt der 55-Jährige gekonnt an einer Eule - eine Auftragsarbeit. Oftmals aber lässt er seinen Ideen freien Lauf und fertigt aus einem Holzblock kunstvolle Skulpturen oder Reliefs, angeregt durch die natürlichen Gegebenheiten des zu bearbeitenden Holzes. Wenn sich die Feinarbeit zu Ende neigt und eine Schicht Öl die Strukturen des jeweiligen Holz richtig hervorkehrt, dann ist das für Besenbäck, der das Handwerk seit vier Jahrzehnten mit viel Liebe zum Detail ausübt, ein Glücksmoment.
Freie Nischen findet man im großen Haus der Familie kaum mehr. Gerne zeigt er Interessierten die breite Palette an Holzkreationen, von Reliefs, Skulpturen oder Altholzkreationen, die auch die stetige künstlerische Weiterentwicklung Besenbäcks veranschaulichen.
Geduldsarbeit
Ein Haus weiter oberhalb, ebenfalls in Kleinnondorf, wohnt Herma Besenbäck, sie ist eine der Letzten, die mit der Kunst des Klöppelns vertraut ist. Diese Handarbeitstechnik zur Fertigung von feinsten Spitzen interessierte sie schon seit jeher. Gute Augen, Zeit und vor allem viel Geduld sind dafür erforderlich. Rund 2500 Stunden verbrachte sie, um ihr aufwendigstes Werk mit 380 Klöppeln zu vollenden.
Gewebte Kunst
Im Dörfchen Roiten, wo sich der Kamp wildromantisch seinen Weg bahnt, findet sich neben namhaften Familienbetrieben auch allerlei Handwerkskunst. Gewebte Kunst kreiert beispielsweise Roswitha Haghofer. Ihr Fokus liegt neben Taschen auch auf Fleckerlteppichen, die sie aus Altkleidern herstellt und bis nach Deutschland versendet. „An einem Quadratmeter Teppich sitze ich schon mal fünf bis sechs Stunden“, meint die quirlige Roitnerin lächelnd. Ebenso wie Fritz Besenbäck, lädt sie Interessierte anlässlich der NÖ Tage der offenen Ateliers am 14. und 15. Oktober, zu ihr in die Weberstube ein.
Waldviertler Erfinderwerkstatt
Ebenfalls in Roiten hat die Waldviertler Erfinderwerkstatt von Stephan Pöhnlein ihren Sitz. Dort werden Ideen wie die Waldviertler Klangpyramide, der „weltbeste“ Flaschenöffner oder sinnstiftende WC-Papierhalter geboren - ein Besuch in der Werkstätte lohnt sich.
Friedrich Hundertwasser
Und nicht zu vergessen: Friedrich Hundertwasser, der 1962 die Hahn-Säge bei Roiten kaufte. Während seiner Aufenthalte in der Gemeinde, malte er mehr als 40 seiner Bilder, von denen er auch einige dort fertig stellte und signierte. Eine Galerie im „Hoidahaisl“ erinnert an den verstorbenen Künstler.
Gleich daneben findet sich das Dorfmuseum, in dem von Mai bis September jährlich vier Ausstellungen gezeigt werden. Das Heimatmuseum im Obergeschoß ist mit sämtlichen Exponaten und Raritäten aus vergangenen Zeiten versehen.
Es gäbe noch so vieles...
Viele weitere Künste gäbe es in der Gemeinde zu entdecken, so trifft man bei Veranstaltungen immer wieder auf Josef Hahn aus Ritterkamp, der den Besuchern die Kunst des Schmiedens näher bringt. Außerdem: Schon mal von „Kunst zwingt Rost“, dem Skulpturenpark in Pehendorf gehört?


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